
THE GASLAMP KILLER

CULT OF YOUTH

JJ DOOM

HOW TO DRESS WELL
RICK ROSSGod Forgives, I Don’t
Maybach Music/Def Jam/Universal
Am Anfang schuf Rick Ross die Billboard-Charts. Doch sie waren wüst und leer. So lud er ein paar seiner Söhne zu sich in sein Himmelreich, und sie hießen Dre, Jigga und Drake. Und mit ihnen errichtete er ein Album und platzierte es an der Spitze der Charts. Und er sah, dass es gut war. Als Zeichen seiner unermesslichen Liebe ließ er Kokain und Geldscheine vom Himmel auf die Menschen herabregnen. Und Ross sprach: Die Erde bringe hervor einen Maybach, auf dass ich in ihm fahren werde. Und sie bringe hervor Bankkonten, auf dass ich sie füllen kann. So segnete er sich selbst und sprach: Sei fruchtbar und bringe den Menschen deinen Samen zu ihrer Speise. Und Ross sah alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut.MOSES P.
JJ DOOMKey to the Kuffs
LEX Records
Gestern spielten Odd Future in Berlin. Es war ein Desaster vor halbvollem Haus. Ein von einem technischen Fuck-up zum nächsten stolperndes Set, obwohl da nur ein winziges MacBook auf der Bühne stand. Nur noch durchschaubare Irrsinns-Routinen. Ein Kindergarten auf Keta. Ein sich selbst fressender Hype. Ohne hier wie ein der alten Zeit hinterher weinender Miesmacher rüberkommen zu wollen, aber an solchen Abenden kann man schon mal den Glauben an moderne Rapkultur verlieren. Manchmal hat man aber Glück und es liegt am nächsten Tag ein Album wie dieses auf dem Tisch. MF Doom spittet wie ein aufgestachelter Voodoo-Priester, Beth Gibbons steuert ihren verhängnisvollsten Sirenengesang bei, ein Cameo von Damon Albarn ist weniger erwähnenswert, da in solchen Kontexten sowieso unvermeidbar, und Producer Jneiro Jarel steigt in Abgründe herab, von denen Tyler nicht mal albträumen möchte. Der Typ könnte wahrscheinlich sogar einen Schatten samplen, wenn er wollte.ASTAB ROOKIE
THE GASLAMP KILLERBreakthrough
Brain Feeder/Rough Trade
Was mit Strictly Turntablized und Heads begann, mit Endtroducing einen kommerziellen Höhepunkt fand und vorübergehend von Selbstdarstellern und Kunst-Fatzken begraben wurde, kommt hier noch mal zur voller Blüte: trippy HipHop, der dem „Free Your Mind“-Gebot gehorcht und einen Scheiß darauf gibt, ob der eigene oder irgendein anderer Ass folgen will. Sideshow-Bob-Lookalike The Gaslamp Killer bringt auf seinem ersten richtigen Longplayer Turntable-Psychedelic als „heavy music“ in Stellung. Komm ihm nicht mit Party, Club und Dancefloor, denn Breakthrough ist „music for your brain, not for your body“.SERGE GOLOWIN
DEADBEATEight
BLKRTZ
Deadbeat soll sich für dieses Album extra ein neues Studio in einem Industriegelände Berlins eingerichtet haben. Eine solche Information spielt dem sich hartnäckig haltenden Klischee in die Hände: Berlin sei das Detroit Europas—überall nur Schutt, Geröll und ausgebrannte Trabbi-Pappen. Die Wahrheit sieht natürlich anders aus—überall nur Investmentdistrikte, annektiertes neues Schwabenland und ein sich aus Hundescheiße und Aletebrei-Kotze mischender Bodenbelag. Aber klar, es dauert einfach ein paar Jahre, bis das Image des neuen Berlins auch im Ausland die Runde gemacht hat. Noch arbeiten die Touri-Schleusen ins Partyparadies auf Hochtouren und noch sind Alben wie diese—werkhallende, meditative und bei entsprechender Lautstärke in den Eingeweiden schwingende Dubtechno-Manifeste—pures Gold für den Fremdenverkehr.DISTRICT NEIN
