Das einzig Gute an der Anti-Islamismus-Hotline sind die Reaktionen auf sie

Am Montag startete der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus eine „Anti-Islamismus-Hotline”, unter der Bürger „Wahrnehmungen über radikal-islamistische Vorfälle, Umtriebe und Rechtsbrüche” melden können. Diese sollen anschließend an entsprechende Ämter und Stellen weitergetragen werden.

Dass es in Wien bereits seit 2014 eine Beratungsstelle für Extremismus gibt, die vom Bundesministerium für Familien und Jugend betrieben wird, scheint Gudenus bei seiner ersten Amtshandlung als Wiens Vizebürgermeister nicht zu interessieren. Bei der Extremismushotline (0800/20 20 44), die von einem mehrsprachigen und zur Krisenintervention ausgebildeten Team betreut wird, finden Menschen Hilfe, deren Freunde oder Angehörige Tendenzen zur Radikalisierung aufweisen—egal in welche Richtung diese Radikalisierung geht. Innerhalb des ersten Jahres gingen über 900 Anrufe bei der Beratungsstelle ein—vor allem nach den Anschlägen von Paris stieg die Anzahl.

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Ob der FPÖ mit ihrem Äquivalent ein ähnlicher Ansturm bevorsteht, bleibt abzuwarten. Seit dem Start am Montag sei die Leitung jedenfalls schon mehrmals überlastet gewesen, wie Gudenus im Gespräch mit der Krone erzählt. Da sich die verfügbaren Ressourcen laut Gudenus auf „2, 3, 4 Personen” belaufen, scheint dies wenig verwunderlich. Als wir bei der Anti-Islamismus-Hotline anrufen, meldet sich ein gelangweilter, aber halbwegs freundlicher Mann am anderen Ende der Leitung; auf die Frage, mit wem wir da eigentlich sprechen und ob er ein ausgebildeter Sozialarbeiter oder ähnliches sei, ist ein Dialog passiert, der sich ungefähr so gestaltet, wie dieser:

Alles in allem ist die Anti-Islamismus-Hotline hauptsächlich eins: Eigen-PR für die FPÖ. Man wählt eine Nummer, die nur dazu da ist, Informationen zu sammeln und weiterzugeben. Man wird dort nicht beraten. Einem wird dort nicht geholfen. Wenn ihr wirklich etwas Ernstes in Hinblick auf Islamismus oder andere radikale Weltanschauungen zu melden habt, seid ihr mit der offiziellen Extremismus-Hotline des Ministeriums für Familien und Jugend deutlich besser und umfassender beraten. Falls ihr euch aber einen Spaß erlauben und Wotan Gudenus Hotline zum Blingen bringen wollt—wir können euch nicht aufhalten.

Das einzig Gute an der Anti-Islamismus-Hotline sind nach reiflicher Netzrecherche jedenfalls die Reaktionen im Internet. Vom Satiremagazin Hydra, das den Banner schnell als vermeintlichen Fake entlarvt und uns das „Original” präsentiert, bis hin zum eigentlich Offensichtlichen—Gudenus’ erstaunlich authentische Zoolander-Schnute—hat das Internet wie immer alles gesagt, was es zur Sache zu sagen gibt. Der Name „Blue Steel” erscheint plötzlich in ganz neuem Licht.

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