NEW YORK – FUCKIN’ THE MARINES

Wir hatten in Orlando eine interessante Begegnung mit einem 25-jährigen Marine, der 2005 nicht gerade ehrenhaft entlassen wurde. Unmittelbar nach der ersten Invasion verbrachte er knapp ein Jahr im Irak. Wir genehmigten uns ein paar Drinks und fragten ihn dabei, ob er uns eine Zusammenfassung seines „Trips der Ehre” geben könnte. Was wir bekamen, war eine Art wüstenartige M*A*S*H Version (wie der Film und nicht die schmalzige Serie!) Hier seine Odyssee …

Ein paar Monate vor der Irak Invasion lief auf dem Discovery Channel eine recht gute Dokumentation darüber, wie man ein Marine wird. Da dachte ich mir: „Hey, das kann ich auch.” In der Zeit habe ich gerade in Orlando eine Ausbildung zum Koch gemacht, eigentlich war ich aber viel mehr damit beschäftigt, Drogen zu nehmen und auf Partys zu gehen. Mich beim Militär zu melden schien mir als eine ganz gute Option und außerdem hatte ich das Gefühl, das es sich bei den Marines um den härtesten und abgedrehtesten Haufen von Ruffnecks handelt, den es gibt. 

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Zur Grundausbildung schickten sie mich nach Paris und dann landete ich in San Diego. Nach drei Wochen sagte man uns: „Packt euren Scheiß zusammen, es geht los!” Für einen Monat ging es nach Kuwait. Dort bereiteten wir uns darauf vor, die Grenze zu überqueren. Wir marschierten nach Falludscha, als die großen Angriffe stattfanden. Eigentlich war ich für die Versorgung der Bodeneinheiten und das Beladen der Konvois zuständig, aber aufgrund des Mangels an Soldaten habe ich das erst nach dem neunten Monat meiner Dienstzeit gemacht. Es wurde uns verboten, während der Grenzüberschreitung eine Pause zu machen, ansonsten müsste der ganze Trupp anhalten. Kleine Kinder rannten direkt auf uns zu, weil sie die festgebundenen MREs auf den Dächern unserer Fahrzeuge sehen konnten. Sie wedelten mit ihrem Geld in der Luft herum und dachten, wir würden anhalten, aber der Job des Fahrers war es, immer auf der Strecke zu bleiben. Ein paar Kinder wurden überfahren. Zu dem Zeitpunkt war mir das ziemlich egal, weil ich in meiner patriotischen Geilheit auf Krieg völlig aufging. Dennoch schaute ich in den Rückspiegel und sagte: „FUCK, eigentlich sind wir hier, diesen Menschen zu helfen und nicht Matsch aus Ihnen zu machen.”

Das Basislager in Falludscha war ziemlich freakig. Den ganzen Tag standen wir unter Mörser-Beschuss. Immer das gleiche Bombardement, was ziemlich schnell anfing, zu nerven. Es herrschte eine unglaubliche Spannung. Überall gab es Stress und Schlägereien, obwohl wir ja eigentlich wie Brüder sein sollten. Wenn jemand Post bekam und einen Anderer einen Witz über seine Familie riss, reichte das aus, damit sich die Beiden die Fressen polierten.

Eins steht fest, beim Militär wird hart gearbeitet, aber dafür umso härter gefeiert! Es gab Schnaps bis zum Umfallen, Drogen wurden reingeschmuggelt und manche von uns dröhnten sich so zu, dass sie ohnmächtig wurden und sich im Rausch die Hosen bepissten. Das Abgefahrenste, was du machen konntest, war, dich aus dem Camp zu schleichen, dir mit ein paar Jungs ein Zimmer zu mieten und irakische Nutten flach zu legen. Das kostete dich $120.   