HOW TO DRESS WELLTotal Loss
Weird World
Erinnert ihr euch noch, wie betörend dieser Typ mit seinem ersten Album die Komplexe seiner Generation einsalbte? Man muss diese Frage stellen, denn Teil ihres Problems ist es, sich nicht merken zu können, was vor 20 Minuten passiert ist. Wie dem auch sei, es sind seitdem zwei Jahre vergangen und Tom Krell hat währenddessen ein paar ziemlich lustige neue Spleens entwickelt. Er hält sich offenbar nun für die Reinkarnation Michael Jacksons. Seine Lautmalerei auf dem neuen Album spricht da Bände, von „uh“, über „uh hu huu“, bis zu diesem hellen Glucksen ist eigentlich alles dabei. Die beherzt massierende Hand im Schritt setzen wir angesichts der Falsettvollbedienung sowieso voraus. Bevor wir mit der Vorstellung beginnen, wie Krell die einschlägigen Choreografien auf sein eigenes Tempo herunterdrosselt, hier noch schnell das Fazit: Was zum Beispiel beim Sly-Klassiker „Rocky“ ein Prozess über mehrere Teile war, liegt hier ganz nah beieinander: Die Vorlage eines gelungenen Debüts und die unfreiwillige Parodie darauf. Schön, wenn der Albumtitel genau beschreibt, was einen erwartet.ADRIAN PENINO
JORI HULKKONENNegative Time
My Favorite Robot
Hulkkonen, der umtriebige Techno-Finne, hat sich für sein neues Album ein Alias zugelegt. Er veröffentlicht Negative Time unter dem Pseudonym „Third Culture“. Er sei ganz entzückt gewesen, vom gleichnamigen Ansatz, Natur- und Geisteswissenschaften miteinander zu verknüpfen, so heißt es, und man möge seine Musik als Produkt der gleichen Herangehensweise begreifen. Klingt ein bisschen, als aspiriere er die Position des Joachim Bublath des Elektrobizness. Auch den Albumtitel kann man sicher dahingehend lesen. Trotzdem legt er hiermit zum Glück keine inhaltsanalytische Auswertung einer Kurvendiskussion vor, sondern ein weiteres seiner heruntergedimmten, mal zur Sache kommenden, mal in Tranceflächen verlorenen Floorpop-Kaleidoskope.RANGA YOGETEE
SIZARRPsycho Boy Happy
Four Music/Sony
Schon die ersten Songs, die Sizarr in den letzten Monaten vorab ins Netz katapultiert haben, riefen ein gewisses ungläubiges Erstaunen hervor: Da war etwas, auf das sich alteingesessene Depeche-Mode-Anhänger, Justin-Bieber-Mädchen, Get-Well-Soon-Emos und Bodi-Bill-Hipster gleichermaßen einigen konnten. Es kam aus der Pfalz. Und es strahlte rein gar nichts von der Orientierungslosigkeit aus, die man von drei 19-jährigen Abiturienten eigentlich erwarten sollte. Jetzt ist das Debütalbum da und die Karriere kann endgültig beginnen. Also Kinder, wenn ihr noch ein Weilchen die Finger vom Koks lasst, in Interviews ein paar weniger Anglizismen verwendet und euch noch einen Haarschnitt zulegt, der nicht so aussieht, wie sich eine Dorffriseurin die Leute in Berlin vorstellt, dann, ja dann könnte es tatsächlich klappen. Etwas Unterhaltsameres hat die Stadt Landau zumindest seit diesen dicken Kindern aus dem Fernsehen nicht mehr hervorgebracht.TYP BERATER
THE ORB & LEE SCRATCH PERRYThe Orbserver in the starhouse
Cooking Vinyl/Indigo
Einen Punkt, weil alle Beteiligten irgendwann mal etwas gemacht haben, das von Relevanz für die heutige Musik war, einen Punkt, weil die Dubdelays lustig blubbern, und einen Punkt, weil man sich über offensichtlich demenzkranke Rentner nicht in der Öffentlichkeit lustig machen darf. Meinetwegen auch noch einen Punkt, weil im The-Orb-Wikipedia-Artikel sich über Trent Reznor lustig gemacht wird.POOP LION
