Hallo Paranoia. Zurzeit steht es ja besonders übel um diese Erde und uns alle. Es kommt einem beinahe so vor, als würde die Apokalypse jede Woche an die Tür klopfen und da braucht es nicht erst die Sache in Japan, um im Internet einen Laden aufzutun, der sich ausschließlich auf das Überleben nach der Apokalypse spezialisiert hat.
Ich rief also mal Hendrik Weiand, den Geschäftsführer von Segurisk, an—einem Laden, dessen Warenangebot einzig und alleine darauf ausgerichtet ist, einen noch ein paar Wochen, Monate oder Jahre am Leben zu halten, wenn die Scheiße wirklich anfängt zu kochen. Wenn man also zentnerweise Weizen, Wasserfilter oder Schutzanzüge braucht, ist man dort an der richtigen Adresse. Wer jetzt aus Angst vor dem Atomtod schon ganz kirre im Kopf ist, dem empfehle ich, sich sofort ein Loch zu graben. Alle anderen können sich die Zeit nehmen, das hier noch in Ruhe durchzulesen, und dann anfangen zu graben.
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VICE: Wie lange gibt es Ihren Laden schon? Was war der Anlass, so einen speziellen Laden überhaupt zu eröffnen?
Hendrik Weiand: Uns gibt es bereits seit 2006 und der Hintergrund war zum einen privates Interesse, also dass sich mein Geschäftspartner und ich uns bereits seit unserer Jugend mit Survival beschäftigen. Das Motiv war, das zu machen, was uns Spaß macht und vielleicht damit auch etwas zu verdienen. Und in Hinblick auf das Zeitgeschehen haben wir uns gedacht, dass Krisenvorbereitung praktischer Art Sinn macht.
Gibt es in diesem Bereich viel Konkurrenz?
Das ist ja eine Art schleichender Übergang zwischen einem Outdoor-Anbieter, der teilweise in das Segment hineingeht, was Langzeitnahrung und gefriergetrocknete Nahrung betrifft und einem klassischen Krisenschutzanbieter. Es gibt auch andere, aber nicht so, dass große Ketten dies aufgegriffen hätten. Anders als zum Beispiel in den USA, wo man in einen Baumarkt gehen und sich Jahrespakete an Nahrung kaufen kann. Das ist aber schon eine Industrie, die dahinter steckt.
Wieviele Ihrer Kunden kaufen ausschließlich in Hinblick auf Krisenschutz?
Der Schwerpunkt liegt bei uns schon auf dieser Gruppe. Wir sehen natürlich nicht jedem Kunden an, weshalb er etwas kauft, wir können auch nicht immer eine Kundenbefragung anhängen, aber durch die Gespräche, die wir führen, kriegen wir mit, dass es vielfach aufmerksame Bürger sind. Einige haben Kenntnis davon, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz ja auch ganz offiziell den Hinweis gibt, dass jeder Haushalt in Deutschland einen Vorrat für 14 Tage haben sollte—oder eben einfach Leute, die in den Nachrichten etwas gehört haben und sich deshalb ausrüsten wollen. Eine dritte Gruppe sind ältere Personen, die noch Krieg und Nachkriegszeit erlebt haben.
Was war die größte Bestellung? Sie bieten ja dieses Liveboat XXL an, dass einen für Monate autark macht und nur schlappe 6000 Euro kostet.
Wir sehen das als Test, denn wir haben durchaus Kunden, die sukzessive diese ganzen Dinge kaufen, aber das ist ein Ansatzpunkt. Es gibt nämlich durchaus Bestellungen, die kostenmässig in diesem Bereich von mehreren tausend Euro liegen, aber das geht meistens aus Beratungsgesprächen hervor. Denn wer für 90 Tage Nahrungsmittel kauft, der braucht gegebenenfalls zusätzliches Equipment.
Aber haben schon Leute für Jahre oder Monate bei Ihnen vorgesorgt?
Ja, das schon. Da war eine Großbestellung Weizen. Zum Beispiel den 900 Kilogramm Weizen in einem Container und das lässt schon Rückschlüsse zu, das heißt, wir wissen dann, dass diese Vorbereitung im Bereich von Monaten bis hin zu Jahren gedacht ist.
Sie führen ja zusätzlich ja auch einen Blog, der sich mit Katastrophen rund um den Globus beschäftigt. Machen Sie das persönlich und wenn ja, warum?
Nun, zum einen für unsere Kunden und zum anderen möchte ich natürlich selber informiert sein, deshalb treffe ich da tagtäglich eine Auswahl. Das ist ja auch die Grundlage für so ein Krisenunternehmen, wie wir das sind. Wir haben keine Redaktion angeschlossen, doch wir verweisen auf Nachrichten, die von Interesse sein könnten und drei Kategorien umfassen: Wirtschaftliche Verschlechterungen, politische Veränderungen, Themen, die Relevanz haben könnten und meiner Ansicht nach wird das große Problem, das selbst auf die westlichen Staaten zukommen wird, eine Unterversorgung mit Grundnahrungsmitteln sein. Oder eben auch Wetter und natürliche Ereignisse, die ja auch wirtschaftlich hochentwickelte Staaten treffen können. Wenn man da ein Notfallset griffbereit hat, ist das dann doch eine große Erleichterung.
Sie machen das ja bereits eine Weile, sehen Sie es auch so, dass es über die letzten Jahre hinweg mit der Welt konstant bergab ging?
Im Bereich der Unwetterkatastrophen hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Solche Dinge beeinflussen ja auch Deutschland und die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Der Preis für Weizen hat sich zum Beispiel im vergangenen Jahr verdoppelt. Deshalb sind ja auch Nahrungsmittelversorgung und Wasseraufbereitung der zentrale Bereich unseres Ladens, um den herum sich dann andere Dinge wie autarke Energie herum gruppieren.
Die Leute neigen gerne zu Panik. Merken Sie, dass Ihr Geschäft anzieht, je näher das große Verschwörungsjahr 2012 rückt und die Leute paranoid werden?
Ja. Wir können unseren Kunden natürlich nicht in den Kopf sehen, bestimmt gibt es die verschiedensten Schattierungen und bestimmt sind darunter auch Fanatiker und Leute, die deshalb panisch sind. Ich persönlich halte das für einen Hype. Wir forcieren sowas deshalb auch nicht, auch nicht im meinem Blog. Wenn, dann wäre der Blog ganz anders aufgestellt und ich würde noch Astrologie hinbringen, aber wie gesagt, das mache ich in keiner Weise.
Was würden Sie jemandem raten, der keine Ahnung von Krisenvorbereitung hat und auch kein Geld?
Ich würde raten, eine Checkliste anzulegen, die auch kostenlos beim Bundesministerium für Bevölkerungsschutz verfügbar ist und dann diesen 14 Tage-Vorrat, den man auch in den normalen Lebensmittelverbrauch integrieren kann, Stück für Stück aufbauen. Das heißt, einfach mal eine Wasserflasche mehr kaufen und dann verfügbar zu halten. Das wäre die Basis, die nicht viel Geld kostet.
Abgesehen davon, dass Sie einen Laden für Krisenvorsorge betreiben und das Lager voll haben—haben Sie selber privat für sich vorgesorgt?
Ja, aber mein Geschäftspartner und ich sind überzeugte Christen—und sich auf das Wort Gottes zu verlassen, ist dann doch wichtiger, als den Keller voller Brot zu haben.
Ah ja. Okay. Vielen Dank und viel Glück. Ich nehme doch lieber den Keller. Wenn alles richtig den Bach runtergeht, dann rufe ich aber nochmal durch.
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