Wenn die ewig Gestrigen nur endlich wegsterben würden.
In Deutschland wird häufig der Satz “niemals vergessen” in den Mund genommen. Es ist richtig, wichtig und unabdingbar, den Horror des dritten Reiches niemals zu vergessen. Das ist Fakt. Auch die Trennung Deutschlands sollte niemals vergessen werden und das wurde am Wochenende anlässlich des 50 Jahrestages des Mauerbaus auch bewiesen, doch nicht jeder freute sich an diesem Tag über das geeinte Deutschland und den Fall der Mauer.
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Heinz Keßler, seines Zeichens NVA-General, ehemaliger Verteidigungsminister der DDR, der Typ der für den Schießbefehl an der Mauer verantwortlich war (das aber selber vergessen hat) und nun als 91-jähriger Greis der Spitzenkandidat der DKP, hatte wohl Tränen in den Augen, als er mit seinem Genossen und anderen alten General, Fritz Streletz, vergangene Woche über die guten Seiten, die “humanistischen Seiten” der Mauer schwadronierte und ihr Buch Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben vorstellte.
Tja, die alten Zeiten sind gottseidank vorbei, die Zeiten von Stacheldraht, Selbstschussanlagen, Schießbefehl und Anti-Personen-Minen an der innerdeutschen Grenze, doch die greisen Militärs lässt das unbeirrt. In ihren Erläuterungen wird keine Spur Selbstreflektion deutlich, stattdessen wird von “wirksamen friedenssichernden Maßnahmen” gesprochen, davon, dass sie als Militärs ihr Augenmerk auf militärpolitische Aspekte, auf militärstrategische Fragen richteten und dass damals die “menschliche Seite” keine, allenfalls eine nachrangige Rolle spielte. Denn darin sind sich die beiden einig: “Die Führung der DDR, wir beide eingeschlossen, hat jeden einzelnen Todesfall an der Staatsgrenze bedauert. Kein einziger war gewollt. Und nicht nur, weil dadurch der Sozialismus Schaden nahm.” Wenn man dabei nun denkt, dass es schon kaum noch zynischer geht, dann hat man natürlich recht, aber auch erst die Hälfte der Einleitung gelesen. Darauf folgt die Rethorik der ewig Gestrigen, die immer noch auf ihrem Steckenpferd reiten und sich Scheuklappen aufgesetzt haben, um auch keinesfalls irgendwo anders hinsehen zu müssen als direkt auf ihre andere, ihre ideologische Mauer. Der Waffeneinsatz an der Grenze war laut den beiden auch nur eine notwendige Konsequenz, und ganz nach Walter Ulbricht zitieren sie “Jeder Schuss an der Mauer ist zugleich ein Schuss auf mich.” Man muss bezweifeln, dass auf beide je über 200 Mal geschossen wurde…
Dafür, dass diese beiden Männer für über 200 Tote an der Mauer verantwortlich waren und diese mit ihrem Zynismus verhöhnen, ohne den Hauch eines schlechten Gewissens noch immer erwiesenes Unrecht schönreden und dafür, dass sie sich weigern, einfach wegzusterben, sind Fritz Streletz und Heinz Keßler unsere Arschlöcher der Woche.
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