Wir dachten, wir würden uns für mindestens sechs Monate dort aufhalten, aber die Zeit ging vorüber und wir wurden einfach nicht nach Hause geschickt. Immer sagte man uns, dass es nur noch drei Monate dauern würde, aber danach folgten drei weitere.  Es wäre einfach keiner da, der uns ablösen könnte. Nach allem, was man so über die berüchtigte Strenge und Disziplin des Militärs hört, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass diese Jungs ihre Sachen auf die Reihe kriegen. Wenn ihr uns sagt, es sind nur drei Monate, dann gönnt uns zumindest eine verfluchte Pause nach dieser Zeit.   

Jedenfalls wusste ich, dass ich da raus musste, als sich mein bester Freund das Leben nahm. Er hat sich mit einer M-16 erschossen. Wir fragten uns alle warum, bis ich herausfand, dass seine Mutter stark an Krebs erkrankt war und es mit ihr zu Ende ging. Er beantragte eine Heimreise, um bei seiner Mutter zu sein, wenn diese stirbt,  aber die Bitte wurde abgelehnt. Nach der Sache wurde mir bewusst, dass mir die Army scheißegal ist, also zur Hölle mit den Wichsern.

Ich wollte einfach nur nach Hause. Ich habe meinen Teil hier geleistet.  Ich entschied mich dafür auszusteigen, aber auf die richtige Art und Weise. Ich ging zum Priester des Regiments und machte einen auf verrückt, als das nichts brachte, versuchte ich es mit Mitleid. Er glaubte mit nicht. 
Es ging das Gerücht um, dass ein positiver Drogentest dein Freifahrtsschein aus dieser Hölle wäre. Du sitzt für kurze Zeit im Knast, aber das war’s. Ich entschied mich für diesen Weg, denn für mich gab es kein Zurück mehr. Nach elf Monaten schickten sie uns heimwärts zum Camp Pendleton in Kalifornien. Sie sagten uns aber direkt: „Macht es euch nicht zu bequem, denn in drei Monaten geht es zurück in den Krieg.” Ein Kumpel von mir lebte direkt in der Nähe, der löste mein Problem des „High Werdens” und das war’s.

Ich bin in eine Schlägerei mit meinem Sergeant geraten, nachdem der herausgefunden hatte, dass mein Drogentest positiv war. Er hat mich als einen „verweichlichten Schwanzlutscher von Marine” bezeichnet. Darauf antwortete ich: „Ich bin der Einzige, der noch ein Restgefühl von Ehre beisitzt. Deshalb habe ich keine Lust mehr, ein Teil dieser Scheiße zu sein. Fuck You!” Er nahm seine beschissenen Rangzeichen ab und los ging’s. Der Fight dauerte nicht wirklich lange und er riss mir ganz schön den Arsch auf. Er sagte ich sein eine Schande, worauf ich ihm noch viel Spaß im Irak wünschte, denn für mich ging’s nach Hause. 

Sie riefen die Militärpolizei und wollten von mir wissen, warum ich denn mit meinen Problemen nicht zum Regimentspriester gegangen bin. Ich sagte Ihnen, dass ich dort war, aber dies sei der einzige Weg hier raus. „Sie haben sich doch freiwillig gemeldet?”, konterten sie und verpassten mir eine nicht ganz so ehrenhafte Entlassung. Sie sagten es so, als handelte es sich hierbei um irgendeine hardcore Bestrafung, aber es war ein Kinderspiel. Zu Beginn ließen Sie mich Löcher ausheben, aber dann heulte ich rum, dass ich starke Rückenprobleme hätte, also teilten sie mich für leichtere Arbeiten ein. Das war „Peanuts”, wenn ich nicht schlief, schaute ich MTV.   

Ein paar Sachen vermisse ich schon. Die Kameradschaft und die Sonnenuntergänge im Irak. Es war eine Erfahrung fürs Leben. Ich bin dankbar für alles was ich hier habe, auch wenn es nicht das Beste vom Besten ist. Ich weiß, dass es noch viel schlechter werden kann.

SHANE STINNETT

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