ich habe zu der „We Love Cops”-Ausgabe einen Leserbrief mit meiner eigenen Polizeierfahrung in Berlin geschrieben. Ich wurde von Euch ermuntert einen langen Bericht zu schreiben, was ich jetzt getan habe.
Videos by VICE
Hier ist er:
Zu den ach so netten Staatsdienern in Berlin:
Eigentlich wollte ich nur Freunde in Berlin besuchen, als ich letztes Jahr für einen Kurzbesuch von meinem Auslandsstudium aus Birmingham in die Hauptstadt kam. Abend gingen wir zusammen auf eine große Wohnungsparty in der Nähe der Warschauer Brücke. Die Wohnung war brechend voll und die Party klasse. Offensichtlich waren die Nachbarn anderer Meinung und verständigten die Polizei. Als unsere Freunde in Grün eintrafen, verließen die meisten Gäste die Wohnung und gingen auf die Straße, auch ich. Offensichtlich hatten die eifrigen Ordnungshüter mit einer autonomen und gewaltbereiten Großdemonstration gerechnet, denn vor der Tür standen mehrere Polizeiautos sowie ein Mannschaftswagen mit Polizisten in voller Kampfmontur.
Interessante Szene, dachte ich mir und machte mich sofort daran, mit meiner Digitalkamera Fotos und Filme von dem bunten Treiben zu schießen. Die Staatsgewalt wusste meine Aufmerksamkeit leider nicht zu schätzen und bedeutete mir, das Fotografieren einzustellen. Ich war mir keiner verwerflichen Handlung bewusst (denn schließlich werden auf Demonstrationen auch Polizisten gefilmt), ließ mich also von den Aufforderungen nicht beeindrucken und ging weiter meiner dokumentarischen Arbeit nach.
Plötzlich stand einer der Polizisten vor mir und bellte mich an, ihm sofort meine Kamera zu geben. Als ich schnell die Kamera in meiner Tasche verschwinden ließ, umringten mich sofort vier Polizisten, die mich zu Boden pressten und mir Handschellen anlegten. Danach ging’s ab auf der Wache. Auf Fragen, was ich denn verbrochen hätte, bekam ich in strammem Berlinerisch nur zu hören: „Jetzt biste bei uns, jetzt haste nichts mehr zu melden, jetzt gehörste uns.”
Der Rest ist kurz und knapp erzählt. Ich wollte die Kamera nicht aushändigen, bevor ich keinen triftigen Grund gehört hatte, weshalb ich festgehalten werde. Nachdem mein Kopf mehrmals gegen die Wand geschlagen wurde, änderte ich meine Meinung und überließ den netten Beamten die Kamera.
Als ich schließlich doch aufgeklärt wurde, dass ich gegen das Kunsturheberrecht verstoßen hätte, welches besagt, dass die Aufnahme von Portraitfotos ohne die Zustimmung der Person nicht gestattet ist, erklärte ich mich, nun in wundersam kooperativer Stimmung, dazu bereit, alle Portraitaufnahmen zu löschen. Als sich jedoch herausstellte, dass auch bei einer sehr weiten Definitionsauslegung von Portraitaufnahmen, keines meiner Bilder diesem Kriterium entsprach, verlangte der nette Beamte die Löschung aller Aufnahmen.
Mit meinen neu erworbenen juristischen Scharfsinn rezitierte ich die soeben erhaltene Belehrung über das KUG‚ das sich doch auf Portraitaufnahmen beschränke. Diese juristischen Winkelzüge gingen sowohl Freunden als auch Helfern eindeutig zu weit. Ein Hüter des Gesetzes packte mich unsanft Kragen, hob mich hoch, ließ mich durch die Luft segeln und nicht ganz so sanft zum Boden fallen. Als er mit sonorer Stimme seine Forderung wiederholte, willigte ich, die schwarze Stiefelsole über meinem Gesicht anlächelnd, schweren Herzens ein.
Nachdem alle Bilder gelöscht waren, zeigte man mir mein Zimmer für die Nacht, das praktischerweise auch gleich auf der Polizeistation war.
Einige Wochen später flatterte mir ein Brief der Staatsanwaltschaft nach Hause. Von dem Verstoß gegen das KUG kein Wort mehr, jedoch von Widerstand gegen die Staatsgewalt, aha. Offensichtlich hatte man festgestellt, dass kein Verstoß gegen das KUG vorlag und wenn doch, wurden ja klugerweise alle Beweismittel gelöscht. Aber irgendwie musste man ja auch die Festnahme und die kostenfreie Übernachtung rechtfertigen.
Aus diesem Anlass traf sich die Märchenrunde der Polizei Berlin Friedrichshain und ersann wohl nach einigen Runden Korn und Obstler folgende Geschichte:
Bei meiner Festnahme habe ich mich berserkermäßig gewehrt und um mich geschlagen, wobei ich dem armen Herrn Heydrich (Name geändert) das Knie verdreht habe. Danach sei ich geflüchtet und könnte nur dank dem heldenhaften Einsatz von Herrn Steiner (Name geändert) wieder eingefangen werden.
Aber nicht genug der infamen Unterstellungen. Auf der Polizeistation soll ich gedroht haben, den Herren eine unruhige Nacht zu bescheren und mich an ihnen zu rächen, womöglich blutig, was eine Einkerkerung über Nacht gerechtfertigt habe.
Tja, wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt” stehe ich nun vor Gericht und werde verlieren. Denn welcher Richter zweifelt schon an den Aussagen fünf ehrwürdiger Staatsdiener?
Deshalb hier meine Frage: Warum gibt es auf Polizeistationen keine Kameras? Überall überwacht der Staat die Bürger, deshalb ist es nur gerecht, wenn die Staatsgewalt sich auch auf die Finger schauen lässt. Wenn Polizisten sich gesetzesgemäß verhalten, haben sie nichts zu befürchten, wenn nicht, können sich Bürger durch die Aufnahmen gegen polizeiliche Willkür verteidigen – zumindest nachträglich. Soviel Rechtsstaatlichkeit sollte in einer angeblichen Musterdemokratie wie Deutschland eigentlich nicht zu viel verlangt sein. Also meine Herrn Politiker: Hier meine Forderung. Ab sofort Kameras auf Polizeistationen, damit man nicht Opfer wird und hinterher noch als Täter verurteilt wird.
FABIAN
PS:
Am Donnerstag den 3.8 ist meine Verhandlung imtsgericht Tiergarten, Turmstraße 91, 10559 Berlin um 10.15 Uhr, Saal D 113.
More
From VICE
-

-

The Apple Watch Ultra 3, because there aren't pics of a rumored, unreleased Ultra 4 yet. – Credit: Apple -

Bruce Willis -

Nickelodeon