
DADUB

DOLDRUMS

DIE NERVEN

PATRICK RICHARDT
HAFTBEFEHLBlockplatin
Azzlacks/Groove Attack
Man weiß gar nicht, worüber man sich mehr amüsieren soll: Über Haftis immer wieder haarsträubende Punchlines („… ich fick von dir fünf Mütter“) oder über die Empörung gealterter Qualitätsrapexperten, die jetzt mal wieder den Untergang ihrer Leitkultur herbeischwafeln, weil sie Realness offenbar nur in homöopathischen Dosen vertragen. Du meinst, bis hierhin war alles gut, aber jetzt ist die Jugend WIRKLICH am verblöden? Sicher, das wird es sein. Frag doch mal eine deiner Mütter, ob ihr dieses Denkschema vertraut vorkommt. Aber vielleicht schaust du vorher lieber noch mal nach, ob sich auch kein Azzlack in ihrem Schlafzimmerschrank versteckt.WASLOS MARTIN
A$AP ROCKYLong. Live. A$AP
RCA Records
Schwer zu erklären, was diesen Typen und seine Musik so faszinierend macht. Er hat viel zu oft nichts zu erzählen; wie er nichts erzählt, ist ebenfalls selten aufregend—er ist so was wie die Chloë Sevigny des Hypebeast-Raps. Zeremonienmeister der Oberflächlichkeit, behände den Nerv der Zeit wankend und ununterbrochen mit irgendwelchen Coping-Strategien beschäftigt, die der ganzen Sache eine kaum zu greifende Deepness verleihen. Man ist da erst mal von den Socken, aber lass uns noch mal in fünf Jahren darüber sprechen, was wir damals an diesem Homie mit dem Dollarzeichen im Namen fanden. Mitunter dürfte sich der Hype sogar noch viel schneller selber fressen. Heruntergepitchtes Fill-in-Gestöhne wirkt bereits jetzt bei Veröffentlichung so was von 2011.GUCCI GOBLIN
SIN COS TANs/t
Solina Records
Diese neue Synthiebruderschaft aus Jori Hulkkonen und Villa Nahs Juho Paalosmaa spielte vor gerade mal einer Woche auf dem Eurosonic einen ihrer ersten Auftritte. Letzterer gab den von Amor waidwund geschossenen Holzhammerromantiker und erinnerte optisch an eine Kreuzung aus einem anämischen Oliver Pocher des Cyber-Goth und Teasy aus Formel Eins. Hulkkonen verrichtete derweil unauffällig seine Arbeit an den Tasten. Sah ein bisschen so aus, als sei ein überambitionierter Mime vom Dorftheater direkt in ein IT-Seminar gebeamt worden. Das Ganze setzt sich auf dem Album fort. Hulkkonens Synth-Grundierung zieht sämtliche Register des Understatements, während der Kollege heulend die Pathoskeule schwingt. Alles in allem: A touch too much (or two).SINUSCOSINUSTINNITUS
DADUBYou Are Eternity
label?
Ein Blick auf die Tracklist dieser Granitwand von einem Album setzt uns umgehend ins richtige Bild: „Truth“, „Life“, „Death“, „Path“, „Existence“ (usw.)—durchatmen, es müsste schon mit dem Teufel, also Tiësto, zugehen, wenn man hier von funny Techhouse belästigt wird. Überhaupt: Wenn wir von jemandem die Abwesenheit des Banalen in gleichermaßen übermächtige wie auch mikroskopisch Sound-forschende Dub-Techno-Massive übersetzt wissen wollen, dann doch von diesen zwangsläufig in Berlin gelandeten Exil-Römern. Nur so nebenbei: Als mich Musik das letzte Mal zum Heulen brachte, wurde ich von Amenras auf sämtliche Daseinsgründe gehenden Live-Show weich geprügelt. Dieses Album laut unter Kopfhörern hat den gleichen Effekt, jedoch mit einer unbezwingbaren Dauerlatte als nicht unwillkommener Nebenwirkung.PFIZER MINELLI
SALLY SHAPIROSomewhere Else
Paper Bag Records
Wenn Sally Shapiro etwas Neues veröffentlichen, dann ist das so, wie wenn Sibylle Berg irgendwo einen ihrer Seufzer hinterlässt—so sehr man sich anstrengt, man kann es nicht Scheiße finden. Auch hier immer noch die strukturelle Totalverweigerung: keine Konzerte, keine Öffentlichkeit, keine Anbiederung. Wenn einem der eigene Stoff so teuer ist, dass man ihn keinesfalls der seelenfressenden Verwertungshölle überlassen will, dann hat man schnell das Image des real deals weg und natürlich auch das, eigentlich in die Klapse zu gehören. Sally Shapiros zart perlende und modernisierte Auslegung von Italo Disco ist da fast noch wahnsinniger als früher. Auf Somewhere Else ziehen sie diesen Vorhang noch etwas weiter auf, hinter dem die traurigste aller Schönheiten wohnt.THE CUTE SHOW OFF
JAMIE LIDELLs/t
Warp
