Popkultur

Der VICE Of-Course-It's-Not-Wrong Boner Blog

Letzte Woche habe ich wieder viel gelernt. Zum Beispiel habe ich erfahren, dass Schwule im Gegensatz zu Juden nicht alle denselben Geschmack haben und voneinander relativ unabhängige Individuen sein können. Während wir Semiten nämlich alle wie aus einer Golem-Form gebacken sind und auf großnasige New Yorker(innen) mit hochnäsigen Vermögensanwälten stehen, die jedem weiblichen jüdischen Zeitlupen-Auftritt in etwa denselben Swag verleihen, wie weiße Tauben einer amerikanischen Guy Crew beim Verlassen ihrer gemieteten Limousine, sind Schwule viel differenzierter. Seit letzter Woche weiß ich auch, dass sie gar nicht alle dauernd und ausschließlich an Hipster-Gliedern nuckeln und sich dabei von bärtigen Bären die Backen zerkneifen lassen wollen, nein: Manche stehen scheinbar sogar auf Barbra Streisand, arschfreie Unterwäsche und das, was ich Russen-Après-Ski-Schick nenne. Aber es kommt noch härter: Manche dieser Schwulen sind noch nicht einmal schwul. Und so weltklug bin ich heute nur, weil ich diesem Flyer mit den drei Menschenaffen, die alle weder reden, noch hören, noch sehen, Folge geleistet habe und zum Shop Opening von ES Collection Vienna gegangen bin – einem spanischen Label für Untendrunter, das auch nicht nur schwul ist, aber trotzdem Push- und Pack-ups für Männer anbietet.

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Gleich mal vorweg: Es war schön und es gab Sekt und (wie inzwischen überall) Cupcakes, die einem derartige Erlebnisse in Mund und Magen bescherten, dass man sich eigentlich schon eingangs gut gefickt fühlte. Das meine ich übrigens kein bisschen negativ: Ich habe ungefähr 10 Stück gegessen und jeden schaumigen, milchigen, sahnigen Bissen genossen. Aber vielleicht sollte die Cupcake-Industrie Warnschilder auf den Papiergewändern ihrer kleinen Köstlichkeitsbomben anbringen und darauf hinweisen, dass man mit jeder Minitorte die Masse eines weißen Zwergsterns runter schluckt. Sonst nimmt sich die Politik die Dinger bald noch zum Anlass, um per parlamentarischem Antrag eine heimische Version des New Yorker Big Soda-Verbots durchzubringen. Just saying.

ES Collection legt relativ viel Wert darauf, relativ wertfrei zu sein und will sich auch gar nicht so auf die Schwulenschiene reduzieren lassen. Ich finde das mutig, weil meiner empirischen Studie Vorort zufolge nämlich sowohl Frauen als auch heterosexuelle Männer relativ wenig mit den relativ lüsternen Videos anzufangen wissen, die relativ dauernd im Hintergrund über den obligatorischen Schirm krochen wie die Blicke der geladenen Gäste über die Pack-up-gestützten Gemächter der extra aus Spanien eingeflogenen Unterwäsche-Models. (Okay, ja, der Dame links im Bild geht gerade einer ab, während der TV-Typ an seinem Eis schleckt, aber sie ist wirklich die Ausnahme.)

Das ist eines der besagten Models, die man aus Barcelona holen musste, weil es in Österreich erwiesenermaßen keine Männer gibt. Also, zumindest keine schönen. Aber ich bin mir da gendertechnisch generell nicht so sicher. Als einer von drei vorgeführten Kanarienvögeln musste er sich erst damit anfreunden, ständig wegen seines Tattoos begafft zu werden. Scheinbar hatte er sich als Model eine klarere Trennung von Publikum und Präsentatoren erwartet. Stattdessen stand er genau zwischen den Shoppern und Schauern, als hätten wir 1892 und Jahrmarkt. Meine Freundin meinte dann neben seinem Ohr: “Der hat ja einen kleineren Arsch als ich!”, was man in dieser Aufnahme nicht so gut sieht, aber doch der Wahrheit entspricht. Ich war kurz froh, dass der Mann aus Barcelona war, wo man generell keine Fremdsprachen beherrscht.

