Das nächste Plagiatsopfer: Kavin Saunderson

Was ist das Schöne an dieser Guttenberg-Affäre? Dass jeder eine Meinung dazu hat. Das Fernsehen ist plötzlich wieder spannend geworden, weil all die polemischen Wadenbeißer von der Leine gelassen werden, die nur darauf warten, unter irgendeinem Vorwand ihr Gift zu verspritzen.

Gestern saß beispielsweise die gute alte Jutta Ditfurth bei Maischberger und verströmte bräsige Süffisanz, indem sie dem Freiherren genetisch eingegebenen Hochmut attestierte. Der zur Verteidigung Guttenbergs eingeladene und schon etwas verknitterte Parteigenosse Norbert Geis nannte den Mediensturm, den Guttengate auslöste, im Sinne Ernst Jüngers ein ausgewachsenes Stahlgewitter. Eine Gesprächsrunde voller tiefer Einsichten. Man darf sich auf heute Abend freuen, da geht’s weiter bei „Hart aber fair“.

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Man kann zu dem Sachverhalt stehen, wie man will. Eins ist unstrittig und wird durch die Diskussion glücklicherweise hier und da für Sensibilisierung sorgen: geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Wenn jetzt Kevin Saunderson, einer der Halbgötter des Detroit Techno, also Mitinitiator eines Genres, in dem Sampling (auf Deutsch: Zitieren ohne Fußnoten) zum guten Ton gehört, beleidigt rumquengelt, ein paar italienische Produzenten wären zu dreist und respektlos vorgegangen, als sie seinen Track „The Sound“ aus der Prähistorie des Techno (1987) hervorgekramt und eine billige, aber anscheinend erfolgreiche Techhouse-Bagatelle daraus gemacht haben, dann könnten böse Zungen behaupten, bei einer Umsatzbeteiligung hätte Saunderson nicht so einen Wind gemacht. Wir aber glauben an den Kodex sauberen wissenschaftlichen Arbeitens und geben mit Erlaubnis des Urhebers das Original an euch weiter, das, trotz allem und symptomatisch für viele andere Plagiatsdelikte auch (siehe oben), oft nicht zu verbessern ist. Zitiert sauber! Verweist ordentlich! Macht keinen Scheiß! No more Guttenbergers!

Hier “The Sound” – Reese & Santonio (1987, KMS Records) als Download von Saundersons eigener Website.

Hier der Ripoff-Track zum Vergleich.

Und hier das weinerliche Statement des Urhebers:

„The reason I have decided to give this track away for free is because of a situation that recently developed involving the unauthorized sampling of “The Sound” by Italian producers Giacomo Godi & Emiliano Nencioni (Supernova) in their release “Beat Me Back” on Nirvana Recordings. It came to my attention that they are licensing and selling, with considerable success, this track which is nothing more than a continuous loop of the main hook from “The Sound.”

For me to hear ‘Supernova’ taking an extended loop of “The Sound” and claiming that this is their own original composition and production is both dishonest and disrespectful. My first thought was that they were perhaps naïve, but as they have apparently been recording together since 2002 this seems unlikely. In any event this is completely unacceptable, we cannot continue to let this kind of wholesale rip off go unchallenged and tolerate “artists” who completely sample recordings, add nothing of their own and then release the results as their own work.“

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