MICHAEL MAYERMantasy
Kompakt
Man muss nicht viel von elektronischer Musik verstehen, selbst das wer, wo, warum ist unerheblich—irdische Fakten wirken armselig und kleingeistig, wenn man einem Album wie Mantasy begegnet. Klar, der Künstler und sein Label genießen international den besten Ruf. Aber das ist auch nur ein Grund mehr, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren: Soundtracks, imaginäre Main Themes, dramatische Stimmungsbeschleuniger, auf die blanken Knochen reduzierte Einpeitscher und Märchenklänge—dass „Rudi Was A Punk“ darüber hinaus an die unvergessenen Ur-Elektro-Punx Suicide erinnert, ist schon fast zu viel des Guten.MARTI VEGAN
BROCKDORFF KLANG LABORDie Fälschung der Welt
ZickZack
Diese Leipziger feiern einmal mehr ihr eigenes Dilemma. Im Elfenbeinturm die alten gesellschaftsphilosophischen und Pop-diskursiven Schinken abstaubend, beharren sie auf ihrem Crossover aus Schlager und Electroclash, wobei Letzterem mittlerweile die Zielgruppe weggestorben ist und man sich an der niemals nicht wegsterbenden Schlager-Zielgruppe, der sie mit ihren Schunkeltunes ohne Weiteres das Geld aus der Tasche ziehen könnten, nicht das feine Pop-Händchen dreckig machen will. Vielleicht das nächste mal ein bisschen mehr Feld und weniger Labor, vielleicht einfach mal knietief durch die Scheiße tanzen, vielleicht bei der Versöhnung von Herz und Kopf das nächste Mal die Geschlechtsteile nicht vergessen.DREIGROSCHENOPA
MATTHEW DEARBeams
Ghostly International/Alive
Wenn du denkst, Matthew Dear ist jetzt zm Optimismus konvertiert, weil dich ein flüchtiges Reinhören in die Single „Her Fantasy“ zu vorschnellen Fehldeutungen verleitet hat, dann verstehst du bestimmt auch nicht die Absurdität, zu Joy Division zu tanzen. Und wirst wohl auch nicht glauben, dass Matthew Dear immer noch sehr, sehr traurig ist. Denn auch wenn er sich im Gegensatz zur triefenden Düsternis von Black City jetzt hinter treibenden Hooklines und leichterer Eingängigkeit versteckt, sollte man sich spätestens beim zweiten Stück „Earthforms“ auf eine gruselige Art und Weise an Ian Curtis erinnert fühlen. Und wir alle wissen, wie seine Geschichte ausging. Hoffen wir, dass es sich im aktuellen Fall nur um künstlerische Verwirklichung handelt oder Ex-Audion doch wieder Techno macht.DARTH VADER
LOCRIANThe Clearing/The Final Epoch
Relapse
Es ist schon so lange keine gute Drone-Platte mehr erschienen, dass wir schon fast vergessen hatten, wie es sich anfühlt, von einer schwerfällig brummenden Feedbackorgie in einen transzendental-apokalyptischen Schwebezustand versetzt zu werden. Locrian haben diesen Mangel dankenswerterweise erkannt und werfen jetzt gleich zwei hervorragende Longplayer auf den Markt, die genug Stoff bieten, um deinen Alltag für die nächsten Wochen in einen gottverdammten Prometheus-Trailer zu verwandeln. Kopfhörer aufsetzen, Windeln an und schon kann die Reise beginnen.ELLEN L. RIPLEY
THE LOCUSTMolecular Genetics From The Gold Standards Labs
Anti/Indigo
