Die Leiden des jungen Bankers

Wer kann sich noch daran erinnern? Unsere Banker waren früher das Öl der Zürcher Szene. Wo immer gefeiert wurde, egal ob Kaufleuten oder Langstrasse, waren sie dabei. Sie waren vielleicht nicht die Stars, aber sie waren das Beiwerk mit Finanzpotential. Ihre Egos waren stark genug, um neben Kreativen, Künstlern und Nachtvolk zu bestehen.  Sie sonnten sich gerne im Abglanz der Partyvögel und des Millieus, sozusagen als Ausgleich für ihr biederes Dasein im Alltag. Nachts wurde aus jedem UBS- oder CS-Anghestellten ein Gordon Gecko – wo die Szene mit Bohème angab, setzten die Banker mit Dekadenz nach. HSG-Absolventen führten sich auf wie die Master of the Universe.

Sie sahen sich als Elite und traten auch so auf. Nicht die höchsten Kader, die hatten das nicht nötig, die waren ja wirklich Elite. Aber die Jungen, die Wilden, die Investmentbanker, die mit ihren Kollegen aus England und Übersee das Nachtleben und die Edelbordelle der Bankenstadt Zürich unsicher machten, um morgens wieder scharf rasiert im Büro zu stehen und mit Millionen zu zocken. Und wer tagsüber nur ein kleiner Schalterangestellter war, tat nachts wenigstens so, als ob ob er an den Strippen der Millionendeals zog. Banker waren eine eigene Gattung mit eigenem Flair.

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Von den 80ern bis zur Jahrtausendwende herrschte bei den jungen Schweizer Bankern eine Profilierneurose, als wollten sie das biedere Banker-Image der 50er und 60er Jahre mit viel Wodka und teurem Whiskey ausbrennen und mit Koks begraben. Sie kompensierten.

Sie waren die idealen Männer für romantische Mittelstandsschönheiten mit Matura, die sie in Pubs kennenlernten: Sie waren wild genug, um attraktiv zu sein, und etabliert genug, um den Eltern als Schwiegersöhne untergejubelt zu werden.

Und jetzt? Nichts ist mehr davon übrig. Bankenkrise, Abzockerskandale und Arroganz haben die Stimmung kippen lassen. Die Banker leiden an einem langen Kater. Sie tragen die Schuld an der Ungerechtigkeit in der Welt. Nicht, weil sie persönlich Millionen versenkt haben, sondern weil sie als Symbol für diese „Nach mir die Sintflut“-Mentalität stehen. Sie stehen, unabhängig von ihrer Persönlichkeit, für die Gier und deren Auswüchse. Sie müssen den mühsam erarbeiten Ruf als Dollar-Machos wieder gutmachen. Wo sie früher Bewunderung ernteten, müssen sie heute Bescheidenheit zeigen. Sie werden gerade zutiefst gedemütigt. In der Runde von Architekten, Grafikern, Musikern und Nachtvolk sind sie nicht mehr die Kumpel aus der Wirtschaft, sondern gelten als die Nutten, die für etwas mehr Profit jede Sonderleistung erbringen. Väter rümpfen die Nase, wenn ihre Chantal einen Banker mit nach Hause bringt. Sie nennen sich auch nicht mehr „Banker“, sie greifen wieder auf ihre Hochschultitel zurück: „Betriebswirtschafter“ oder legen sich Tarnnamen zu wie „Account Manager“ und was es da noch alles gibt.

Und wenn man sie heute direkt fragt: „Bist du Banker?“, antworten sie verschüchtert:

„Ja, aber keiner von den Bösen, ehrlich.“

Dieses Wocheende gehen wir sie hier auslachen:

Donnerstag:

Es gibt wieder Theatersport! Neu in der Kanzlei.

Freitag:

Gehen wir uns Till von sein anhören in der Kiste Baden. Zudem heisst die Party Götterspeise.

Samstag:

Gehen wir in die Zukunft, dort ist die ELECTRON PRE-PARTY, mehr Future geht eigentlich gar nicht.

Oder du schlüpfst in dein hefnereskestes Seiden-Etwas und pilgerst an den wohl kultigsten Sleep-over der Stadt im Hotel Helvetia.

Sonntag:

Ganz im Sinne des Gelesenen, schaust du dir „House of Lies“ an.

Und ja wir verlosen Tickets, einfach eine Mail mit Betreff: „Kapitalismus ist nur so gut wie sein Kokain“ und entsprechendem Wunsch an: info@viceland.ch

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