Eine Sambo-Akademie in Georgien

Zwei Wochen Georgien, zwei unterschiedliche Sportstätten. Auf meiner Reise durch das Land mache ich Stopp im Südosten des Landes und bekomme Einblick in die Sportkultur der georgischen Kleinstadt Telavi. Mein Fahrer David ist nicht nur mein Übersetzer, er kennt auch jeden in der Stadt. Nach unserem Besuch in einer georgischen Kraftkammer am ersten Tag führt er mich am darauf folgenden in die Sambo-Akademie der Stadt.

David und ich hatten uns für den nächsten Tag um elf Uhr verabredetet. „Die Sambo & Wrestling Akademie trainiert immer früh, sonst wird es zu heiß in der Halle”, sagte er. Und in der Tat, schon früh am Morgen zeigte das Thermometer fast 25 Grad an und während den letzten Tagen konnte man sogar einige Leute mit Sonnenschirmen durch die Straßen laufen sehen, um der brennenden Sonne zu entfliehen.

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Auch diese Trainingsstätte war nicht das, was man als optimal bezeichnen konnte. Es war ein großer, grauer Block, der wahrscheinlich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr renoviert wurde. Im Foyer wischten zwei ältere Frauen den Boden und rückten die Bilderrahmen der Sambo-Kämpfer zurecht, die der Klub in der Vergangenheit hervorgebracht hatte und stolz im Eingangsbereich präsentierte. Es waren Porträts von Medallienbehangenen Typen, gerahmt in vergoldetem Lorbeerdekor und wahrscheinlich das einzige, dass in dieser Halle permanente Pflege bekam. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht wirklich klar, was Sambo eigentlich war. Klar, ich hatte es schon mal gehört, wusste das Wladimir Putin ein großer Fan davon ist und es auch selber ausübte, doch richtig befasst hatte ich mich damit nie.

Die Halle befand sich im ersten Stockwerk direkt über dem Foyer. Sie war groß, doch auch im Inneren präsentierte sich mir maroder Sowjet-Charme. Von den Wänden bröckelte der Putz und ein Großteil von ihnen waren durchzogen von massiven Rissen. Durch die Fenster flutete das Sonnenlicht.

Der Boden war ausgelegt mit Matten, die durch verschiedene Farben abgegrenzt waren, die bei genauerem Hinsehen drei Ringe symbolisierten. Es roch nach jugendlichem Schweiß und die 40 Kids trainierten unter Anleitung der drei Assistenztrainer. Jeder in der Halle schien fokussiert, denn bei unserem Weg durch die Halle, drehte sich nicht ein einziger Kämpfer nach uns um.

Am anderen Ende der Halle saß der Cheftrainer vertieft in einem Gespräch mit einem seiner Schützlinge. Mosakhlishvi stand auf dem Rücken seines Anzuges. Darunter GEO für Georgien. Dem Anzug nach zu Urteilen war er wohl im Nationalteam, denn auch die Art und Weise, wie der Trainer mit ihm sprach schien intensiver als das, was ich später sehen sollte.

Mosakhlishvi

Es war schon ein wenig unangenehm, als David den Trainer einfach unterbrach und mich vorstellte. „Er möchte etwas über Sambo und das kakhetische Ringen lernen”, sagte er. Der Trainer blickte auf und nickte. Ich setzte mich neben ihn.

Cheftrainer

„Sambo ist eigentlich nicht der Name Sports”, sagte er. „Es ist eine Abkürzung. Samozashchita Bez Oruzhiya, was so viel heißt wie Selbstverteidigung ohne Waffen.” Sambo wurde 1920 von der sowjetischen Armee entwickelt, um ihre Nahkampffähigkeiten zu schulen. „Es ist eine Mischung aus verschiedenen Kampfstilen, wie dem Judo, Jiu-Jitsu, internationalen Wrestling Stilen und traditionellen volkstümlichen Ringtechniken, wie dem mongolischen Khapsagay oder dem georgischen Chidaoba. Hier in Telavi wird den Schülern auch der Stil des kakhetischen Ringens mitgegeben. Es gibt also unterschiedlich Einflüsse und das macht die Sportart für mich so interessant”, erzählte er mir.

Mosakhlishvi war mittlerweile aufgestanden und am Kämpfen auf der Matte vor uns. „Schau, dass du ihn runter reißt!”, schrie der Trainer. An der Seite der Halle hingen dicke Taue von der Decke. Sie dienten einer Gruppe von Kids als Kletterinstrument für eine ihrer Kräftigungsübungen.

Auch hier stellte ich mit Begeisterung fest, dass jeder der Kämpfer mit Eifer bei der Sache war und es schlagartig still wurde, wenn der Trainer seine rauchige Stimme erhob.

„All diese Kids wollen einmal zur georgischen Sambo-Spitze gehören. Deswegen trainieren sie hart und das täglich.”
Sport in dieser Region hatte einen großen Stellenwert. Das konnte ich wieder einmal feststellen. Das zeigte mir die ehrgeizige Einstellung der Gewichtheber oder der hartnäckige Willen der Kids, zum besten Sambo-Kämpfer des Landes aufzusteigen. Ich war dankbar für diesen Einblick und verabschiedete mich.

Ich hatte viel gesehen und ein ausschlaggebender Punkt war die Unterstützung Davids. Seine Führung durch die Sportwelt von Telavi endete vor seiner Haustür, wo er mich auf Bier und eine Flasche Brandy einlud. Den Brandy, den er so liebt und der mich am Ende des Tages ziemlich fertig gemacht hatte.

Folgt Jermain auf Twitter & Instagram: @jayraff

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