Musikreviews

SODA
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Postrap

Yo, was ist hier los? Hat Haftbefehl heimlich einen Doktor der Philosophie gemacht? Hat David Lynch ein paar Beats produziert und auf weißes Vinyl gepresst? Haben die Jungs vom Antipop Consortium ein Album auf Deutsch aufgenommen? Ach nein, es ist nur soda, der beste Rapper, der sich nicht so für Rap interessiert, weil er viel zu sehr damit beschäftigt ist, einfach nur DOPE zu sein. Deshalb klingt dieses Album auch wirklich nicht so, wie man sich ein typisches Rap-Album vorstellen würde. Es rasiert aber trotzdem alles und hat es dabei nicht mal nötig, deine Mutter zu beleidigen.

Videos by VICE

OPA KÖHLER

EGYTOLOGY
The Skies
Clapping Music/Desire (Vinyl)

Konsequentes Synthesizer-Album von zwei Franzosen, die wissen wo Barthes den Moût holt. Ja-ah-ahhh, Mythen gibt es hier so viele wie Wege sich zu verlaufen. Titel wie „Endless Night In The Eternal Spheres“, Songs in fünf Teilen, Ägypten, Pyramiden, bizarre Geräte. Trotz des obligatorischen Maschinenparks gelingt es Lamm und Laporte, ihr in jahrelanger Heimarbeit perfektioniertes Album nicht im Retro-Chic verenden zu lassen. Die Musik dient Geschmäcklern dazu, obszön teure Beton-Paläste aus der Blütezeit des Brutalismus zu beschallen – aber im feuchten Keller, unter der Brücke und im Nahverkehr kann es erst recht bei der Weltenflucht behilflich sein …

ERIK KENNICK

SHONEN KNIFE
Pop Tune
Damnably / Indigo

Shonen Knife spielen seit zehn Jahren immer den gleichen Song und sind damit erstaunlich erfolgreich. Hat vermutlich etwas damit zu tun, dass die Band aus drei japanischen Frauen besteht. Damals, als ich diese Web-Video-Reihe begann, bei der ich versuchte, mir selbst ins Gesicht zu pinkeln, hat das auch niemanden interessiert. Dann kamen die japanischen Frauen, haben das Genre einfach an sich gerissen, und heute sind sie alleiniger Marktführer in diesem Bereich. Nun ja, so ähnlich haben sie es hier halt auch mit alten Ramones-Platten versucht, aber anders als bei den Videos springt der Funke einfach nicht so richtig über.

BO KAKE

HORSEBACK
Half Blood
Relapse

Die Band stammt aus der ältesten Universitätsstadt Amerikas, Chapel Hill in North Carolina. Darum darf Jenks Miller, ihr besessen krächzender Sänger/Kopf, intelligent wirkenden Quatsch schwafeln so lang der Tag lang ist und die Drogen ihren Dienst tun. Dank seiner gelehrten aber etwas unübersichtlichen Ausführungen zu Themen wie Wiedergeburt und Monomythen hat man der Band die Aufnahme ins berühmte Metal-Archive verweigert – trotz aller Verblasenheit und bei allem Post- in Post-Metal ist das noch nicht mal Isis gelungen, von Neurosis ganz zu schweigen. Mit „Half Blood“ geht es regulär dort weiter, wo uns „Hatecloud Dissolving into Nothing“, die 16-minütige Neudefinition eines Closers vor drei Jahren allein gelassen hat. Gute Nachrichten: Es ist alles noch viel schlimmer gekommen als angenommen, viel, viel schlimmer. Kotzen könnten wir vor Freude!

ROBERT MONTY

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