Gainsbourg – Popstar, Poet, Provokateur ist die Biografie des französischen Musikers Serge Gainsbourg. Das ist der Mann, dessen Visage dich nach dem Film immer verfolgen wird, wenn dir beim Schauen eines stockbiederen Mittagsmagazins im Fernsehen die Stöhnballade „Je t’aime (moi non plus)” entgegenschallt, die jeden pseudoerotischen Beitrag untermalt, geht es auch nur um fleischfarbene Miederhöschen.
Die Geschichte des Films und die Geschichte Gainsbourgs beginnt damit, dass Luzien Ginsburg, wie er wirklich heißt, schon mit zwölf auf der Kunsthochschule in Montmartre nackte Frauen porträtiert und Obszönes für seine Klassenkameraden – und Lehrer – zeichnet. Nebenbei nötigt ihn sein Vater, Klavier zu spielen. Trotz seiner Ähnlichkeit mit einem Kohlkopf, wie er selbst in einem Chanson über sich singt, avanciert Gainsbourg zum weltberühmten Frauenpflücker, indem er einfach seine Musik als Aphrodisiakum einsetzt. Als er nämlich realisiert, dass er als Maler wohl nicht genügend Erfolg haben wird, um Groupies en masse einzukassieren, setzt er sein Atelier in Brand und schnallt sich eine Gitarre vor seinen mageren Leib. Und weil hässlicher Mann mit Instrument bekanntlich besser ist als hässlicher Mann allein, landen die Schönen von Paris fortan scharenweise in seinem Bett. Die in dem Zusammenhang am meisten heranzitierten Eroberungen sind Sexbombe Brigitte Bardot (wirklich gut dargestellt von Laetitia Casta) und die britische Schauspielerin Jane Birkin (Lucy Gordon).
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Durch seine Arbeit als Schauspieler, Fotograf, Filmregisseur und Buchautor wird Gainsbourg zumindest in Frankreich zum Fernsehstar und mehrfachen Millionär, umso besser: noch mehr Frauen. Auf die Spitze getrieben wird die Zerrissenheit des Künstlers, durch eine langgezogene Puppe mit Schwertfischnase (kein Witz!) und Fledermausohren – der „Fresse“. Die Fresse ist seit seiner Kindheit eine Art Alter Ego. Sie schleicht hinter ihm her, sie ist der Teufel auf seiner Schulter, die Versinnbildlichung seiner Zweifel und inneren Ängste und sie veranlasst ihn permanent, sein Leben in die Scheiße zu reiten.
Am Ende sehen wir Serge Gainsbourg als abgehalfterten Alkoholiker mit Ranzlocke, in den Nachtclubs von Paris 20 jährigen Frauen nachstellen. Vielleicht musste er auch einfach nur den Frust über den ganzen Popscheiß, den er all die Jahre des Geldes wegen produziert hatte, ertränken, denn nach eigener Aussage fand er sein Genre „künstlerisch wertlos“. Im Abspann des Film steht ein Zitat von Regisseur Joann Sfar: „Gainsbourgs Lügen sind mir wichtiger als seine Wahrheiten“. Deshalb ist der Film auch mehr eine surrealistische Darstellung des Musikers in der Fantasiewelt des Regisseurs. Wenn du eine Flasche Whiskey und ein paar Zigaretten übrig hast, kannst du die auf seinem Grab in Paris niederlegen, das machen wohl viele seiner Fans heute noch.
Für alle die Probleme mit dem Fremdschäm-Phänomen haben, bitte hinsehen, das ist der echte Serge Gainsbourg wie er leibt und lebte in Höchstform, oder auch nicht. Kommt auf den Blickwinkel an.
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