Die Mode der frühen Neunziger bestand nicht nur aus Schottenröcken, zerrissenen Jeans und Selbstmord. In Spanien gab es ein paar Leute, die die sozialen (und soziopathen) Neigungen der ganzen Generation definierten. Sie hatten viele Namen, abhängig davon, in welchem Land sie lebten: Quillo, Calorro, Pelao, Cani, Bakala und Mascachapas, um ein paar zu nennen. Ich persönlich kannte sie als Cholos.
Cholos’ Ruf eilte ihnen voraus. Sie waren äußerst gewalttätige Mitglieder der extremen Rechten, die aus der Skinhead-Bewegung entstand, aber deren Musik der Techno der frühen Neunziger, auch bekannt als Makina, war. Kurzum – die meisten waren nur wegen den Klamotten dabei. (Bis heute haben viele Angst vor Bomberjackenträgern – aber ich hab viele Bettler welche tragen sehen und ich würde Obdachlosigkeit nicht mit Holocaustleugnung gleichstellen.).
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Wirklich gewalttätig war eigentlich nur die Art, wie sie sich anzogen. Die Jungs waren dünn bis hin zur Anorexie, obwohl es in jeder Gang einen Typen mit Muskeln wie Hammelkeulen gab, der dir im Allgemeinen auf dem Parkplatz auflauerte. Sie kauften ihre Klamotten in Größen, die eher einer Frühgeburt gepasst hätten, und sowohl die Jungs als die Mädchen behängten sich mit Goldketten und Broschen mit undeutbaren Insignien. Und auch, wenn es unwahrscheinlich klingt—sie trugen Schlaghosen (es ist immer gut, ein bisschen Socke zu zeigen) mit geblümten Streifen am Saum. Wenn es dir schwerfällt, dir das vorzustellen, denk an Kappa-Hosen, nur in denim.
Die Mädchen trugen Undercuts und ihre Haare waren entweder blau-schwarz oder platinblond gefärbt. Spanien war damals die Hölle Omphalophobe, weil man ständig von nackten Bäuchen umgeben war. Oh und ein knackiger Hintern war nicht nur eine gute Ausrede, um einen Streit vom Zaun zu brechen, sondern auch eine noch praktische Handstütze für den Freund.
Frauenschuhe waren schwindelerregende Plattformen, umsäumt von weißen Nylonhosen, oft mit Logos auf dem Arsch. Und wo wir schon in der Gegend sind, die Mädchen zogen ihre G-Strings im Prinzip bis zum Hals hoch. Was noch? Das Makeup? Dicker schwarzer Eyeliner, den sie sich zogen, während sie in die Seitenspiegel der Seat Ibizas ihrer Freunde sahen.
Eine ganze Industrie entstand um sie und ihren Geschmack: Ihre Clubs wurden die akustischen Kathedralen von Costa del Sol. Sie gründeten ihre eigenen Labels und Läden, und vor allen Dingen zeigten sie der Welt, dass man mit genug Haargel und einer Haarschneidemaschine absolut jeder Haarschnitt möglich ist. Wenn du heute das Glück hast, einen von ihnen irgendwo in der Provinz zu entdecken, kommen sie dir vielleicht lächerlich vor. Aber in gewisser Weise hatten sie verdammt nochmal die Eier, die nötig sind, um so rumzulaufen.
ILLUSTRATIONEN: VITO MONTOLIO
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