Wir haben erstmal unseren Moderedakteur Daryoush gefragt, was er unter „echten Menschen“ versteht und er hat Folgendes geantwortet:
-„Leute, die nicht verblendet sind und denken, dass sie in der Musik- oder Modebranche arbeiten.“
-„Leute, die sich nicht von der breiten Masse abheben wollen, weil sie es lieben, ein Teil der menschlichen Rasse zu sein.“
-„Leute, die nach Straße aussehen wollen, weil es lebensbejahend und aufregend ist und Spaß macht.“

ÖSTERREICH
Die Mädchen hier verbringen den Großteil des Tages im Einkaufszentrum, und sie quetschen sich dafür vorher in Klamotten, die immer mindestens eine Größe zu klein für sie sind. Das wäre in Ordnung, wenn sie vorhätten, damit in einen Club zu gehen, aber sich seine Augen von den neonlichtbestrahlten Schamlippen irgendwelcher Frauen vergewaltigen zu lassen, ist dann doch ein bisschen zu viel des Guten, wenn man noch nicht einmal zu Mittag gegessen hat. Bei den Jungs geht es tagsüber darum, es möglichst gemütlich zu halten. Sie tragen also einen simplen Trainingsanzug ohne irgendwelchen unnötigen Schnickschnack, außer vielleicht den vielen Schichten Selbstbräuner. In der Nacht verändert sich das alles. Beide Geschlechter schmücken sich dann mit Leder, Diamanten und gewachsten Jeans.

BRASILIEN
Die Jugendlichen aus den Favelas haben dieses HipHop-Ding schon vor ein paar Jahren gemacht, aber mittlerweile gibt es genug billigere Möglichkeiten für sie, wodurch sie dem „arme Jugendliche machen jetzt Rap“- Klischee entkommen und Anderes ausprobieren können. Deshalb sieht man auch Typen mit Flashtunnels, einem Oversized-Skate-Shirt und einer umgedrehte New Era-Cap. Das alles wird durch Armtattoos und Sneaker von adidas abgerundet. Ansonsten seht ihr Mädchen in glänzenden, silbernen Budapester-Schuhen, mit einem großen, wuschligen Haarknoten auf dem Kopf, die ein kleines, schwarzes Kleid tragen, das von Diane Orving hätte stammen können aber wahrscheinlich im Discounter nur 10 Euro gekostet hat.

BULGARIEN
Die Arbeiterklasse in Bulgarien—aka Zigeuner—funktioniert nach dem „Mehr Geld, bessere Klamotten“- Prinzip. Zu dem Job von diesem Typen gehört es, die Dachböden von Leuten zu reinigen, und alles mit einem Pferd und einem Wagen abzutransportieren. Deshalb besteht sein Outfit zum Großteil aus Kleidung, die ihm Kunden gegeben haben, oder die von Menschen, die eine Vorliebe dafür haben, viel Geld für dicke Wanderstiefel und schwere Mäntel auszugeben, aussortiert worden ist. Wenn er genug Geld hätte, sich alles zu leisten, was er sich wünscht, würde er direkt zum Juwelier gehen und sich Ringe und Goldketten so schwer wie er selber kaufen. Und er hätte gerne einen auffallenden Trainingsanzug und eine glänzende Daunenjacke. Die Sache ist nur, dass keiner solche Dinge wegschmeißt und deshalb müssen sich er und seine Kumpels mit dem zufrieden geben, was auch immer das Wärmste ist, das sie finden.

KANADA
Der Vintage-Polotrend schwappt langsam von New York nach Montreal rüber. Typen kombinieren Ralph Lauren-Polojacken und -Shirts mit den hoodtypischen Basics, wie New Era Caps und Goldschmuck. Die abenteuerlicheren Kerle greifen den 90er-Jahre-Look in ihrer ganzen Pracht auf und kopieren diesen Kid ’N’ Play-Haarschnitt. Die Mädchen tragen noch immer gefakte Ugg Boots oder Jordan High-Tops, mit Fell gefütterte Bomberjacken und Augenbrauen, die so dünn sind, dass sie kaum existieren. Die Wenigen, die ein Gespür für Mode haben, fangen an, halbherzig den Rockabilly-Style zu kopieren. Komplett mit rotem Lippenstift, extravagantem Eyeliner und Schleifen in ihren kurzen, lockigen Haaren.

FRANKREICH
Accessoires sind definitiv nichts für die Jugendlichen der Pariser Vororte. Alle, die mit solchen großen Gold- oder Platinketten gesehen werden, werden als „amerikanisch“ abgetan, was auch gleich mit „Arschloch“ übersetzt werden kann. Genau so verhält es sich bei Uhren, Armketten oder Ringen, die zu auffällig sind. Außer diesem Ausdruck der Sparsamkeit scheinen die Mädchen und Jungs allen Scheiß zur Schau zu stellen, den sie haben. Für Jungs bedeutet das das exzessive Tragen von North Face-Klamotten oder gefälschten Gucci-Sneakern. Sie rasieren sich auch gerne an der Seite die Haare ab und lassen einen großen verrückten Iro stehen, der dann rumflattert wie ein schlaffer Schwanz im Wind. Mädchen tragen grelle pinke Velourhosen, platinblondes Haar mit Undercut und auch gefälschte Gucci-Sneaker, -Handtaschen und -Jacken.

