Durch die Revolutionen in Ägypten und Tunesien hat die westliche Welt viel über den Mittleren Osten gelernt. Vordergründig, dass nicht alle Menschen dort einem sklaventreiberischen Gottesstaat hörig sind, dass der Einsatz von gewaltfreien Methoden möglich ist und dass es für den Staat keinen Sinn macht, das Internet zu blockieren, um seinVolk mundtot zu machen. Es sieht ganz danach aus, als hätte der algerische Präsident Abdelaziz Boutiflika zumindest Letzteres verstanden und obwohl es für sein Regime wohl einfacher wäre, das Internet des Landes einfach abzustellen, so bleiben die Verbindungen bestehen, während die Proteste gegen die Regierung in der Region immer stärker werden.
Diese Woche wurde berichtet, dass die algerische Regierung auf die Demonstrationen und wachsenden Rufe des Volkes nach Demokratie reagierte, indem sie das Internet abgeschaltet hat. Aber mal ehrlich, so dumm können sie nicht gewesen sein. Tatsächlich hatte das Datenverkehrsüberwachungssystem Renesys die Berichte ziemlich schnell als falsch entlarvt. Im Vergleich zu dem Aufwand, der in Ägypten notwendig gewesen ist um das Internet zu blockieren, wäre das Kappen der Internetverbindung in Algerien für die Regierung dort ein Kinderspiel.
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Wie sich herausstellt, ist das Internet in Algerien nicht wie das in Ägypten oder Tunesien aufgebaut. Anstelle von vielen verschiedenen privaten Anbietern gibt es dort nur eine sehr begrenzte Anzahl von ISP’s (Internet Service Provider). Seit es seine Verbindung mit dem französischen Anbieter Wandadoo vor ein paar Jahren gelöst hat, ist vielleicht sogar nur noch ein einziger Internetbetreiber geblieben, wie dieser Reddit Kommentator behauptet. Die Regierung müsste also nur einen Schalter umlegen, anstatt eine Harakiri-Aktion wie in Ägypten ins Leben zu rufen, die wahrscheinlich lange und genaustens geplant war.
Das Internet in Algerien gehört der Regierung und wird auch komplett von ihr gesteuert. Dennoch versuchen die Führungskräfte des Landes bisher nicht, das Netz zu zensieren, wie es bei anderen autokratischen Regimen der Fall ist. Stattdessen drohen sie mit harten Strafen, um die Bürger davon abzuhalten, Informationen über den Staat zu verbreiten, die für ihn rufschädigend sein könnten. (Kommt das jemanden bekannt vor?)
Laut einer 2009 veröffentlichten Studie, würden 12.8% der Einwohner Algeriens (das sind 4,5 Mio.) vom Internet getrennt werden. Allerdings sind 90% von ihnen beruflich so stark vom Internet abhängig, dass sie nicht über die Runden kommen würden, ohne wenigstens einmal am Tag online gewesen zu sein.
Das sich Aufstände wie die in Ägypten wiederholen könnten und diese durch das Abstellen des Internets dort ja immer extremer wurden, ist nicht das einzige Problem der algerischen Regierung. Hackern und Ingenieuren ist es bereits gelungen, Informationen auf einfachem Weg über Ad-Hoc Internet Services zu verbreiten. Und es gibt auch keinen Zweifel daran, dass die Aktivisten von Anonymous hervortreten würden und bereit sind, der revoltierenden Masse zu helfen.
Angesichts der neuesten Entwicklungen, sieht es so aus, als wäre die Taktik der Regierung weiterhin rohe Gewalt anzuwenden. Proteste diese Woche endeten angeblich in über 1.000 Festnahmen, als wütende Polizisten die Massen in der Hauptstadt Algier überwältigten. Obwohl wir nicht wissen, wie genau die Zahlen in diesen Berichten sind, so ist zumindest sicher, dass Boutiflikas Regierung die Finger vom Internet lässt. Warum eigentlich? Haben sie Angst, fühlen sie sich verantwortlich oder halten sie es einfach nicht für notwendig?
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