Der Noisey Guide to Stuck! Festival

Alle Fotos: Stuck Festival.

Einmal nicht schon um 15 Uhr nachmittags im Jauchegraben aufwachen. Einmal um 14 Uhr noch wissen, ob das die eigenen Körperflüssigkeiten sind, die da so wunderlich die Hose verkleben. Das Salzburger Stuck! Festival ist ein Festival, das in der Stadt stattfindet, also ein Festival, wie man so sagt, für Menschen die Festivals, so im herkömmlichen Sinne, vielleicht im Normalfall nicht mehr gar so anturnend finden. Beim Stuck! Festival schlägt man nicht auf einem Flugfeld oder in der Wüste auf, man sieht Konzerte im Salzburger Rockhouse.

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Zusätzlich zum Standortvorteil ist das Stuck! immer exquisit programmiert. Sonst wäre das ja alles nichts. Jedes Jahr macht das Stuck! eine Klammer auf, die das herrliche Wort “Pop” weit fasst. Ein Programm im Dienste von Party und Anspruch: Abenteuerlicher Indie-Pop und –Rock, Gitarren und Synthesizer, dancey Stuff, weirde Bastel-Elektronik. Das Stuck! Festival findet dieses Jahr am 1. und 2. August zum fünften Mal statt. Es wird wieder ganz vorzüglich werden. Es folgen Gründe dafür, ein paar Hinweise, eine Würdigung.

Die Crowd

Es sind gute Menschen. Wir wollen an dieser Stelle verallgemeinern. Interessiert, mit Ahnung und Neugierde gefüllt, gut gelaunt, gut angezogen. Aber nicht too much. Die doofen Regional-Stereotypen stimmen ein bisschen: Man scheint sich hier mit Kribbeln im Körper tatsächlich auf etwas zu freuen, wohingegen der Mensch aus Wien Konzerten nur mehr abgebrüht begegnen kann und gewohnt ist, im Nachtleben sowieso jeden Tag zwischen mindestens drei durchschnittlichen Berliner Tech-House-DJs wählen zu können. Das sind wie gesagt alles nur Vorurteile. Beim Stuck! jedenfalls wuselt und vibriert es im Publikum, es riecht nach Erdbeeren.

Der Zeitplan

Bitte schon am frühen Abend bzw. späten Nachmittag, je nach dem wie man seinen Lebensrhythmus gepolt hat, das Areal aufsuchen. Vor dem Rockhouse wärmen gute DJs die Luft. „DJs“ meint hier nicht Superstars mit Techno—gegen den hiermit freilich überhaupt nichts gesagt sein will—auf dem Stick, sondern feine Menschen, die vornehmlich dem Freundes-Pool des Stuck! entspringen. Das musikalische Basislager ist hier meistens ebenfalls im allerweitesten Sinne „Pop“: Mal mehr als Indie, Postpunk oder Wave ausgelegt, mal mehr Richtung Elektronik und Disco spielend. Es gehört ohnehin wieder mehr so aufgelegt.

Die Venue

Das Stuck! Festival bespielt die große Halle und die kleinere Bar des Rockhouse. Und zwar dankeswerterweise abwechselnd, d.h. wenn man denn will, kann man alle Acts erhaschen. Man soll wollen. Außerdem: Die Erfahrung besagt, dass hier für gewöhnlich an allen Positionen freundliche Menschen am Werk sind, die auch noch Spaß an der ganzen Sache zu haben scheinen.

Die Musik

Darum geht es, natürlich. Vielleicht muss man das aber auch noch einmal ausdrücklich dazu sagen, wenn von Festivals die Rede ist. Beim Stuck! geht es nicht darum, auf dem Zeltplatz nach ein paar Runden Schnaps(en) mit der Bierbong im Mund wegzudösen und im Komazustand von Spaßkanonen mit Edding einen schönen Penis auf die Stirn gemalt zu bekommen. Wie jedes Jahr ist das Musikprogramm beim Stuck! liebevoll und mit einem Auge, das nach morgen schielt, zusammengestellt. Ein bisschen Gewagteres und Experimentelles, hottly tipped Newcomer, ein paar größere Namen und solche, die es in zwei Monaten dann schon sein werden.

Dieses Jahr beim Stuck! zum Beispiel am Start: Die österreichischen Beat-Wunder salute und Dorian Concept, die feingeistigen britischen Art-Rocker Breton und die Noise-Drone-Walze der Fuck Buttons. Die Melancholie-Elektronik von Slow Magic oder der gute Indiepop mit Synthie-Schlagseite von We Walk Walls. Hamburger Punkrock, der nach Hamburg klingt, von der jungen Band Trümmer und das elastische Songwriting aus dem Zentrum des Dancefloors von Roosevelt. Und viele, viele mehr. Das gesamte Line-Up steht hier.

Die Unterkunft

Nur der Vollständigkeit halber: Der oben erwähnte Zeltplatz – der existiert beim Stuck! Festival natürlich gar nicht. Man schläft dem Anlass angemessen stilsicher im Hotel oder fordert bei einem in Salzburg ansässigen Homie den längst fälligen Gefallen ein. Oder wohnt ohnehin schon dort. In jedem Fall kann man auch am zweiten Tag des Festivals poliert und frisch gebügelt vor dem Rockhouse erscheinen. Man muss sich das alles selbst checken. Man ist nie zu jung dafür.

Das Wetter

Auch wenn sich das Stuck! wie gesagt konzerttechnisch indoors abspielt, können Überlegungen hinsichtlich der Garderobe – und zwar solche, die nicht einzig auf den Fashion- und Hipness-Faktor (10 Punkte) abzielen – nicht schaden. Das Draußen-Herumgestehe (Djs Anhören, Flirten, Rauchen) ist wichtiger Bestandteil des Lebens und des Festivals. Und der alte Salzburger Klischee-Kollege, der Regen, kommt meistens und unbarmherzig. Aber auch in solch einem Falle scheint das Stuck! immer wieder seine magische Energie zu entfalten.

Es sind Geschichten überliefert, denen zufolge sich bis dahin wildfremde Menschen im strömenden Regen vor dem Salzburger Rockhouse unter Sonnenschirmen auf engstem Raum zusammengedrängt haben und sich zwangsweise mit der Nase gegenseitig den Schaum vom Bier gefischt haben sollen. Es wurden Freundschaften für die Ewigkeit geschmiedet. Man merkt es schon: Es bestehen gewisse Sympathien für das Stuck! Festival. Love is in the air. Um auch mal mit einer besonders angestaubten Floskel zu schließen. Es ist die Wahrheit.

Jetzt wollt ihr unbedingt zum Stuck. Das wissen wir. Deshalb verlosen wir auch 2×2 Tickets unter allen, die ein Mail mit dem Betreff „Stuck Festival“ an schreiben.

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Philipp legt heuer beim Stuck irgendwann auch auf. Das ist aber egal, er hätte den Text ohnehin so euphorisch geschrieben.

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