Musikreviews

Hier sind unsere Reviews zu Honningbarna, Jan Driver, Shannon Wright und Roedelius Schneider.

HONNINGBARNA
Honningbarna
Karmakosmetix/Rough Trade

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Ist Norwegisch wirklich eine funktionsfähige Sprache? Auf alle Fälle erscheint es beachtlich, dass ein solches Kauderwelsch produzierendes Land ein derart hohes Maß an Zivilisation erreichen konnte. Schließlich gehören die Einwohner dort statistisch zu den glücklichsten auf dieser Erde. Honningbarnas Debüt klingt wie eine von Charlie Chaplins Fantasiereden aus „Der große Diktator“, bei der Turbonegro im Hintergrund ein Medley ihrer größten Hits spielen. Je betrunkener man ist, desto besser gefällt diese Kombination. Hoppla, habe ich gerade vielleicht versehentlich das Geheimnis der norwegischen Glückseligkeit gelüftet?
VIRGINIA SCHMULF


JAN DRIVER
Amatilda
Boys Noize/Word and Sound

Das späte Comeback von Techno-Veteran Jan Driver versetzt mich leider umgehend in einen dieser Party-Funparks an Autobahnausfahrten, in denen sonnengegerbte Kerle mit nacktem Oberkörper und rot angelaufenem Wodka-Bull-Schädel so viel Testosteron in die Luft blasen, dass man kaum einatmen kann, ohne dass einem überall Barthaare wachsen. Und jedes Mal wenn ein Mädchen die Tanzfläche betritt, wirkt es ein wenig so, als ob ein rohes Rindersteak in ein Haifischbecken gefallen wäre. Na ja, vielleicht sollten wir dem Typen dafür danken, dass wir diese einzigartige Atmosphäre jetzt auch im Wohnzimmer nachempfinden können, ohne einen Fuß in besagte Etablissements setzen zu müssen.
KARL KOMA


SHANNON WRIGHT
Secret Blood
Vicious Circle / Cargo Records

Eigentlich ja ganz gut so: da jammert ein Mädchen, das gern nach Heather Nova klingen möchte, so ein bisschen Sixties-Tweepop-artig herum und klingt dann tatsächlich in guten Momenten immerhin noch nach Cat’s Eyes. Und immer wenn das Wehleidigkeitsvibrato dann gerade doch zu sehr nervt, kommen so ein paar Tracks mit Stromgitarren (sagt man das noch so, Stromgitarren?) und Nineties-Einfluss (lies: Sonic Youth, Breeders) durch, die ordentlich knallen. Strategisch eher Zufall, vermute ich, aber irgendwie dann ja doch okay hörbar auf Albumlänge.
KATSE HATSE


ROEDELIUS SCHNEIDER
Stunden
Bureau B / Indigo

Hat ja immer so ein bisschen was von „der nette Onkel erklärt die Welt“, wenn sich eine Musiklegende den Nachwuchs schnappt zwecks Zusammenarbeit. Im vorliegenden Fall ist es aber weniger Boyd Rice & Giddle Partridge, sondern eher so ein Sakamoto & Noto -Ding geworden: Cluster-Roedelius legendiert so ein bisschen in der Gegend herum und muckert dabei altersweise (und das kann man sehr wohl hören!) auf dem Klavier vor sich hin, Kreidler-Torococorot-Schneider frickelt und pluckert und digitalisiert dazu, bis man entweder gemeinsam ratlos in experimentell aussagelosem Klangnebel stecken bleibt, oder (und das dann wieder im Gegensatz zur raster-noton-Sause) etwas ziemlich durchseelt-warmes rauskommt, das als so eine Art Mathematiker-Lounge durchgehen könnte. Kann man im November vielleicht doch ein zweites Mal hören.
BRIAN UNO

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