Die Geschichte von Little Black Sambo

Das Kinderbuch Little Black Sambo ist ziemlich populär in der Generation unserer Großeleltern und vor allem unserer Ur-Großeltern, weil es offensichtlich rassistisch ist. Ich habe es gelesen und Stereotypen erwartet, wie zum Beispiel einen langsam sprechenden Magier, der Little Black Sambo zum Dinner tanzen lässt, aber die Geschichte selbst ist gar nicht so rassistisch.

Es geht um eine schwarze Familie, die unverständlicherweise in Indien lebt und einen Sohn hat, der Tiger überlistet. Die Illustrationen und die Namen der Charaktere sind enorm rassistisch, aber die Handlung an sich ist eher harmlos. Die wirre, echt unangebrachte Mischung aus verschiedenen Kulturen sollte dagegen nicht mal in der Fantasie vorkommen.

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Verfasst wurde das „Werk“ von Helen Bannerman, einer Schottin, die in Indien gelangweilt im Zug saß. Mrs. Bannerman muss nur in zwei Hautfarben gedacht haben, die eine ist „sie“ und die andere ist „dunkler als sie“, denn Little Black Sambo und seine Familie sind schwarz, aber die Geschichte spielt in Indien.

Die Bilder sind das Heikelste an dem ganzen Buch. Für das Original machte Bannermann ein paar Dutzend Zeichnungen, aber ihre späteren Illustrationen waren noch schlimmer: eine ziemlich klischeehafte Mutterfigur, ein fauler Vater (der einzige Part den er in dem Buch hat, ist von der Arbeit heimzukommen). Doch offensichtlich war die Originalgeschichte für die späteren Zeichner noch nicht rassistisch genug.

Derzeitig gibt es auch neuere Versionen mit sensibleren Darstellungen und ein paar Änderungen in der Story. Was ich nicht so recht verstehe, ist, für wen das Buch überhaupt geschrieben wurde. Es gibt eine Menge Kinderbücher, an die man sich gern zurückerinnert aber dieses ist absurd. Der Höhepunkt der Geschichte sind Tiger, die mit ihren Schwänzen einen Ratenkönig formen, wild herumspringen und sich dann in Butter verwandeln. Das ist bekloppt. Ich denke, dass es weitaus bessere Geschichten gibt, die es wert wären neu aufgelegt zu werden. Obwohl ich definitiv Tiger-Butter essen würde.

Leider sind die Zeichnungen noch nicht das Schlimmste an dem Buch – da schon der Titel eine rassistische Beleidigung enthält. Die Eltern von Little Black Sambo heißen Black Mumbo und Black Jumbo, also sind wohl auch ihre Namen der fehlenden Senibilität von Mrs. Bannerman verschuldet. Ich bin froh, dass meine Großeltern das Buch nicht als Einschlaflektüre für mich verwendet haben und ich glaube das sollte auch keiner von euch tun.

Die Geschichte endet damit, dass die Familie zusammen sitzt und haufenweise Pfannkuchen isst, ein Gericht, das so sehr an Indien erinnert wie Little Black Sambo selber. Ich fand es auch ziemlich bizarr, dass Bannerman versuchte, das indische Wort für Butter zu erklären, also schien sie ja wenigstens entfernt mit indischem Essen vertraut zu sein. Umso mehr ich darüber nachdachte, umso mehr realisierte ich, dass sie das Buch schrieb, weil sie Heimweh hatte-was die Pfannkuchen nur noch lächerlicher macht. Bannerma, als eine ansonsten Tee und Kuchen konsumierende Frau, litt auf ihrer Reise durch Indien wahrscheinlich unter Darmstörungen. Auch wenn man sie sich nicht mit einem ekligen Fall von Durchfall vorstellen mag, so hilft es doch etwas über die Tatsache hinweg, dass sie die Kinderzimmer heimtückisch mit ihren abstoßenden Stereotypen unterwandert hat.

Ich kann mich an keine Diskussion über Darmprobleme in einem Werk Kiplings erinnern, aber ich habe auch nicht alles von ihm gelesen. Vielleicht hat Disney den Diarrhoe-Part im Dschungelbuch auch einfach weggelassen. Bannerman hat noch andere Bücher geschrieben, von denen die Hälfte mit „Little Black“ beganen. Ihr letztes Buch war Little White Squibba, was eine Neuerzählung von Little Black Sambo ist, aber diesmal mit einem weißen Mädchen als Protagonisten. Was wir ihr lassen müssen, ist, dass sie ihre Karriere im Kinderbuchbusiness, in dem sie schwarze Menchen falsch darstellt, versuchte mit einem in der Welt der Literatur wirklich selten gesehenem Charakter auszubügeln: einem weißen Mädchen.

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