Das hier ist sein Kollege, der uns erklärte, was man alles für so eine Figur tun muss, und die Antwort beinhaltet leider kein Geheimrezept, sondern eine sehr unspaßige Auflistung von Dingen wie: Nichts essen, vier Stunden Sport pro Tag betreiben und zwei Tage vor einem Auftritt nicht mal mehr Kohlensäure zu sich nehmen. Ich war zu diesem Zeitpunkt zirka bei Cupcake Nummer 5, mit Feige, Prosciutto und Käse.

Huch! Ist das ein Frosch? Nein, es ist dies der viel besprochene, samen-, äh sagenumwobene Pack-up, der uns Männern Würde und ansehnliche Glieder verleihen soll. Zumindest, solange man sich bedeckt hält und die Undies genau wie Hulk niemals ablegt. Ich war beim Anblick ein bisschen überrascht, dass die formenden Höschen den Penis gar nicht besser oder größer aussehen, sondern einfach nur senkrecht vom Körper abstehen lassen, als hätte man Gonzo aus der Muppet Show die Nase abgerissen und sie sich vors tatsächliche Gemächt gestopft.

Ach so, ja, der Inder von Telering war auch da. Wir haben ihn einige Male unauffällig zu fotografieren versucht, aber auf den Bildern war mysteriöserweise immer nur ich mit einem Cupcake in der Hand drauf. Dann war Nina zum Glück ein bisschen dreister und hat ihm das iPhone direkt vor die etwas müde Mundpartie gehalten, während ich mich zu Lachsschaum durchkostete. Zum Glück habe ich bei all meinen schlechten Angewohnheiten so eine gute Freundin. Sonst wüsstet ihr jetzt alle nicht, dass bei Arschfrei-Collection auch echte TV-Promis einkaufen.

BONER

Aber Obacht! Es gibt natürlich nicht nur arschfrei bei ES. In Wahrheit sind nur eine Handvoll Modelle so geschnitten, dass man auch in der Mango Bar (direkt gegenüber) auffallen könnte. Der Rest sieht nach Gewichtheber-am-Jahrmarkt-Outfits und ganz normalen Unterhosen aus. Wie zum Beispiel die, die man sich in spanischen Gefängnissen gern über den Zaun werfen lässt, um sich seines Grundrechts nach anständigen Drunten-Textilien versichert zu wissen. Arschfrei gibt es trotzdem, aber halt nicht gleichzeitig mit der Unterhose:

Die Models suchten dann noch sowas wie eine Disco zum Partymachen und ich habe sie in die Pratersauna geschickt. Erst am nächsten Tag fiel mir ein, dass der Volksgarten wahrscheinlich eher ihr Ding gewesen wäre, aber das hat man davon, wenn man als Kohlensäure-Abstinenzler jemanden fragt, der den Mund voller Sahne hat. Ach, und die Models waren übrigens alle hetero. Einer unterrichtete auch Englisch und trieb mir ob seiner Fremdsprachen-Kenntnisse glatt die Vorurteils-Röte in die Backen. Also, die oberen. Seine unteren hatten außerdem Orangenhaut, wie die popofreie Hose offenbarte. So viel Entmystifizierung konnte ich nicht vertragen, also machten wir es wie der Inder und verschwanden in die Nacht, mit einer geschenkten Unterhose im Gepäck, einer Flasche Sekt in der Blutbahn und dem bedrückenden Wissen, dass auch auf die Schwulen heute kein Verlass mehr ist. Mahalo!


ALMOSEN FÜR DIE HOSENLOSEN:

Das Internet ist ein luzider Traum voller Menschenmelkmaschinen Nazis waren gestern, jüdische Dominas sind heute! Asiatinnen haben auch Gehirne
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