Musikreviews

Hier sind unsere Reviews zu Forest Fire, Årabrot, Hanni El Khatib und Justice.

FOREST FIRE
Staring at the X
Fat Cat

Videos by VICE

Wir haben uns längst damit abgefunden: Nostalgie-Übungen bis weit vor die eigene Geburt und Plattenkistenplünderei sind die Disziplinen, in der sich der Jungmusiker von heute messen lassen muss. Forest Fire tun sich hierbei besonders hervor, denn ihr Allroundtalent ist von Velvets-Scharaden über Dylanismus für Fortgeschrittene, TJAMC-Feedbackerei und Flaming Lips’sche Verdrehung bis zum Rolling Stones-Weitwurf so umfassend hochklassig nachahmend, dass man sie augenblicklich für den Retro-Rock-Zehnkampf anmelden und sichere Wetten auf sie abschließen möchte.
HERIBERT BASSFENDER

ÅRABROT
Solar Anus
Fysisk Format

Årabrot kommen aus Norwegen und haben sich nach einer der großen staatlichen Müllhalden benannt. Nur damit du eine Ahnung erhältst, wo sie auf der Skala zwischen „Easy Listening“ und „haarsträubender Krach“ ungefähr anzusiedeln sind. Solar Anus wurde, wenig überraschend, von Steve Albini produziert und ist mit seinen monotonen Drums, messerscharfen Gitarren und schmutzigen Vocals ziemlich gut darin, dir eine Gänsehaut zu verpassen, wie es vor Urzeiten einmal Jesus Lizard getan haben.
CHARLES HANSON

HANNI EL KHATIB
Will the Guns Come out
Innovative Leisure

Bekanntlich hat sich Jack White aus der effektiv inszenierten BluesRock-Verwertungsspirale zurück gezogen und produziert heute auch mal Flachwitze mit abgehalfterten Rappern. Für die Neubesetzung der von ihm hinterlassenen Lücke ist dieser Typ hier ein ganz aussichtsreicher Kandidat. Er inszeniert sich noch effektiver (er ist ganz allein) und er spielt BluesRock. Und auch die Industrie hat ihn bereits entdeckt und schmückt ihre fetzigen Clips mit seinen Liedern. Jetzt muss er es mit irgendeiner Idiotenmelodie nur noch ins Fußballstadion schaffen.
AXL ROSE

JUSTICE
Audio, Video, Disco
Ed Banger/Because

In Romain Gavras Rockumentary A Cross the Universe konnten wir Xavier und Gaspard dabei zusehen, wie sie in ihrem Tourbus Groupies durchvögelten, mit Automatikwaffen ballerten und einem besoffenen Kerl auf einem Parkplatz eine Bierflasche über den Kopf zogen. Wenn du daraus geschlossen hast, dass Justice sich auf ihrem zweiten Album in Led Zeppelin oder Mötley Crüe verwandeln würden, hast du dich getäuscht: Eher sind sie jetzt die neuen Supertramp. Auf Audio, Video, Disco finden sich zarter Soft-Rock und flotter Disco-Funk in einer sehr französischen Interpretation. Und während die bekannt brachialen Beats alles beisammen halten, wird spätestens bei einem ausgedehnten Flötensolo klar, dass man hier durchaus von einer „Weiterentwicklung“ sprechen könnte.
CHILL DAVE

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