Musikreviews Extra

Hier sind unsere Reviews zu CITAY, GENTLE FRIENDLY, DEAD WESTERN und TERRY FOX

CITAY
Dream Get Together
Dead Oceans

Videos by VICE

Du meine Güte. Eine Hippiebande aus San Francisco, original mit Blümchenkleidern, Filzteppich auf dem Kopf und Designerbaumhaus in Haight-Ashbury. Toll muss das sein, wenn man bequem das Erbe der verhassten Eltern verleben und sich dabei auch noch als „Aussteiger” gebärden kann. Als ich dann noch das Bandfoto sah (eines dieser ultrabeknackten „bei drei springen wir alle in die Luft, knicken die Beine ab und strecken die Arme aus”-Bilder), bekam ich Schnappatmung und musste erstmal eine halbe Stunde unters Sauerstoffzelt. Als nächstes werde ich den Tourplan dieser Freaks checken und dann meinen Architekten anrufen, damit er rechtzeitig mit der Konstruktion eines schalldichten Luftschutzkellers beginnt.

RAUT KROCK

GENTLE FRIENDLY
Ride Slow
Upset the Rhythm

Ich halte nicht so richtig viel von der Bezeichnung „Noisepop”, weil mir das zu oft ein Synonym für einfallslose Musiker zu sein scheint, die ihre eigene Unfähigkeit unter einem Berg von analogen Vintage-Verzerrern begraben wollen. Gentle Friendly klingen aber tatsächlich, als ob die Beatles ihre Songs mit einem rostigen Nagel in eine Schiefertafel kratzen. Auf eine behutsame, freundliche und sogar melodische Weise. Eine Band also, die hält, was sie verspricht.

SARAH SEIN

DEAD WESTERN

Suckle at the supple teats of time

Discorporate Records

Ein weiteres, etwas prätentiöses Post-Current93/CocoRosie-Hype-Album aus der Welt manieristisch-überhöhter Innerlichkeit, wo die Spiegel spiegeln und die Streicher streichen und jedes Wort so bedeutungsschwanger und schwer wiegt, als ob es bald Zwillinge wirft. Dazu croont ein Quasi-Anthony, nur eben ein paar Tonlagen tiefer. Das wiederum  ermöglicht es mir, diesen Tonträger an meine Gothmetalnachbarin zu verscherbeln. Die sagt nämlich, hoch singende Männer machen ihr kalte Eierstöcke. Komm Mädchen, damit wird Dir schön warm.

RAVEN VAUDEVILLE COSTUME RENTAL & MAKE UP

TERRY FOX
The Labyrinth Scored for 11 Differrent Cats
Choose Records/A-Musik

Terry Fox’ akustische Interpretation des Fußbodenlabyrinths in der Kathedrale von Chartes ist ein Klassiker der frühen Klangkunst. Die aus den Schnurrgeräuschen von 11 Katzen zusammengesetzte Komposition aus dem Jahre 1977 ist der erste einer Reihe von limitierten Re-Releases des Fluxuskünstlers, die andeuten, was jenseits von Melodie und Rhythmik der kulturindustriellen Pressmaschinerie so alles möglich wäre. So ist das eben mit guter Kunst: sie zeigt präzise die Schlechtheit von allem anderen auf. PS: Meine Katzen finden’s auch geil.

ADAM RIESE

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