Arktische Teenager

Meine Freundin Hannah hat zwischen 13 und 18 in Iqualit gelebt-der Hauptstadt von Nunavut. Der kranke Scheiß mit dem sie sich jeden Tag rumschlagen musste, lassen die meisten Teenager Probleme wie Pickel oder zum ersten Mal verknallt sein wie einen Witz aussehen (was sie eigentlich sowieso sind). Wenn du denkst, du hattest es schwer, weil du 45 Minuten lang Bus fahren musstest, bis du in der Stadt warst, oder weil sie im Depaneur (das ist ein Kiosk, für alle, die noch nie in Quebec waren)? Stell dir vor es wären -50°C draußen, Alkohol und Drogen kosten fast drei mal so viel wie im Rest des Landes und ein paar deinen Freunde haben sich umgebracht, weil sie verlassen wurden. So ist es in Nunavut ein Teenager zu sein. Zusammengefasst.

Nunavut wurde vor elf Jahren gegründet und in Iqaluit–die größte Stadt und die Hauptstadt-wohnen knapp 7.000 Leute, eine Mischung aus lokalen Indianern (Inuits) anderen kanadischen Indianern und ein paar Weißen, die aus Spaß dazu geworfen wurden. Nicht so wie andere verwöhnte Teenager anderswo, kannst du deiner Gemeinde weder aus dem Weg gehen, noch sie ignorieren und das kannst du genauswenig mit deiner Umwelt tun. Ich glaube das ist der Grund (und der Fakt, dass sie da oben kein richtiges Internet haben), dass Anna eines der erwachsensten und reifsten Mädchen ist, die ich kenne. Ich habe sie vor kurzem darum gebeten mir zu erklären wie es war ein Teenager in der arktischen Eiswüste zu sein.

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Abhängen

In Iqaluit sind Orte zum Abhängen ziemlich selten und weit voneinander entfernt. Man nicht einfach zur Straßenecke oder einem Park gehen, im Winter wird es manchmal -50°C. Einer der besten Plätze zum Abhängen war die Inuksuk Highschool, wenn du sie von oben ankuckst, wie ein aufgeblasenes Hakenkreuz aussieht. Die Leute haben sich in der Mitte getroffen, die sie tisi nannten, was soviel heißt wie „lokaler Treffpunkt”. Dann gab es noch ein Restaurant in dem man sich treffen konnte, es hieß The Snack und war ein Franko-Kanadisches Diner. Es war der einzige Fast Food Laden in der Stadt und es war 24 Stunden geöffnet, deshalb sind da alles hin, wenn sie total drauf waren und haben Poutine gegessen. Es war ein lokale Sehenswürdigkeit und alles es abbrannte sind alle hin und sind mit Schlitten von den Ruinen gesprungen.

Hobbies

Highschool Schüler müssen Kurse im Outdoor Kurse belegen. Man lernt wie man Iglus baut, jagt oder Fische im Eis konserviert. Es gibt auch Waffenkurse und manchmal fahren sie zum Campen auf Inseln, auf denen sie dann jagen und ihr eigenes Essen zubereiten. Ziemlich cool für Kinder. Viele Kinder machen Hallensport wie Fußball oder Basketball, wenn es draußen zu kalt ist. Das ist Beschäftigung und es bringt die Endorphine zum Fließen, vor allem im Winter, wenn es so etwa sechs Stunden Tageslicht gibt. Im März gehen die Leute Snowboarden, weil es viele tatsächlich unberührte Berge hier gibt. Sie machen einen Tagesausflug und ziehen Tank Tops an obwohl es -35°C sind und holen sich nen Sonnenbrand.

Essen

Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, essen die Leute in Nunavut ziemlich abgefahrenes Zeug, Sie essen Augäpfel, Robben, Karibu und Moschusochsen- Sie essen auch Muktuk, gegorenes Walfett, der über Winter unter Steinen gefriergetrocknet wird. Einmal hat so ein Typ was davon mit in die Schule gebracht. In so einer Tupperware Dose und die gesamte Schule hat angefangen zu schreien: „Mach es wieder rein! Mach den Deckel wieder drauf!” Aber es war zu spät, der Deckel war auf und die gesamte Cafeteria hat für eine Woche nach süßem, verfaulendem Fleischabfall gerochen.

Musik

Dadurch dass es kein Internet gibt, erreichen Jugendtrends Nunavut erst mit ziemlicher Verspätung. Hiphop kommt da oben ziemlich gut an, weil die Leute sich mit Songs über Drogen, Armut und Alkohol gut identifizieren können. Manchmal haben sie einmal im Monat eine Art Jugendclub organisiert, wo sie dann AC/DC oder Led Zeppelin Coversongs gespeilt haben. Davon abgesehen gab es keine nennenswerte lokale Musik- oder Kunstszene. Oh, einmal haben die White Stripes gespielt und angeblich ist die gesamte Stadt total ausgeflippt und jede einzelne Person, jung und alt, ist hin.

