Musikreviews

THE WIND-UP ROBOTS KILLED MY CAT
Whiskers and Guts
Miyagi i

Das sympathische Plattenlabel Miyagi dürfte wohl so ziemlich jedem ein Begriff sein, der sich für die diversen Post-Spielarten von Hardcore aus hiesigen Landen interessiert. OK, ich sehe gerade, dass sie bei Facebook genau 121 Fans haben. Das sind vier Fans weniger als die Seite, die eine Freundin von mir kürzlich für ihre Hauskatze eingerichtet hat. Also, noch mal Schritt für Schritt: 1. Du bestellst jetzt umgehend beim Mailorder deines Vertrauens diese CD, denn sie enthält epischen instrumentalen Postrock, die Musik der Zukunft. 2. Du bestellst natürlich nicht die CD, sondern das edle 180g-Vinyl, klar. 3. In drei Jahren, wenn jeder Provinzteenager mit einem Miyagi-Shirt rumläuft, schreibst du uns einen wütenden Leserbrief, in dem du dich über all die Leute aufregst, die erst durch VICE von dieser Musik erfahren haben. So, das war alles. Das man euch immer alles erklären muss, echt.

Videos by VICE

TEACHER BEN

PERFUME GENIUS
Put Your Back N 2 it
Matador Records

Da haben wir ihn wieder, den nur vom harten Brot, das sein Leben ist, und den eigenen Tränen zehrenden androgynen Schöngeist, dessen Kraft gerade noch reicht, gegen den Weltschmerz anzuhauchen. Den Gebrochenen, dessen Liedgut seine mitfühlende Klientel noch etwas tiefer in den Norwegerpullover kuscheln lässt und den Feuilletons, Lifestyleblättchen und Hipsterblögchen Grund genug ist, mal wieder das Zeitalter der Warmduscher auszurufen. Zugegebenermaßen werden sich Mike Hadreas Songs nicht wehren (wie auch?), wenn du sie im Kanon der Befindlichkeitsmucker neben Bon Iver oder, noch schlimmer, William Fitzsimmons einsortierst, trotzdem atmen sie aber auch noch ausreichend Holzkohlenaroma a la Songs: Ohia oder den Duft der ätherischen Öle, die auch Antony öfter in sein Badewasser träufelt, um mehr und bedeutender zu sein als die nächste hippe Folksau, die durchs Jammertal getrieben wird.

CONOR UNTERST

GONJASUFI
MU.ZZ.LE
Warp/Rough Trade

Sein Warp-Debüt wurde noch vom Gaslamp Killer angeschoben, inzwischen hat Gonjasufi sich in die Wüste zurückgezogen und die Produktion in seine eigenen gruseligen Pranken genommen. Und für einen Typ, der aussieht wie eine Mischung aus Gevatter Tod und einem alten Teppich erweist er sich als überraschend fingerfertig. Sein neues, 24minütiges Minialbum ist durchsetzt von reverblastigen Vocals und angezerrten Rumpelbeats, und wäre der perfekte Soundtrack zu einem psychedelischen Lo-Fi-Drama, in dem Coco Rosie versehentlich eine Überdosis jamaikanisches Opium verschlucken. Bei so viel kosmisch-meditativer Weirdness bekommt man fast Lust, einen dieser Yoga-Kurse zu besuchen, die Gonja tatsächlich in Las Vegas anbietet, um all die Slotmachine-Junkies zurück zum Licht zu führen.

JAH SHWOOL

ANAÏS MITCHELL
Young Man In America
Wilderland Records/Soulfood

Melodramatische Folk-Alben gibt es ungefähr so viele wie Elvis-Büsten in Memphis. Was an sich nichts Schlimmes ist, zumal man sich ja gar nicht beschweren will, wenn das wie im vorliegenden Fall solide gemacht ist. Nur ist diese Qualitätseinschätzung etwa so hilfreich wie ein „Er war stets bemüht“ auf dem Arbeitszeugnis. Anaïs Mitchell reiht sich also ein in die Riege nicht untalentierter, aber insgesamt eher einfallsloser Quietschestimmen-Mädels, die achtzig Instrumente spielen und bestimmt auch viel gelesen haben, denen aber bei aller Liebe etwas an Charme und – ähem! – Innovation fehlt.

BO DOM

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