PETER BRODERICK
http://itstartshear.com
Bella Union
Mädchengrunzen, das [n.]: Worte, die – bspw. in sog. Mädchenblogs – oft zur Empathieäußerung und Zustimmung sowie zur emotionalen Kategorisierung pubertierender Schminkmonster verwendet werden. Mädchengrunzlaute sind bspw. „hach“ oder „aww“, auch das etwas modernere „<3“ kann dazu gezählt werden. Erhöhtes Vorkommen von Mädchengrunzen deutet stark auf Nagellackfarben-Diskurse, Einhörner, Ryan Gosling oder Musikrezeption von The Whitest Boy Alive, José González, Nick Drake oder Peter Broderick hin.
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REIGN BOW
STRINGS OF CONSCIOUSNESS
From Beyond Love
Staubgold
Eine Platte, die klingt, als würden alter Portishead-Krempel, Free Jazz-Experimente und ein Staubsauger gleichzeitig laufen. Will wohl Bewusstseinsströme abbilden, nervt aber bis zur Halbzeit einfach nur. Danach beginnt ein sich langsam öffnender, aus den kranken Geistern Lydia Lunch und Eugene Robinson gespeister Angsttraum, der aber zugegebenermaßen ohne diese Agonisten über weite Strecken auch nur aus unwesentlichem Geklimper bestünde.
LORD EXTRA BYRON
NITE JEWEL
One Second Of Love
Secretly Canadian/Cargo Records
Zum Glück geht jeder Trend irgendwann auch mal wieder vorbei. Auf Dauer fällt es nämlich schwer, auf Durchzug zu stellen, wenn jede zweite Göre um die zwanzig so klingt, als wäre Kylie Minogue zu „Locomotion“-Zeiten in eine mittelschwere Depression gefallen. So kann man sich nur damit trösten, dass diese Welle demnächst überstanden sein muss, schließlich geht das ja schon ein paar Jahre so. Wenn du das alles total knorke findest (warum auch immer), musst du dir die neue Nite Jewel-Platte unbedingt besorgen; die klingt nämlich genauso wie die letzte.
BO RINGO LAME
CLARK
Iradelphic
Warp / Rough Trade
Was fehlt, auf jeden Fall im Vergleich zu „Totems Flare“: Bosheit und Verkniffenheit, Darkness und Krasstracks. Was stattdessen zu hören ist, auf „Iradelphic“: echte Oldschool-Instrumente, geschmeidige IDM-Klimpereien, bunt, irgendwo zwischen ganz frühen im Morgentau-Halbschlaf aufgenommenen Autechre-Demos und verpeilten 70er-Kiff-Krautsynthies. Die aber wiederum alle mit einer solchen Präzision produziert, dass man beim Hören gerade nicht genervt ist und die Platte zu all den „kann man beim Kochen auflegen“-Sachen ins Regal stellt, sondern eher ins „Soundtracks für Gruppensex“-Fach, das ja sowieso noch viel zu leer ist, leerer als man’s gern hätte jedenfalls, seit man die Regalfächer öffentlich sichtbar beschriftet. Der Gesang von Martina Topley Bird auf drei Tracks hätte nicht zwingend sein müssen – aber an den Stellen kann man sich ja im Vergleich einfach vorstellen, wie tragisch Tricky heutzutage klingt, und sich danach wieder über Clark freuen.
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