Cliquen

In Iqaluit kennst du jeden in deiner Highschool. Es gibt keine richtigen Cliquen, weil es gar nicht genug Leute gibt um verschiedenen Gruppen zu bilden, aber es gab eine Trennung zwischen den Weißen und den Inuk Leuten. Hannahs Spitzname war „quangalukaqiqee”, wassoviel heißt wie lächelnder Dämon, aber es war wohl nicht böse gemeint (oder das denkt sie wenigstens). Die Vorstellung, dass alle Freunde sein müssen ist irgendwie sogar schön, auf eine bizarre Art. Leute treffen sich mit anderen, mit denen sie unter normalen Umständen nie etwas zu tun hätten, einfach weil sie keine andere Wahl haben. Trotzdem ist die Selbstmordrate bei Teenagern viel höher als im Durchschnitt, und das kann dich überraschen, wenn du realisierst, dass du mit den Leuten vielleicht doch nicht so vertraut bist, wie du ursprünglich mal dachtest.

Teenager Liebe

Wie überall sonst auf der Welt müssen sich die Teenager in Iqaluit mit verrücktspielenden Hormonen herumschlagen. Wenn du dazu Alkohol, Isolation, die Abwesenheit von Tageslicht und kulturelle Ermüdung rechnest, bist du ganz kurz vor der Explosion. Ein paar der jungen Typen, die Iqaluit noch nie verlassen haben, werden von ihrer ersten Freundin verlassen und bringen sich einfach um. Ihre Begründung ist „sie ist das einzige Mädchen in der Stadt die ich liebe und die ich jemals lieben werde”-das ist abgefuckt aber auch irgendwie wahr, weil sie tatsächlich alle anderen kennen. Wenn du hier oben jemand gefunden hast, den du liebst, dann war’s das, es gibt nicht soviele Optionen. Die meiste Gewalt und Aggression hier oben stammt aus Beziehungen.

Jugendkultur

Leben in so einer beschränken und kulturell isolierten Umgebung zieht die Abwesenheit von Teenager Subkulturen nach sich. Ein paar Leute wurden zu Gothics, aber irgendwann sagten sie „Scheiß drauf!” und haben ihre Haare wieder zu ihrer natürlichen Farbe gefärbt und aufgehört sich schwarz anzuziehen. Eines Tages tauchen si in der Schule mit einem pinken Haarband auf und du weißt genau, dass es jetzt vorbei ist. Die Idee von Subkultur greift nicht, wenn jeder verzweifelt versucht seine eigene kulturelle Identität irgendwie zu erhalten.

Party

Wie bei den meisten Teenagern ist das Ziel für einen Samstagabend, so fertig wie möglich zu sein. Wenn du keine coolen älteren Geschwister hast, bist du dafür ziemlich auf dich allein gestellt. Ein typischer Samstagabend in Iqaluit besteht daraus rumzulaufen und eine Party zu suchen. Es ist illegal Alkohol außerhalb einer Bar zu verkaufen, aber die meisten ihn einfach. Das Mindestalter für Alkohol existiert hier natürlich auch aber es wird nicht wirklich durchgesetzt, was in einem riesigen Schwarzmarkt für Alkohol und Drogen resultiert. Irgendjemand bringt ein paar Flaschen Wodka in ihrer Reisetasche mit, stecken das der richtigen Person und machen ein schönen Profit.. Ein Gramm Gras kann 30$ oder mehr kosten. Der Unterschied zwischen Iqaluit und anderen Städten ist, dass Leute sich viel öfters total weg schießen. Vier Mädchen legen für eine Flasche Wodka zusammen und sie ist in 15 Minuten weg. Ein Stunde später, nachdem alle fertig mit Kotzen sind, heißt es dann „Und was machen wir jetzt?” Die Abwesenheit von Alkohol scheint sie nur anzustacheln. Wenn sie irgendetwas finden, machen sie es so oft und so exzessiv wie möglich, weil sie nicht wissen, wann sie nochmal ran kommen könnte. Bei einem besonders besoffenen Ausflug sind Hannah und ihre Freundin Shelly einen großen Hügel runter gelaufen der voll war mit Schneeverwehungen, nachdem sie zu zweit ein Flasche Fireball Whiskey getrunken haben. Shelly trug unglaublich rutschige Robbenlederstiefel. Natürlich ist sie ausgerutscht und hat Hannah hinter sich her gezogen. Hannah ist angehalten, nachdem sie mit ihrem Gesicht in einen großen Haufen Steine gerutscht ist. Am nächsten Tag hatte einen Riesenkratzer und ein Knie so groß wie das eines Walrosses und konnte damit in der Schule angeben.

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