DEUTSCHLAND
Auch wenn es schon immer ins Lächerliche gezogen wurde, haben die Kerle den Guido-Look angenommen—sie rasieren die Seiten ihrer Schädel und lassen die Haare in der Mitte durch Wet-Gel hochstehen, sie tragen Bauchtaschen, enthaaren ihren ganzen Körper und hören schrecklichen türkischen Rap, wobei sie Trainingsanzüge tragen, die so glänzend sind, dass man sich selbst darin sehen kann. Die Mädchen sind ein konfuser Mix aus übermäßigen Besuchen im Schönheitssalon, einem muslimischen Elternhaus und den nuttigsten Augenbrauen aller Zeiten. Obendrauf kommen noch diese kleinen gürtelbreiten Röcke, die gerade einmal ihren Arsch bedecken, aber unter dem ganzen schwarzen und goldenen Stoffen, die sie darüber tragen, sowieso komplett unsichtbar sind.

ITALIEN
Moncler hat seine superglänzende Daunenjacke vor zwei Jahren rausgebracht und es gibt jetzt genug billige italienische Label, die diese nachmachen, damit die Jugendlichen den Paninari-Stil der 80er wieder aufleben lassen können. Ihre Nikes nehmen für gewöhnlich irgendein Detail der Jacke wieder auf. Die Jungs und Mädels tragen Schals, Beanies und dicke Jacken, selbst dann, wenn es draußen so heiß ist, dass dir fast dein Gesicht zerläuft. Hautsache, man sieht die Marke. Eine warme und glänzende Werbefläche zu werden, ist also eins der Ziele dieser jungen Menschen.

MEXIKO
Die Typen aus den Ghettos von Mexico Stadt werden normalerweise Jordis genannt, ganz einfach weil sie immer Jordans und goldene Jumpman-Ohrringe von Nike tragen. Das Einzige, was ihnen noch wichtiger ist als ihre Kicks, ist Reggaeton, aber beim Tanzen und Dabeigesehenwerden die richtigen Sneaker zu tragen, ist im Grunde genauso wichtig. Weitere Jordi-Standards sind: Bootcut Jeans oder weiße Hosen von Goga & Co, die mit Aufnähern bedeckt sind. Weiterer Glaubensgrundsatz für diese Kerle sind nachgemachte Ed Hardy-T-Shirts.

RUMÄNIEN
Wenn Kleidung reden könnte, würden die meisten rumänischen Kids solche kaufen, bei der man ein Megaphon gratis dazu bekommt. Beide Geschlechter haben ein Faible für lautes Gelb, Orange, Rot und Pink. Die Jungs wählen Sportkleidung und die Mädchen glänzende Hosen und alles, was weich und kuschelig ist. In der Tat wirkt sich die Weichheit sogar auf die Ohrringe, Handtaschen und iPhone-Hüllen aus. Und um ihre Prinzessinnenträume aus der Kindheit aufleben zu lassen, tragen die meisten glitzerndes Make-up, was sie großzügig im ganzen Gesicht einsetzen. Die Jungs haben Tribal-Tattoos und rasieren sich Muster in ihre Bärte, was immer ziemlich witzig ist.

RUSSLAND
Die Jungs, oder Gopniks, wie sie hier genannt werden, definieren sich über ihren Look. Oh, und über die Menge an Bier und Wodka, die sie trinken. Aber der Look ist unglaublich. Fake-Lederjacken (normalerweise mit einem Kräuseleffekt auf der Vorderseite), Sportjacken, Sneaker von Porsche, spitze Lederschuhe, Trainingshosen aus Nylon und Ledercaps. Das Haar ist entweder komplett abrasiert oder kurz gehalten und in dicken Strähnen nach vorne gegelt. Die Freundinnen dieser Kerle standen eigentlich immer für mit Steinen besetzte Jacken, ausgewaschene Acid-Jeans und die höchsten Stilettos, die sie finden konnten. Das tun sie immer noch, jedoch schaffen das die Mädchen in Moskau und St. Petersburg mittlerweile etwas dezenter, so dass alles ein klein wenig eleganter wird.

SÜDAFRIKA
Die Township-Kids sind Musterexemplare für diese afrikanische Eigenschaft, immer unheimlich gut auszusehen—auch wenn man in absolutem Elend lebt. Die Tatsache, dass der Nike Store in Johannesburg letztes Jahr ausgeräumt worden ist und der komplette Lagerbestand extrem billig auf der Straße verkauft wurde, hat wahrscheinlich ein bisschen dazu beigetragen. Aber diese Leute hier wären auch ohne Marken heiß. Sowohl Jungen als auch Mädchen tragen gestreifte Shirts in dunklem Rot-Braun und Gelb, hochgeschnittene, enge Cord- oder Jeanshosen und Sneaker von Superga.

SCHWEDEN
Jugendliche aus der Arbeiterklasse haben kürzlich einen Streetwearboom erlebt und sind jetzt wahrscheinlich auf einem besseren Stand, was die internationale Mode betrifft, als die schwedischen Fashion Kids. Die Anzahl der Helly Hansen-Jacken und Fjällräven-Taschen zeigen, dass der schwedische Nationalstolz immer noch stark ausgeprägt ist. Amerikanische Arbeiterklamotten sind aber auch sehr beliebt, weil es schließlich Outdoor-Sachen sind und Rapper sie tragen (sie sind also cool). Das heißt, dass Timberland-Boots, North Face-Jacken und Nike-T-Shirts ein absolutes Muss sind, wenn du wie jemand aus der HipHop-Szene aussehen möchtest und nicht wie jemand, der Wanderungen macht und als Hobby Moos sammelt.
More
From VICE
-

Robin Williams (Photo by Sonia Moskowitz/Images/Getty Images) -

(Photo by Jim WATSON / AFP via Getty Images) -

Seinfeld (Photo by FILES/AFP via Getty Images)
