Dass Viralität die Wahrheit töten kann, ist eine inzwischen wohl bekannte Nebenerscheinung unserer Netzwerkgesellschaft. Eine neue Untersuchung von Forschern, die für Facebook arbeiten, zeigte nun jedoch, dass zumindest in Bezug auf Gerüchte die virtuelle Informationsausbreitung auch wahrheitsfördernd wirken kann.
Die gerade veröffentlichte Studie beschreibt die Verbreitung und Bewegung von wahren und falschen Gerüchten im sozialen Netzwerk und soll bei einer internationalen Konferenz im Juni vorgestellt werden. Als Informationsgrundlage dienen den Forschern dabei die „Urban Legends“, die es auf die Gerüchteplattform Snopes.com geschafft haben.
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Die Analysten haben anschließend das Gerücht als wahr oder falsch kategorisiert (basierend auf den bewährten mustergültigen Links und Studien, die auf virale Gerüchte für gewöhnlich folgen). Die Karte aus der Studie zeigt beispielsweise, die ermittelte Facebook-Verbreitung eines falschen Gerüchts:
Bild: Facebook
Ein Gerücht, dass einmal eine gewisse virale Schwelle überschritten hat, wird es ab diesem Punkt sehr wahrscheinlich auch noch viel weiter bringen, wie die Studie zeigen konnte. Ein dummes Gerücht in einem dummen Netzwerk funktioniert als eine perfekte virale Symbiose.
Allerdings gibt es auch durchaus Hoffnung auf eine gewisse Schwarmintelligenz. So zeigen alle roten Punkte in der unteren Graphik an, wenn ein Kommentator unter einem falschen Gerücht auf die Enttarnung als Lüge verlinkt hat. In den meisten Fällen nimmt dies der Legende auch den Wind aus den Segeln.
Die Facebook-Forscher konnten auch noch weitere schöne Wahrheiten über die menschliche Spezies entschlüsseln:
„Individuen, die Gerüchte verbreitet haben, könnten versucht sein ihre Verbindung zu der Verbreitung des Gerüchts aufzutrennen, wenn sie herausfinden, dass das Gerücht falsch war oder sie in der Folge anderweitig soziale Konflikte erleben müssen.“
Facebook-Nutzer scheinen also gerne ihre Enttarnung als virtuelle Schaumschläger geheim zu halten. Als Ergebnis dieser freiwilligen virtuellen Selbstkontrolle zeigt sich, dass „wahre Gerüchte das größte virale Potential für die weitreichendste Verbreitung haben.“ Die Zahlen der Studie zeigen, dass wahre Gerüchte im Schnitt 163 Shares pro Post erlangen, während die falschen Mythen nur 108 Shares abgreifen. Du solltest dabei bedenken, dass von den untersuchten Gerüchten auf Snopes.com sich ohnehin 62% Prozent als falsch erweisen, sodass der Ausschlag in Richtung Wahrheit sogar als noch etwas gewichtiger gedeutet werden könnte.
Allerdings sollten die Ergebnisse der Studie nicht automatisch für bare Münze genommen werden. Zunächst einmal basieren sie nur auf den Gerüchten, die sich als „Urban Legends“ bzw. „Snopes“ festgesetzt haben und auch die Autoren selbst merken an, dass ihre Analyse nur den Charakter einer Beobachtung hat und nicht weitere Faktoren mit einbezieht, die das Teilen der Inhalte beeinflusst haben könnten.
Die Kernaussage der Studie ist wohl die, dass du durchaus gegen schlechte Informationen auf Facebook ankämpfen kannst. Die roten Punkte oben sind begrüssenswerte Meilensteine auf dem Weg zu einem fehlerfreieren Internet. Und du musst dafür einfach nur einmal eine URL copy-pasten. Der Haken an dieser Aufklärung könnte jedoch sein, dass du möglicherweise bereits alle Leute aus dem eigenen Netzwerk, die falsche Gerüchte posten, von deiner Freunde- und Follower-Liste geschossen hast.
Ich jedenfalls kann bestätigen, dass dies auch ein guter Schritt zur Wahrheit sein kann. Denn ich habe es getan. Das kann dein Facebook-Leben durchaus angenehmer machen und verringert die Anzahl zeitaufwendiger Kommentarschlachten. Aber die Summe wahrer Information in der Welt da draussen steigt auf diese Weise leider trotzdem nicht.
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