Verschiedene Locust-Alben untereinander zu vergleichen ist eine schwierige Herausforderung, ähnlich der Qual der Wahl zwischen einem Presslufthammer, einem Kampfpanzer und einer Kettensäge. Man möchte einfach alle haben. Und gerade jetzt, wo die ersten Grantler sich sorgen, dass den Extrem-Mathcore-Veteranen langsam graue Haare wachsen könnten, freut es uns besonders, dass in irgendeinem Folterkeller verloren geglaubtes Material aus der Prä-Epitaph-Phase aufgetaucht ist, dass sich in Sachen manischer Wut, Schizophrenie und roher Gewalt nicht hinter den regulären Releases zu verstecken braucht. Falls du also einen Einblick in das Oeuvre von ein paar geisteskranken Psychopathen erhalten möchtest, könntest du bedenkenlos mit dieser Platte anfangen. Oder mit irgendeiner ihrer anderen.HITMAN HARD
SCOTT KELLY ANDTHE ROAD HOME
The Forgiven Ghost In Me
Neurot Recordings/Cargo
Beginnt ein Album mit „I love you like a flower loves the sun“, dann rammt sich der Rezensent das Ding vermutlich gleich mit kotzverschmiertem Mund ins Stammhirn, um dem Schmerz ein Ende zu bereiten. Oder er hat es mit einem Künstler zu tun, der mit so viel Charisma und Enigma an die Sache geht, dass er jede Note und jedes Wort in erregtem Eifer in eine von Westerngitarren und Märtyrergesang untermalte Offenbarung transkribiert, die so schwarz ist wie die Sonne, die über dem Untergang aller Dinge scheinen wird. Die Welt ist verdammt und wird sterben, aber Scott Kelly wird uns erlösen.SALVADOR MYSCHKIN
VERSEBitter Clarity, Uncommon Grace
Bridge9
Klar, wir leben in anderen Zeiten. Alles ist schnelllebiger geworden. Dennoch: Wenn diese Band nach nur zwei Jahren Funkstille erklärt, sich jetzt wiedervereinigt zu haben (früher war es normal, dass zwischen regulären Bandproben zwei Jahre vergingen), dann muss das doch wohl triftige Gründe haben, die über die üblichen Comeback-Motive (Langeweile, Sozialversagertum) hinausgehen. Dann muss man doch die ganze beschissene Welt zwischen seinen neuen Songs zerquetschen wollen. Warum nun dieses Album unbedingt sein musste, kann ich mir nicht erklären, die hier verzeichnete Verzweiflung genügt bei Weitem nicht, das Jammertal da draußen zu ficken, sie ist wohl eher Resultat der Tatsache, dass des Sängers Töle mal wieder auf dessen Lieblings-Hoodie geschissen hat.MATTHIAS REIM
STINKING LIZAVETA7th Direction
Exile On Mainstream
Kosmischer Instro-Mayhem für alte Männer mit langen Bärten. Ebenso geeignet für junge Männer und Frauen. Hauptsache die Bärte sind wirklich lang, damit sie sich an dem Baumstumpf von Drum-Set vorbei, langsam um die astdicken Gitarren- und Bass-Hälse wickeln können, immer weiter wachsend, dem Himmel entgegen wie die Zauberbohne. Bis man auf der Wolkendecke landet mit dem Schloss, in dem Eimer und Besen auf den Zauberlehrling warten. Oder war das unten? Und warum spricht keiner über Neil Armstrongs Tod im Schatten der Mars-Landung? Dieses Album gibt Antworten.ERIK DENKANDICH
EFTERKLANGPiramida
4AD/Beggars Banquet
Als frühreife Multiinstrumentalisten Schrägstrich Wunderkinder, wie Efterklang es waren, ist es wenig überraschend, dass sie auch die Midlife-Crisis früher ereilt als andere. Während andere noch an den Nachwehen der Pubertät zu knabbern haben, sind die Dänen schon längst auf der Suche nach der großen Veränderung, dem Umbruch, der alles noch mal anders macht und sie in einem neuen, besseren Licht strahlen lässt. Viel zu oft gehen solche erzwungenen 180-Grad-Wendungen aber schief, und Efterklang, die einst die Vorzeigekinder in Sachen pathosgeschwängertem Breitwandpops waren, scheitern am Versuch, Jazz zu machen. Schade eigentlich.ABIGAIL FAIL
MOON DUOCircles
Souterrain Transmissions