Jamie Lidell auf dem Egotrip. Sein neues, wer hätte es gedacht—selbst betiteltes Album kommt komplett ohne Feature-Gäste aus, wurde allein von ihm geschrieben, gespielt, eingesungen, gebeatboxt, aufgenommen und produziert. Kann sein, dass er es mal seiner Mutti vorgespielt hat, aber sonst—kein Korrektiv, keine zweite Meinung. Wie bei allen großen Alleingängen der jüngeren Geschichte (Großbritanniens Haltung zur EU, Obamas Durchsetzung von Waffenverboten, Frankreichs Militäreinsatz in Mali, der Typ, der mit einer Red-Bull-Dose aus dem All gesprungen ist) war natürlich auch hier das Risiko des Scheiterns in Kauf zu nehmen. Nach eingehender Prüfung dieses in jeder Unterdisziplin moderner Funkmusik beheimateten Husarenstücks kann man sagen: Es ist gut gegangen.STEER PEINBRÜCK
KARL BARTOSAtomium
Bureau B/Indigo
Wie erbärmlich ein Musikerleben sein muss, gefangen in der selbst geschaffenen Ödnis der ewig gleichen Presets, Samples und Sound-Bänke, das beweist Ralf Hütter, der alleinige Nachlassverwalter von Kraftwerk mit jedem Melken des Mythos; spätestens seit Florian Scheiders Ausscheiden oder dem Expo-Jingle dürfte das auch den Letzten klar sein. Für alle, die nun aber denken, es könnte nicht mehr erbärmlicher werden, hat eine von den alten Schaufensterpuppen mit den gelackten Haaren, Karl Batos, seiner glücklosen Biografie ein weiteres Album hinzugefügt, das die aktuellen Kraftwerk nahezu experimentell erscheinen lässt. Es macht noch nicht mal Spaß, den Kitsch entlarven zu wollen.LIBER ACE
LUSINEThe Waiting Room
Ghostly International
Sorry, wenn ich nicht erwartungsvoll die Fäustchen vorm Mund zusammenlege und große Augen mache, sobald der Name Lusine fällt. Das Material des Jeff McIlwain hat bislang eigentlich immer weniger den Blutdruck angekurbelt als das, was manch ein Remix-Sklave daraus gemacht hat. So ist es nun auch bei diesem Album. Wenn man zwischen Feuilletongeplucker und Flooragenda allzu tranig in der Mitte gluckt, muss man eben solange warten, bis mal jemand das Ruder rumreißt. Wohin, ist erst mal egal, Hauptsache raus aus der gemäßigten Einschlafzone.SLEEPER IN NEUTROPOLIS
JOHN FOXX AND THE MATHSEvidence
Metamatic Records
Und schon wieder haben sich Wave-Senior Foxx und Synth-Messi Benge in ihrem Nerdkeller eingeschlossen und erst dann wieder der Tageslichtfolter ausgesetzt, als sie einen weiteren Zyklus entsprechend heruntergedimmter retro-futuristischer Modularsynth-Hymnen im Kasten hatten. Im Prinzip ist das hier Protokoll eines Generationenaustauschs. Bei gefeaturten Newbies wie The Soft Moon, Xeno & Oaklander, Matthew Dear oder Gazelle Twin dürfte wohl einiges aufgeregtes Pipi in die Hosen getropft sein, bevor Beiträge über die Studioschwelle gingen, die ohne das karrierefördernde Studium von Foxxens Backkatalog ganz sicher anders geklungen hätten. Klingt kompliziert und nach Cold-Wave-Spill-Over oder so. Tatsächlich klingt das Ergebnis alles andere als das, nämlich nach einem weiteren grandios aus der Zeit gefallenen Lehrstück analogen Tastenzaubers.SYNTHIE AUS MARZAHN
IGORRRHallelujah
Ad Noiseam
Der Sack dieses Irren hier ist so groß, da passen all die Gothmetal-Heulsusen und Brobstep-Luschen rein, die in ihrem Oeuvre die „Liebe zur klassischen Musik verarbeiten“. Sein neues Album wiederum ist das geeignete Werkzeug, um nicht nur die eigenen Klöten fröhlich durchzubläuen. In seinen gemäßigten Momenten klingt Hallelujah so, als würde Skrillex in einem SAW-Sequel mit einer Schienenschleifmaschine gefoltert, während ein Zufallsgenerator die Frequenz an einem übersteuerten Transistorradio ändert. Die restliche Zeit erinnert dann einfach nur noch an den cut-up-bombardierten Mentalamok eines dissoziativ gestörten Metalheads. Die auf diesem Album skizzierte Welt, in der Opern- und Schlachthäuser in dieselben Trümmerhaufen fallen, betritt man besser nur, wenn man schon mal vorher ein Igorrr-Schlachtfest überlebt hat.SUSI SEIFENBLASE
POMBAGIRAMaleficia Lamiah
Black Axis
In fünf Jahren hat es die „neue“ Band von Peter Giles, ehedem Bassist bei Unseen Terror und Azagthoth, auf fünf Alben und einer Split mit Eagle Twin gebracht. In ihrer Verwaschenheit historische Tiefstmarken unterschreitende Waschzettel und eine mit Filzstift ungelenk beschriftete CD mit zwei grob 20-minütigen Tracks—nicht ohne den Hinweis, dass die Vinylversion die doppelte Spieldauer und drei Bonustracks bietet—machen uns unmissver-ständlich klar: Die munter daddelnde Post-Psych-Band pfeift auch weiterhin auf Breitenwirksamkeit. Entsprechend klingt das Album, als hätten es Pombagira bei den Molemen in einem Gewölbe voller Gewölle aufgenommen mit dem Sänger ganz hinten in der Ecke, von Wolldecken überhäuft …WOLLI BULLY
MIKROKOSMOS23Alles lebt. Alles bleibt.
