„Roberto Blanco ist natürlich nicht so cool wie ich“—ein Interview mit Friedrich Liechtenstein

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Vor der Luise im Kunsthaus Graz zeichnet sich ein komisches Bild. Auf der einen Seite die Hipster mit ihren Jutebeuteln und selbstgerollten Zigaretten, auf der anderen Seite die Anzugträger mit Zigarillos und einem Glas Sekt in der Hand. Und während der Eine gerade sein altes Nokia-Handy aus der Hose holt, begutachten die Anderen das neue iPhone 6. Zwei ganz verschiedene Welten, die an diesem Abend nur einen gemeinsamen Nenner haben: Die Salon Show von Friedrich Liechtenstein.

Was vor dem Lokal begonnen hat, zieht auch im Inneren seine Kreise. In ovaler Form stehen weiße Tische direkt vor der Bühne, alle mit Reservierungskärtchen. Dort sitzen die Anzugträger, gut gealtert mit reichlich Wein und Sekt. Im Hintergrund platziert sich das stehende Fußvolk, dominiert von schrillen Friesen, schöngepflegten Bärten und bis zum Hals zugeknöpften Hemden. Eine komische Publikumskonstellation, die bis zum Showbeginn nicht recht weiß, was sie mit sich anfangen soll.

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Und dann kommt er. Mit Bademantel und Hemd, weißer Hose und schwarzpolierten Schuhen. Die goldenen Fingernägel harmonieren perfekt mit der getönten Brille und sogar das Mikrofon macht mit—für die ersten zehn Sekunden. Danach spielt es ein eigenes Set, Profi Liechtenstein baut es aber „charmant“ in die Show ein.

Je länger die Show dauert, desto näher kommt sich auch das Publikum. Die ultimative Vereinigung erfolgt allerdings im lauten Bass der Liechtenschein´schen Discomusik, bei welchem die zwei Welten im Kreise der weißen Tische miteinander verschmelzen. Mittendrin Friedrich Liechtenstein – als Performer, Entertainer und Diplomat.

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Am nächsten Vormittag treffen wir ihn zu einem kurzen Gespräch, bevor er seine Sightseeingtour durch Graz beginnt.

Noisey: Kann man sich sein Publikum eigentlich aussuchen? Oder kommen da immer die gleichen Charaktere?
Lichtenstein: Ich fand es gestern ganz schön gut gemixt. Neben den Jungen waren auch ältere Leute, sehr heterogen. Finde ich persönlich klasse, nur habe ich gelernt, dass es oft schwierig ist, wenn die Leute zu unterschiedlich sind. Dann kommen die schwerer in Schwung. Wenn alle gleichgeschaltet sind und die gleichen Kostüme tragen, dann ist es leichter. Aber es ist ja gut gegangen gestern.

Gefällt dir deine aktuelle Musik eigentlich am besten? Du hast ja vorher schon einiges gemacht.
Ja, die kommt mir zurzeit noch am Effektivsten vor. Ich hab wirklich große Inszenierungen gemacht mit vielen Leuten und einem Riesenetat, was sehr anstrengend war. Die werden dann an sechs Abenden gezeigt und die Leute sagen dann: „Oh, ich konnte nicht kommen, wie war es denn?“ So viel Arbeit für so eine Antwort. Ein 3:30 Minuten Popsong funktioniert aber auch sehr gut und die Botschaft kommt bei den Leuten an, auch wenn sie ihn nicht gleich intellektuell auseinandernehmen können. Aber vom Herzen verstehen sie sofort und kommen in Schwingungen. Das kommt mir sehr effizient vor, außerdem können sie sich es noch einmal anhören. Das finde ich toll. Ist cool.

Obwohl du ja den kommerziellen Weg über die Werbung gegangen bist.
Es gab ja schon mehrere Künstler oder Musiker, die durch Werbung einen Schub bekommen haben. Man muss ja keine Angst vor dem bösen Kapitalismus haben, wenn man sich in der Musikindustrie befindet. Und Commercials machen ist auch lustig. Find ich überhaupt nicht schlimm, finde ich eigentlich gut. Es ist nur so, dass die Leute jetzt ein bestimmtes Bild von mir haben und das liegt ein bisschen neben meiner Spur. Das ist jetzt die große Arbeit, deswegen gab es ja auch das Bad Gastein Album. Das war eine Backpfeiffe für die Leute, weil jeder glaubte, jetzt kommt wieder so etwas.

Also war eh alles geplant?
Nein, aber wir hatten während des Drehs schon ein sehr gutes Gefühl. Deshalb habe ich, lange bevor die Werbung rausgekommen ist, zu meinen Label gesagt: „Leute, wenn das, was wir gerade gedreht haben, auf den Markt kommt, dann wird das richtig Wellen schlagen. Wir sollten mit unserer Musik schnell machen“ Ich konnte ja während des Hypes keine Musik machen und ein Album braucht schon ein bisschen Liebe und Zeit.

Auch Roberto Blanco hat es dir jetzt nachgemacht.
Ja genau. Dafür hat er aber auch Kritiken bekommen, weil es nicht ganz so cool war. Roberto Blanco ist natürlich nicht Friedrich Liechtenstein. Der ist nicht ganz so cool.

Foto: Markus Knauß

Zurück zu Bad Gastein, was ja eigentlich ein Kurort ist. Wann und warum warst du zum ersten Mal dort?
2006 war ich zum ersten Mal dort. Die Hoteliers haben coole Leute eingeladen und wollten mit denen ein Wochenende verbringen und danach wissen, was sie von Bad Gastein halten. Wir waren eine kleine Gruppe und es hat mich dort absolut geflashed. Weil es auch Hand in Hand mit den Tod meines Vaters ging und da bist du emotional noch mehr aufgerauht. Bad Gastein war für mich wirklich eine Aufgabe, das hat richtig zu mir gesprochen. Wie bei Frau Holle, wo der Baum schreit „Schüttel mich, Schüttel mich“. Sehr, sehr inspirierend für mich.

Also keine Kur?
Nein, aber jetzt müsste ich! Aber ich hab ja keine Zeit.

Bist du generell ein Bergmensch? In Berlin gibt’s ja jetzt nicht so hohe Berge…
Eigentlich überhaupt nicht. Aber ich habe jetzt die Berge für mich entdeckt, obwohl ich jetzt nicht so der Kraxler bin. Das ist ja das Tolle an Bad Gastein, man kann Flaneur sein, sich städtisch geben und ist trotzdem mitten in den Bergen. Dann steigt man ganz faul in die Gondel, fährt den Berg hoch und guckt da ein bisschen. Danach fährt man wieder runter und geht einen Kaffee trinken. Ist doch ganz cool.

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