Moon Duo haben bereits so viel Zeug vröffentlicht, dass wir deren stilistische Ausrichtung als bekannt voraussetzen. Für die—den billigen Kalauer werden wir uns nicht verkneifen—hinterm Mond Lebenden: Ihre den Highwaystandstreifen entlang schleichenden, Sonnenstich-betäubten Psychedelic Jams sind oft in zwei Akte aufgeteilt: Den ersten, in dem sie sich mit hocheingängigen Melodien an deine Hirnmembran kuscheln, und den zweiten, in dem sie über endlos scheinende Gitarrensoli ins ewige Reich der Monotonie abdriften. Dieses neue Album nun klingt so, als hätte sie jemand für einen Kindergeburtstag gebucht und als hätten sie sich, um die kleinen Scheißer mit ihrem ja doch recht irritierenden Konzept nicht zu überfordern, diese muntere Light-Variante ihres Sounds entworfen. Zugegeben, Luzifer höchstpersönlich zu diesem Sound zu rufen, ist nun kaum noch möglich, für eine zünftige Runde Topfschlagen gibt’s aber kaum was Besseres.SIDESHOW FLOP
TWO GALLANTSThe Bloom and the Blight
Fargo Records
Sorry, ich hab kurz nicht aufgepasst, aber sind wir eigentlich schon so weit, dass bei den Popkultur-Klugscheißern das Zeitalter des Neo-Grunge ausgerufen wurde? So als offizieller Begriff? Gibt es bei Saturn schon ein eigenes Regal dafür? Also die früher eher leisetretenden Two Gallants behaupten, sie hätten in letzter Zeit schwere Krisen durchlitten und man würde sich nun einfach ein bisschen durch die glühenden Verstärker-Schaltkreise hindurch erleichtern. Kann man ihnen glauben oder sind sie einfach nur ein paar mit allen Waters gewaschene Trend-Opfer, die auf den Support-Slot der nächsten BRMC-Tour scharf sind? Ich weiß, eigentlich müsste ich hier die Antwort liefern, aber ich bin gerade zu beschäftigt, Löcher in meine Hosen zu schneiden.EDDIE FETTARSCH
PETER BRODERICKThese Walls of Mine
Erased Tapes
Klingt erst mal wie eine dieser Folk-Entstaubungen, die sich Dank solcher Kniffe wie der weißbrotigen Auslegung von R’n’B-Harmonien und Beatboxing irgendwie sehr advanced vorkommen. Der Verdacht wird kaum entkräftet. Was man Broderick aber zugute halten muss: Die von ihm gewählten Themen führen diese lächerlich große Schwemme von Barden vor, die meinen, ihre Klampfen im Weltuntergangsgriff halten zu müssen, nur weil ihnen mal wieder irgendein Girl davon gelaufen ist. Dass ihre tranige Larmoyanz vielleicht der Grund sein könnte, darauf kommen sie natürlich nicht. Broderick jedenfalls entwirft Schmachtfetzen über Enten in Kopenhagen oder die entlaufene Katze seines Vaters und enttarnt damit auf sehr unterhaltsame und fast schon absurde Weise das Jammertal, das quer durch sein Genre führt.TOM PETTING
DIIVOshin
Captured Tracks
Auch wenn mir keiner glaubt, ich nehme meine journalistische Sorgfaltspflicht sehr ernst. In Fällen wie diesen frage ich mich aber langsam wirklich, ob mich irgendein Gericht der Welt dafür verurteilen würde, wenn ich an diese Stelle einfach eine meiner letzten Wild-Nothing-, Beach-Fossils-, Minks- oder Craft-Spells-Rezensionen copy-pasten würde, wenn dieses munteren Soundinzest treibende Captured Tracks Artistroster mit seiner Kunst eben ganz genau so verfährt. Vorausgesetzt, ich hätte solche geschrieben. Du weißt schon, es geht ums Prinzip.K. T. V.U.Z. NUTTENZWERG
V.A.Spirit of Talk Talk
Fierce Panda/Cargo
