Musikreviews

THE EYE OF TIME
s/t
Denovali

Dank Katastrophenkino und Maya-Hype in den billigen Zeitungen dürfte mittlerweile auch der letzte Volltrottel begriffen haben, dass die Menschheit auf den Untergang zusteuert. Die Reflexionstiefe geht natürlich nicht so weit, dass man kollektiv mit all dem Unsinn aufhören würde, mit dem wir uns seit Jahrhunderten das eigene Grab schaufeln. Wie dem auch sei. Der Franzose Marc Euvrie menetekelt hier auf ganzen zwei CDs mit düsteren Samples, schweren Cello-Loops und dekonstruierten Beatgeschützen das jüngste Gericht herbei. Ich frage mich nur, ob es so sinnvoll ist, mir in den letzten bleibenden Tagen stundenlang diesen Desasterscore zu geben oder ob ich mich stattdessen nicht doch ein letztes Mal lächelnd in eine grüne Wiese legen sollte. (Vorausgesetzt, ich finde eine.)

Videos by VICE

ONNIE ARKO

CHOIR OF YOUNG BELIEVERS
Rhine Gold
Ghostly International/K7/Alive

Kurz hatte ich Angst, dass ich es hier mit einer Werbe-CD der Jesus Freaks zu tun hätte, die mich mit sanften Melodein ins Christentum wiegen wollen. Das versuchen die, verkleidet in Jugendliche der Kategorien „ganz adrett“ bis „Wasch dir bitte mal wieder die Haare!“, ja schon seit Jahrzehnten. Die Paranoia war in diesem Fall allerdings unbegründet; der Choir Of Young Believers ist nur eine weitere dänische Band, die im Falsett die Probleme des Lebens besingt und mit ihren Aha-Reminiszenzen auch deiner Mutter gefallen wird.

MORTEN TORTEN

BRETON
Other People’s Problems
Fat Cat/Rough Trade

Die schlechte Nachricht zuerst: Bei „Other People’s Problems“ muss man fast ununterbrochen an das Debütalbum von Foals denken. Was nur insofern eine schlechte Nachricht ist, weil man das Gefühl nicht los wird, in einer Zeitschleife gefangen zu sein, in der gutaussehende junge Typen vertrackte Musik abseits der drei gewöhnlichen Akkorde machen. Dies wiederum führt uns zur guten Nachricht, nämlich dass Breton nicht nur einen fantastischen Albumtitel liefern, sondern auch elf dazugehörige Lieder zusammen geschustert haben, die den Horizont der eingangs erwähnten Foals noch um einiges übersteigen und zudem glücklicherweise wesentlich breitwandiger und stilisierter daherkommen als die unlängst erschienene Gratis-EP „The Blanket Rule“.

N.M. IIIEH

KRAKÓW LOVES ADANA
Interview
Clouds Hill Ltd. / Rough Trade

Die 120 Minuten vom Nachtleben: Höllenkreis der Melancholie. Und Melancholie hier im Sinne eines traurigen Eskapismus, eines Heimwegs im Regen und eines immer perfekt passenden Soundtracks, zu allem was passiert. Dreimal Alles. Ernst beiseite: „Interview“ fühlt sich ein bisschen an wie „Éclat“ von Monochrome vor einigen Jahren, weniger kantig und laut vielleicht, mehr privat und gefällig, aber auf eine dieser Arten, wie man als Teenie noch dachte, dass jeder Song für einen ganz persönlich geschrieben wurde. Auf dieser ziemlich kaputten aber auch ziemlich modernen Art von Romantik weitergedacht, funktioniert die Platte äußerst wunderbar: am Lagerfeuer und beim Warten auf die S-Bahn, beim Erklären der Welt und beim Erklärtbekommen, beim Alleinsein und beim Händchenhalten – Hauptsache im Dunkeln, mehr muss gar nicht.

PASO LIBRI

Thank for your puchase!
You have successfully purchased.