London – wie ich eingewiesen wurde

Ich wusste zuerst überhaupt nicht, wie es dazu kam, dass ich letzte Woche ganz offiziell eingewiesen wurde. Das musste ich danach selbst herausfinden. Die Erinnerungen daran sind ziemlich krass und es ist schwer sich vorzustellen, dass das wirklich alles passiert ist. Muss es aber. Ich war vor Ort als Himmel und Hölle sich gegen mich verbündeten, ich sah mich in die Unterwelt hinab gleiten. Ich traf ein totes Mädchen, welches ich einen Tag später auch im echten Leben kennen lernte. Ich habe mir dabei zugesehen, wie ich drei Handys in die Themse warf. Meine osteuropäische Mitbewohnerin hat mich verdroschen als ich ihr Telefon in die Toilette warf. Ein kleiner, grüner Blitz erhellte das Badezimmer als es explodierte. Sie kann kämpfen und traf mich hart mit ihren Karatemoves. Vor allem auf die Beine, den Oberkörper und die Augen hatte sie es abgesehen. Ich habe immer noch blaue Flecken…

LonEigentlich fing alles damit an, dass ich dieser spanischen Bedienung das Trinkgeld gegeben habe, das sie wirklich verdient hat. Die anderen Gäste waren verdammt fies zu ihr und deswegen gab ich ihr 70 Pfund Trinkgeld für ein 20 Pfund teures Essen. Ich legte das Geld unter die Tischdecke und sagte ihr, sie solle erst drunter schauen, wenn ich weg bin. Beschwingt verließ ich das Restaurant ohne mich noch einmal umzudrehen. Ich hörte, wie sich jemand hinter mir bedankte. Ich wollte nicht nach hinten schauen, aus Angst, dass es nicht die Bedienung war. Auf diese Weise würde ich nie erfahren, ob sie ihr Versprechen gebrochen hatte oder ob alles Einbildung war.

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Vor dem Restaurant musste ich mich viermal übergeben. Ich ging in eine Bar und bestellte einen doppelten Whisky. Mich beschlich das Gefühl, ich sei in der Hölle gelandet und die Menschen um mich herum wären tot. Aus der Jukebox krächzten die Beach Boys. „Too many good Vibrations” raunte ich jemandem zu. Die Kneipendame sagte zu dem Mädchen an der Bar, dass sie mir und der Frau, mit der ich hier war, nichts mehr einschenken solle. Doch ich war nicht in Begleitung.

Irgendwie habe ich es nach Hause geschafft. Dort wartete schon meine Mitbewohnerin mit einer Tracht Prügel auf mich. Ich zog mir ihre Schuhe an, die 2 Nummern zu klein waren und lief damit auf der Seven Sisters Road herum. Ich glaube irgendwann habe ich sie ausgezogen und auf einem Automaten für Bustickets abgestellt. Danach habe ich meine Hausschlüssel durch den Briefkastenschlitz einer Blockbuster Filiale geworfen. Das war ungefähr gegen 4 Uhr morgens. Ein netter Busfahrer hat mich dann nach Hause gefahren. Ich hatte ihm erzählt, ich würde meinen Junggesellenabschied feiern. Und das war noch nicht mal gelogen, weil ich zu dem Zeitpunkt wirklich dachte, ich würde bei Sonnenaufgang heiraten.

nächsten Tag hinterließ ich eine Nachricht für meine Mitbewohnerin, die sie als Abschiedsbrief deutete. Ich hatte mein Geburtsdatum und darunter das aktuelle Datum auf ein altes Polaroid von mir geschrieben, so dass es aussah wie ein Grabstein. Sie sagte sofort meinem Bruder bescheid und einer von beiden rief bei der Polizei an. Die schickte eine Streife vorbei um in meinem Zimmer nach Hinweisen zu suchen. Irgendwo musste ich ja sein. Ich war in einem Pub in Knightsbridge.

Später haben mich meine Schwester und ein Nachbar überredet mit ihnen ins Krankenhaus zu gehen. Zuerst dachte ich sie wären diejenigen, die eingewiesen werden, als die beiden aber plötzlich verschwanden, war ich erst einmal verdutzt. Ich musste in die geschlossene Abteilung; von hier aus schreibe ich euch auch. Hier habe ich ein paar verdammt lustige und kluge Leute getroffen.

Mittlerweile haben sie mich verlegt und bald kann ich wieder nach Hause und arbeiten gehen. Ich schätze ich bin einfach ein bisschen ausgerastet und die Ärzte haben mir geholfen wieder klarzukommen. Doch eigentlich bin ich wegen meiner Kommunikationsprobleme hier. Wenn du dir nichts schlimmeres Vorstellen kannst als in einer Nervenklinik aufzuwachen, ist es eigentlich schon zu spät: schon allein der Gedanke daran bringt dich früher oder später in die Klappse.

JAMES MCCUSKER

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