DIAGRAMS
Black Light
Full Time Hobby/Rough Trade
Sam Genders begann seine musikalische Karriere als Softporno-Komponist. In der goldenen Prä-Internet-Ära schlich man sich abends, nachdem die Eltern im Bett waren, heimlich vor den Fernseher, um hochkonzentriert die Ästhetik von soliden Klassikern wie Emmanuelle oder bavarischen Avantgarde-Produktionen wie Liebesgrüße aus der Lederhose zu studieren. Wir lassen an dieser Stelle schweren Herzens die Gelegenheit eines pubertären Wortspiels aus (Popp-Musik, anyone?), doch in gewisser Weise bleibt Black Light seinen Wurzeln treu: Streckenweise ganz nett, aber immer wenn man denkt „gleich geht es los!“, sind die Songs zu Ende.
Videos by VICE
ROCCO SIFF FREDDI
LAFARO
Easy Meat
Smalltown/Cargo
Man kann sich seine Fans nicht aussuchen. Das mussten Lafaro erfahren, als sie nach ihrem Debüt eine Menge Mails erhielten, die dafür plädierten, das verborgene Mainstream-Potential weiter in Richtung massentauglichen Stadionrocks auszubauen. Die nun in Albumform veröffentlichte Antwort liest sich ungefähr so: „Hallo Leute! Vielen Dank für eure Nachrichten! Wir haben uns noch mal zusammengesetzt und sind zu dem Schluss gekommen, dass ihr Idioten seid und wir nicht. Deshalb machen wir jetzt nur noch Noise und ihr checkt am besten mal Bruce Springsteen oder bringt euch einfach um.“ Falsche Fans verloren, richtige Identität gefunden. Das wird honoriert.
PRESS WURST HAMMER
PAPERCRANES
Let’s Make Babies In The Woods
Manimal Vinyl / Cargo Records
Ich kann die ganzen Kate Nashs und Regina Spektors und Heather Novas und Fiona Apples dieser Welt ja leider nicht mehr richtig auseinander halten. Ein bisschen verschluffte Mädchenvocals, dazu Percussion und harmlose Melodiechen, ein bisschen Leid und ein bisschen Wehmut. Was Rain Phoenix aka Papercranes hier aber zumindest richtig macht, ist: sie steckt dem Genre (Mädchenmusik) ein Reibeisen zwischen die Arschbacken. Man nimmt ihr ab, dass sie nicht verträumt durch die Welt hüpft und bei Starbucks sitzend ein Fashionblog schreibt, sondern dass sie eine der wenigen Folk-Indie-Sistas ist, die ihre Platten aus einer gewissen Notwendigkeit heraus macht. Dass sie nicht großartig darüber nachdenkt, ob irgendwelche Rezensionen im VICE sie mit Regina Spektor vergleichen. Das mag dann beim Rezensenten zwar immer noch unter Mädchenmusik laufen, aber zumindest unter erträglicher Mädchenmusik. So ein scheißegal-Subtext hat ja bekanntlich noch nie geschadet.
LILY EINIGEN
WRONGKONG
So Electric
ADP Records
Schönster Satz der Presseinfo: „Es kam, was kommen musste, die Band ging auf Tour.“ – Herrjeh, wenn’s doch Lado wenigstens noch gäbe. Wrongkong wären zwischen Spillsbury und Ascii Disko bestens aufgehoben. Vier Nürnberger Jungs mit kanadischer Sängerin und Electropop: wahrscheinlich gibt’s musikalisch originellere Ideen. Aber eben auch echt beknacktere. An schlechten Stellen klingt das nämlich nach Melissa Etheridge im Discofox-Remix, an guten Stellen nach IAMX im Gefälligkeitsmodus, wenn man das gegenseitig rauskürzt also nach den kleinen Geschwistern von The Rapture. Und damit zwar durchaus nach Jugendwelle-Radio und meinetwegen auch OpenAir-Newcomerbühne, aber ganz gut vorstellen kann man sich das eben auch live im versifften Indielectro-Club irgendwann nach Mitternacht vor ein paar kaputten Kids. Mit eiernden Discokugeln und viel Schnaps könnte das funktionieren.
WHY WAN
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