In den letzten zwei Wochen habe ich drei verschiedene erwachsenen Männer mit Rollschuhen gesehen. Wenn du etwas mehr als drei mal siehst, dann ist es laut den Regeln der Modewissenschaft offiziell ein Trend.
Ich dachte, dass Inlineskaten – wie Snakeboarding – vor Jahren schon mit viel Gelächter und Demütigungen aus der Öffentlichkeit verbannt wurde. Ich weiß persönlich aber nicht so genau, was diese Form der Kinderfortbewegung an sich hat, dass sie einen derartigen kollektiven Zorn auf sich zieht. Aber ich wollte rausfinden, ob die Leute “Blader” noch immer so sehr hassen wie damals. Also habe ich gestern meinen Freund Harrison dazu gezwungen einen ganzen Tag auf Rollschuhen zu verbringen.
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„Aber warum hast du das nicht selbst gemacht? Wie ein echter Gonzo-Journalist?“, höre ich euch, werte Leser wimmern. Ich habe zwei Gründen dafür: a) Ich bin als Jugendlicher ganz schön oft geskatet und bin deshalb ziemlich gut darin. Jemand, der den ganzen Tag in Rollschuhen verbringt und sich dabei nicht auf die Fresse packt, ist überhaupt nicht lustig. b) Ich bin sehr sensibel und wollte keinen erneuten Krieg mit Skateboardern vom Zaun brechen. Ich habe meine gesamte Jugend damit verbracht, mit diesem Scheiß fertig zu werden.
Wenn ich sage, dass ich Harrison dazu gebracht haben, einen ganzen Tag auf Rollschuhen zu verbringen, dann meine ich auch einen GANZEN Tag. Hier beginnt er seinen Tag gerade mit einer erfrischenden Dusche. Leider waren keine Kameras erlaubt (Sorry, Ladies!), aber ich versichere euch, dass es genauso schwierig (und vermutlich auch saukomisch) war, wie ihr es euch vorstellt.
Als nächstes musste er sich anziehen. Da er ein Trottel ist, der die Sache einfach nicht ernst nehmen und untenrum nackt rausgehen wollte, musste ich ihm erlauben, seine Rollschuhe auszuziehen, damit er in seine Jeans schlüpfen kann. Hunter S. Thompson dreht sich wahrscheinlich gerade in seinem Grabe um!
Jetzt ist er bereit, rauszugehen. Die Anmut eines Lebens auf Rollen ist besonders auf diesem Foto zu erkennen.
Keine Sekunde nachdem er aus der Haustür raus war, lag Harrison auch schon auf dem Boden. Sehr zu meiner Erleichterung, denn ich war schon etwas besorgt, dass er doch skaten könnte.
Wir beschlossen, uns in Richtung eines neuen Skateparks aufzumachen, um rauszufinden, was die Skatergemeinde von seinen irren Inlinern halten würde. Das war allerdings schwieriger, als wir dachten. Dieses Bild wurde gemacht, als ein Busfahrer Harrison verboten hat, „mit diesen Dingern“ einzusteigen. Die Geschichte wiederholt sich.
Weil er mit seinem Fahrrad nur ein paar Meter weit kam, bestand Harrison darauf, dass wir den Zug nehmen.
Ich sehe keinen Grund, warum der Busfahrer Harrison nicht reinlassen wollte.
Obwohl er es hingekriegt hat, es die ganze Zugfahrt nicht zu tun, ist er sofort umgefallen, als wir ausgestiegen sind. Auch wenn es hier so aussieht, hat er sich dabei nicht seinen Arm gebrochen.
Das war, als wir in einem Lokal eingekehrt sind, damit ich Harrison was zu essen kaufen konnte. Ich hätte es echt bereut, fünf Pfund dafür auszugeben, wenn ihn nicht jeder in dem Laden angestarrt hätte, als wäre er ein blutender Landstreicher.
Hier liegt er gerade – wahrscheinlich nur, um mich zu ärgern.
Dann waren wir in diesem schicken Laden, aber er ist wieder nicht hingefallen. Die Kunden haben ihn angekuckt mit einer Mischung aus Neugier, Hass, Verwirrung und diesem Gesicht, das man macht, wenn man denkt, dass man verarscht wird.
Auf dem Weg zum Skatepark habe ich einen Waldspaziergang vorgeschlagen. Hauptsächlich weil mir nichts problematischeres einfiel, dass man auf Inlineskates machen kann. Aber wie man sieht, scheint er sich dabei ganz wohl zu fühlen, vielleicht sogar ein wenig übermütig wie man an seinem beschwingten Schritt erkennen kann; wie ein Roboter, der ein mechanisches Schaf abliefert oder sowas.
Das ist Harrison, wie er im Skatepark vorbeischaut. Innerhalb von ein paar Minuten konnte man erkennen, dass sich die Einstellung von Skateboardern gegenüber Inlineskatern nicht wirklich geändert hat. Kurz nachdem wir angekommen sind, haben ein paar Jungs mit Skateboards (und einem Microscooter) Harrison sowohl einen „Spasti“ als auch einen „Versager“ genannt. Aber man muss ihm zu Gute halten, dass er einfach weitergerollt ist.
Ein paar von den Kids gingen sogar so weit, dass sie buchstäblich Kreise um Harrison gezogen haben, um ihn zu demütigen. Aber Karma lag in der Luft: Dieses Foto entstand, als einer der Kleinen mit Harrisons Fuß zusammengestoßen und er dadurch schön mit dem Gesicht gegen den Boden geknallt ist. Jetzt ist es nicht mehr so lustig, oder, du SPASTI?
Wir haben dort auch eine Gleichgesinnte getroffen. Nachdem wir mit ihr gesprochen haben, hatte es den Anschein, dass sich die Einstellung doch ein wenig geändert hat. „Niemand macht sich über mich lustig,“ sagte sie uns, „aber ich sehe auch niemand anderen auf Rollerblades. Vor allem keine Mädchen.“
Und das war auch schon der ganze Tag. Du würdest überrascht sein, wie lange es für jemanden, der Inliner trägt, dauert, alltägliche Dinge zu tun, wenn er nicht skaten kann. Als Belohnung dafür, dass er so tapfer war, obwohl er ständig hingefallen ist, habe ich Harrison ein Bier ausgegeben. Welches er SCHON WIEDER heil an den Tisch gebracht hat, weil er nicht ausgerutscht ist. DIESER IDIOT.
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