

Regie: Joey Silvera
Bewertung: 10
JoeySilvera.com/Evilangel.com
Im April wurde bei meinem dreieinhalbjährigen Erstgeborenen nach einer ganzen Reihe von Tests eine autistische Störung diagnostiziert. Vielleicht hätte ich schon früher merken müssen, dass irgendwas nicht stimmte—beispielsweise, als er im Alter von zehn Monaten auf dem Essbrett seines Hochstuhls 34 Pfannkuchenstücke in gleichen Abständen in einer geraden Linie arrangierte. Oder im Alter von zwei Jahren, als er sehr eigen wurde, wenn es um das Wegräumen seiner Spielsachen und Bücher ging und jede Abweichung von der üblichen Vorgehensweise zu einer absoluten Krise führte. Aber ich hatte keine Ahnung, worauf ich achten sollte. Er war mein erstes Kind und ich hatte keinen Vater, den ich hätte um Rat fragen können. Es war der Vorschullehrer, der mir riet, ihn wegen seines ständigen Summens und seiner Ausbrüche von einem Fachmann untersuchen zu lassen.
Die Diagnose schien just in dem Augenblick zu kommen, als die Dinge besonders schlimm standen. Seine Krisen und Ausbrüche wurden gewalttätig und er hätte meiner Frau mit einem Tritt ins Gesicht einmal fast die Nase gebrochen. Ich hüllte ihn mit meiner Liebe ein und wiegte mich vor und zurück, um ihn zu beruhigen. Ich flüsterte ihm ins Ohr, wie schlimm es ist, andere Menschen zu schlagen.
Am ersten Juli begingen wir unseren siebten Hochzeitstag und ich fand mich auf einem Campingtrip mit der Familie im Auto Richtung Maine wieder. Wie erwartet, roch es auf dem Campingplatz nach Inzucht und White Trash aus allen Teilen Amerikas. Das Ehepaar in der Hütte neben uns war aus Ohio. Beide trugen Brille, was ihnen etwas Gebildetes gab; wie falsch dieser Eindruck war, wurde mir jedoch klar, als ihre fünfjährige Tochter auf dem Fahrrad herbeiradelte und: „Mami, Nucki!“ rief. Worauf sie vom Rad sprang und zu ihrer Mutter rannte, die unterdessen ihre eingefallene Brust herausholte, um dem Kind ihre Titte in den Mund zu stecken.
Der Swimmingpool war eiskalt, jedoch an einer Seite von vier Hot Tubs gesäumt. Mein Sohn fand Gefallen daran, erst in das eiskalte Wasser zu springen, bis seine Körpertemperatur gesunken war, um dann genau 34 Sekunden lang in eines der heißen Sprudelbäder zu hüpfen, bevor er in das nächste sprang. Zwei der Sprudelbäder waren als für über 18-Jährige, zwei für unter 18 gekennzeichnet. Er kann bereits lesen, beschloss aber, die Schilder zu ignorieren, und ich hinderte ihn nicht daran, denn er hatte seinen Spaß.
Ein 40-jähriger Redneck-Möchtegern-Italo (mit Vokuhila und Goldkettchen, Oakley-Sportsonnenbrille und einem Pamela-Anderson-Barbwire-Tattoo am Oberarm) war gerade dabei, ein Sprudelbecken für sich und seinen Kumpel einzustellen. Mein Sohn achtete gar nicht auf ihn und glitt in ihr Becken. „Das ist nicht für Kinder“ meinte der Typ. Mein Sohn ignorierte ihn und zählte weiter bis 34. „Geht in Ordnung, ich bin sein Dad“ sagte ich dem Typen. Er insistierte jedoch, zeigte auf das Schild, das sei nur für über 18-Jährige, und so weiter. Ich schaute ihn an und lachte. Er hatte keine Ahnung, wie wichtig es für meinen Sohn war, bis 34 zu zählen, und ich würde es ihm auch nicht erzählen. Es ging ihn verdammt noch mal nichts an und ich wollte auch nicht, dass mein Sohn sein Leben lang eine Sonderbehandlung bekommt, weil er anders ist. Wenn ihn diese seltsamen Spleens glücklich machen, besteht kein Grund, dass er oder jemand anders sich dafür entschuldigt. Ich erklärte dem Kenny-Powers-Stuntdouble, dies sei ein Campingplatz, wir alle seien in den Ferien und er solle sich mal locker machen.
Daraufhin sprang er aus dem Wasser und baute sich vor mir auf. Er bat mich förmlich darum, ihn bewusstlos zu schlagen und das Becken mit seinem Blut zu füllen, und ich musste mich gewaltig zusammenreißen, um zu widerstehen.
„Du kämpfst für ein Becken mit heißem Wasser, du Schwanzlutscher. Ich kämpfe für meinen Sohn. Wer, denkst du, wird diesen Kampf gewinnen?“, fragte ich ihn. Vielleicht hatte ihn die Oakley-Sonnenbrille für einen Augenblick mit etwas Intelligenz ausgestattet, denn er ließ es gut sein.
Nie war ich näher dran gewesen, einen Mann vor den Augen meines Sohnes zu schlagen. Ich finde es schrecklich, dass er mich so gesehen hat, und an seinem ängstlichen Blick konnte ich sehen, dass es etwas in ihm ausgelöst hatte.
„Vierunddreißig?“, frage ich ihn.
„Vierunddreißig.“
„Willst du ein Eis?“
Als wir weggingen, um ein Schokoladenhörnchen mit Regenbogensprenkeln zu holen, fragte er: „Papa, wolltest du den Mann schlagen?“
„Nein, Junge. Wir schlagen niemanden.“
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