Jedes Jahrzehnt bringt Monster hervor, die als ewige Wiedergänger die Menschheit in regelmäßigen Abständen heimsuchen. Den 80ern verdanken wir nicht nur The Thing, Hellraiser und Re-Animator; Ende des Jahrzehnts nahmen auch Talk Talk in einem nicht enden wollenden, selbst quälerischen Prozess (Stichwort: Räucherstäbchen!) mit Spirit Of Eden ein Album auf, das fortan nicht mehr aus den Bestenlisten verschwinden sollte. 1991 taten sie es Hannibal Lecter gleich und rangen dem Elend final mit Laughing Stock neue Seiten ab. Heute ist das Monster viraler als je zuvor—das zeigen die 30 hier versammelten Interpretationen, und nur das.MOLLI SHARK

CULT OF YOUTHLove Will Prevail
Sacred Bones
Genug von separatistischem Geklampfe. Genug von vernebelten Weltbildern und billig provozierendem Code-Salat. Genug von den putzigen Geheimbünden und der Selbstbespiegelung einer Szene, deren kritikloses Gesicht jederzeit Douglas Pearce Pisse empfangen würde, als sei es Weihwasser. Genug von all dem Schrott, der Ergründung und Auseinandersetzung behauptet, aber nicht mehr ist als formaldoofes apokalyptisches Musikantenstadl. Genug von solchen Platten hier. Wären da nicht ein, zwei Nummern drauf, die wenigstens versuchen, selbst zu denken, dann gebe es für die CD längst zweckdienlichere Bestimmungen. Frisbeeturnier bei der nächsten Sonnenwendfeier, anyone?RICE BOYDTEL
DAN DEACONAmerica
Domino
Wham-City-Chef Dan Deacon wirkt auf den ersten Blick wie einer dieser liebenswerten Nerds, mit denen man sofort seine innersten Sorgen und Geheimnisse teilen möchte, in die man sich aber einfach nicht verlieben kann, weil sie immer eine Spur zu brav sind. Wer ihn so einschätzt, hat die Rechnung freilich ohne seinen neuen Synthie gemacht, der klingt, als ob man ein Megafon an eine Kreissäge hält, die gerade einen rostigen Stahlträger anfräst. Stell dir vor, dein liebster Nerd-Freund würde plötzlich mitten in einem tiefsinnigen Küchengespräch eine Fliegenklatsche auspacken und dir unvermittelt ein paar Ohrfeigen verpassen, nur um anschließend mit sanfter Stimme mitzuteilen, dass er genau versteht, wie du dich gerade fühlst. Eben einfach zum Verlieben.ALICE GRÜNER
AMANDA PALMER AND THE GRAND THEFT ORCHESTRATheatre Is Evil
Cooking Vinyl/Indigo
Es gibt mindestens drei Dinge, die ich an Amanda Palmer nie verstanden habe: Warum sie tätowierte Augenbrauen hat, warum sie statt Tampons Naturschwämme verwendet, und was zum Teufel an ihr so toll sein soll, dass Neil Gaiman verrückt nach ihr ist. Ihre neue Platte hilft mir beim Beantworten dieser Fragen leider auch nicht weiter. Die Gute gibt sich weiterhin als überemanzipierte, großschnäuzige Theaterrockdiva mit dem Einschüchterungspotenzial einer Marzahner Ghettogöre, die eigentlich nur dann einigermaßen spannend wird, wenn sie ihre Kratzbürstigkeit mal für zwei Minuten beiseite legt.BERLIN BARBIE
ÅRABROTMæsscr
Fysisk Format
Die vermeintliche (Black) Metal-Band aus Norwegen soll ihren Namen einer örtlichen Müllhalde mit einem naheliegenden Heim für schwer erziehbare Jugendliche entliehen haben. Mit (Black) Metal verbindet die beiden Rest-Mitglieder ungefähr so viel wie Lady Gaga mit Gism: im Subtext und/oder Detail dann doch mehr als man denkt. Årabrot galten auch mal als Vorhut einer neuen, norwegischen Welle von Noise-Rock. Hier verschrecken sie mit drei Interpretationen von zwei Songs aus dem Liederbuch des schwulen Okkult-Faschos Douglas P., lassen mit „Poor Man” Lee Hazleood einen guten Mann sein und werfen noch zwei mürrische eigene Songs in den mulchigen Mix.APPROVED BY VAN HELSING
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