Musikreviews

MEMORYHOUSE
The Slideshow Effect
Sub Pop

Ich stelle mir vor, diese Band in ihrem Haus zu besuchen und dort mit ihnen Memory zu spielen. Zum einen, weil es sicher nicht verkehrt ist, hin und wieder sein Gedächtnis zu trainieren. Zum anderen, weil mir einfach keine bessere Eselsbrücke einfällt, um Memoryhouse nach Ablauf des Shoegaze-Hypes, in ca. drei bis vier Wochen also, aus der gegenwärtigen Landplage seufzender, Hall-umschmeichelter Softtöner herauszuhalten. Ihre Musik jedenfalls ist keine große Memorierhilfe.

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DOMINIC O’BRIEN

MARK STEWART
The Politics Of Envy
Future Noise Music / Rough Trade

Oberste Rezensionistenehre, die natürlich auch fast niemand befolgt: keine Presseinfos lesen. Nie. Höchstens mal versehentlich drauf gucken, das ist notfalls in Ordnung. Dabei dann aber zufällig lesen, dass sich Mark Stewart für „The Politics Of Envy“ einfach eine Wagenladung Gaststars ins Studio geholt und mit denen ein bisschen Quatsch gemacht hat – klar, macht man eben so, wenn man Mark Stewart ist, was besseres würde mir als Mark Stewart aus dem Bauch heraus auch nicht einfallen. Unter anderem und vor allem aber: Kenneth Anger. Der auf dem ersten Track angeblich ein Theremin spielt. Gut, nochmal langsam: Kenneth Anger spielt ein Theremin auf dieser Platte – eigentlich muss man nicht mehr weitermachen an dieser Stelle. Volle Punktzahl in Sachen Bizarrheit auf jeden Fall. Zum Glück ist das Album musikalisch aber mittelmäßig genug, dass man wieder auf den Boden zurückgeholt wird und es realistisch unbedeutend finden kann. Trotzdem: Kenneth Anger! Am Theremin! Heidewitzka!

BABY LONESOME

NEDRY
In A Dim Light
Monotreme/Cargo

Auch auf ihrem zweiten Album halten sich Nedry an ihre eigenwillige, hauchzarte Interpretation von U.K.-Bassmusik, die ein wenig so klingt, als ob eine kleine japanische Zauberfee sich an die Macho-Dubstepper um Nero und Borgore herangeschlichen und ihnen hinterrücks die überdimensionalen Eier abgeschnitten hat. Dieser Schritt war zweifellos überfällig, wirft aber im Umkehrschluss die Frage auf, ob das britische Hardcore Continuum nicht doch wenigstens ein Paar klitzekleine Eier nötig hat, um langfristig eine Evolution im besten darwinschen Sinne zu sichern. Anders ausgedrückt: Vielleicht müsste die niedliche Zauberfee einfach mal wieder ordentlich durchge…na ja, also die Platte ist nett, aber jetzt auch nicht gerade die Krone der Schöpfung.

ALICE SCHWARZER IM WUNDERLAND

BOY FRIEND
Egyptian Wrinkle
Hell, Yes!

Es macht mir fast ein bisschen Angst, dass diese zwei Texanerinnen klingen wie The Gathering anno 1995, wenn man sich bei denen die meisten Gitarren und die meisten Songideen wegdenkt. Boy Friend werden sicher von diesem ehemaligen RockHard-Centerfold noch nie etwas gehört haben und sich stattdessen eher auf Julee Cruise und Dead Can Dance berufen. Vermute ich mal. Weiß ich nicht. Wenn, dann würde es ihre exakt in der Mitte zwischen Shoegaze und Chillwave stecken gebliebene Zeitgeistmeditation im Direktvergleich noch eindeutiger als kleines, schönes Nichts entlarven.

ANGELO BADEMANTEL

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