Literary – Sonic Youth, Gorleben, Burroughs und der Holocaust

Neuerdings kriegen wir wieder vermehrt Bücher zugeschickt. Manchmal sogar wirklich gute. Keine Ahnung, warum auf einmal—aber an sich spricht nichts dagegen, ab und zu Bücher zu rezensieren. Diesmal geht es um Sonic Youth, Gorleben, Burroughs und den Holocaust. In der Reihenfolge.

GOODBYE 20TH CENTURY: DIE GESCHICHTE VON SONIC YOUTH

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David Browne

Kiepenheuer&Witsch

Es handelt sich hierbei um eine typisch amerikanische Bandbiografie, also wird über hunderte Seiten genauestens beschrieben, wer wann wo wen kennengelernt hat, wer sonst noch so da war und wer nicht und warum, was die Anwesenden vorher und nachher so gemacht haben und wie sich alle bei allem gefühlt haben. Selbst bei epocheprägenden Bands geht einem derartige Detailliertheit irgendwann auf den Sack, fremder Leute Scheiß bleibt der Scheiß fremder Leute; das New York der Achtziger und SYs künstlerische Vielseitigkeit hin und her. Aber wir wollen uns nicht beschweren, das englische Original ist noch länger. Ferner war von nichts, das man umblättern kann, zu erwarten, dass es Songs wie “Cotton Crown” erklären kann. They manifested the mystery.

MEIN LETZTER VERSUCH DIE WELT ZU RETTEN

Jo Lendle

DVA

Florian verbringt seine Jugend in den Achtzigern. Florian ist ein Depp. Ein alternativer Hippiedepp. Ein alternativer Hippiedepp mit zuviel Idealismus und einer ökologischen Weltanschauung. Anstatt schales Bier vom Boden des Rattinger Hofes zu trinken und sich zu verweigern, wie es anständige Jugendliche damals taten, mischt er sich unter das schlimmste Pack, das diese Republik jemals hervorgebracht hat und fährt auf Dummbummdibummfahrt ins Wendland, um gegen den Castortransport zu demonstrieren. Aber auch das nur, um eine Frau zu beeindrucken. Dabei stirbt er. Wen interessierts.

NAKED LUNCH: DIE URSPRÜNGLICHE FASSUNG

William S. Burroughs

Nagel&Kimche

Für den gemeinen Leser ist der Unterschied zwischen der bisherigen und der neuen, “ursprünglichen” Fassung kaum bis nicht feststellbar – es geht immer noch um Junk und Arschficken, nur diesmal besser übersetzt. Insofern ist die Neuveröffentlichung die Chance für all die Milliarden Künstler, die angeblich von Burroughs inspiriert wurden, das Buch endlich zu lesen. Kommt schon, es lohnt sich.

MEIN HOLOCAUST

Tova Reich

DVA

Aids ist nach 25 Jahren witzig. Man darf Scherze darüber reißen. Superaids, oder so was, was aber auch egal ist, denn es gibt etwas, das nicht witzig ist und niemals witzig sein wird, egal wie sehr man sich bemüht, das Ganze als Satire zu vermarkten: der Holocaust. Superholocaust. Merkt ihr was? Zum Beispiel, dass das gar nicht geht?

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