Musikreviews

Hier sind unsere Reviews zu Gary Numan, Kammerflimmer Kollektief, Baby Dee und Wosimski.

GARY NUMAN
Dead Son Rising
Mortal Records

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Numans Pionierarbeit der späten Siebziger und frühen Achtziger auf dem Gebiet der Pop-Elektrifizierung war in mancher Hinsicht folgenreich. Auf eher schwer verdauliche Weise schlägt sie sich in den Referenzleistungen der huldigend darauf aufbauenden Sequenzer-Vergewaltiger nieder, die seit Beginn der Neunziger bis heute mit ihren Werkhallen-Rockismen versuchen, die Charts oder wenigstens die Herzen der Zillo-Abonnenten zu erobern. Numans Spätwerk merkt man leider viel zu oft an, dass er sich selber auch nicht immer richtig verstanden hat.
FIN DUSTRIAL
 

KAMMERFLIMMER KOLLEKTIEF
Teufelskamin
Staubgold

Leider habe ich es nicht geschafft, „Teufelskamin“ komplett zu hören, da ich nach den ersten zehn Minuten das dringende Bedürfnis nach einem LSD-Trip verspürte, in dessen Zuge ich die Räucherstäbchen meiner Hippienachbarin geknabbert habe und dann mit dreiköpfigen Wombats auf einem Fluss aus Kerosin und Bionade paddeln war. Und so verlockend das für den ein oder anderen klingen mag: Ich für meinen Teil würde mir lieber jeden Finger einzeln abhacken und mir nacheinander in die Nase schieben, statt das zu wiederholen.
AL CHEMIE
 

BABY DEE
Baby Dee Goes Down To Amsterdam
Tin Angel / Indigo

Wem bei Antony immer ein bisschen Klaus Nomi fehlte, der darf bekanntlich guten Gewissens auf Baby Dee zurückgreifen, die unterhaltsamste Neofolk-Multiinstrumentalistin fast aller Zeiten. Was besonders auf einer Liveplatte wie dieser ganz wunderbar rüberkommt, denn: diese schnöde Ernsthaftigkeit der letzten Studioalben ist fort, die Ansagen zwischen den Songs geradezu charmant, die Lässigkeit und Unfertigkeit ganz  angebracht uninszeniert. Und wer „Jazzkeller“ sagt, werfe den ersten Stein, liegt aber auch nicht arg falsch. Als Doppel-CD ein bisschen zu lang für fickrige ADHS-Hirne wie unsere–beim echten Konzert kann man nebenbei wenigstens an der Bar stehen oder Mobiltelefonkids beobachten–aber Spaß macht das trotzdem.
TINY TIM
 

WOSIMSKI
Could Be Anywhere
Maylove Music/ Rough Trade

Attention, Kids: Nur weil ihr wisst, wie man ein Loop-Pedal und diverse Effektgeräte bedient, heißt das nicht, dass andere das hören wollen. Auch die drei Jahre Keyboard-Unterricht verwendet ihr lieber für den Polterabend eurer Cousine. Wenn ihr dann beim Gesang auch noch aus Versehen George Michael-Momente kreiert und eurem Album einen Kelly Clarkson-Titel gebt–wirklich, lasst es bleiben.
MARIUS MÜLLER-UNBEHAGEN

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