Unter Schafen/Alive
In letzter Zeit begegnen mir ständig irgendwelche Experten, die offenbar eine genaue Vorstellung davon haben, welche Musik einem VICE-Autoren so gefällt. Keine Ahnung, woher die das so genau wissen, wo ich selbst doch meistens fünf Minuten vor Redaktionsschluss noch völlig ahnungslos bin, was ich von der neusten Teenage-Angst-Combo aus Buxtehude zu halten habe. Kleiner Tipp für die Labels: Pubertätsphilosophischer Kuschelpunk gefällt mir vor allem dann, wenn der Promo-CD noch ein Bündel Geldscheine beigelegt ist. Dann kann es natürlich immer noch passieren, dass die ollen Koksnasen aus der Anzeigenabteilung mal wieder „vergessen“ mir die Kohle weiterzuleiten. Das sind höhere Umstände, sorry.PABLO ESCOBAR
ICEAGEYou’re Nothing
Matador
Dieses Album zu veröffentlichen, ist das Beste, was Iceage machen konnten. Es kommt noch rechtzeitig, bevor die aus der Rock-’n’-Roll-Geschichte hinlänglich bekannten Störfaktoren (Majordeal, Alter, musikalischer Anspruch, plötzliches Ableben) größeren Schaden anrichten können. Es ist trotz all der geübten Posen die glaubwürdigste Verwirklichung von konsensfähiger Teen-Angst, die seit Jahren zu hören war. Es ist das, was das Debüt auch schon war, nur mit richtigen Liedern. Gut, dass man ohne das billige Skandal-Einmaleins mit Runensymbolik, NSBM-Fashion und sonstigem Provokations-Klimbim der Unantastbarkeit noch einen Schritt nähergekommen wäre, werden sie erkennen, wenn sie groß sind. Letztendlich gehört es hier zum hitzköpfigen Drücken der roten Knöpfe, wie so vieles, was dieses Album zum Besten macht, das Iceage zu diesem Zeitpunkt abliefern konnten.PAPA SCHLUMPF
DIE NERVENFluidum
This Charming Man/Cargo
Dafür, dass Die Nerven offensichtlich ziemlich schlecht mit ihrem Leben zurechtkommen, sind sie verdammt von sich überzeugt. Das könnte man zwar auch von den meisten Praktikanten behaupten, die sich hier vorstellen, aber im Gegensatz zu diesen haben Die Nerven die eigene Widersprüchlichkeit zu einem kohärenten Programm ausgearbeitet. Und sie sind ja auch nicht in erster Linie angetreten, um mir Kaffee zu kochen, sondern um der eingedösten deutschen Noisepunk-Szene einen saftigen Rotzklumpen vor die Füße zu spucken. Dass die jüngste Spex die Platte nur jenen Hörern empfiehlt, „die sich in ihrer Depression gerne ein bisschen zu ernst nehmen“, lässt im Übrigen nur den Umkehrschluss zu, dass die dortige Redaktion beschlossen hat, sich in ihrer eigenen Dauerdepression zukünftig nicht mehr ernst zu nehmen. Glückwunsch zu dieser überfälligen Entscheidung. Wer hingegen doch noch ein paar echte Probleme im Leben hat, findet in Fluidum einen Anlass, diese mal wieder ordentlich abzufeiern.DR. WINTER
INDIANSSomewhere Else
4AD
Allen, die immer noch nicht übersättigt sind von endlosen Melancholieanfällen hochsensibler Skandinavier und/oder naturverbundener Lagerfeueratmosphäre, können sich mit dem Debüt des Dänen Soren Lokke Jull auf eine weitere sehnsuchtsvolle bis wehleidige Medikation ihrer Ängste und unerfüllbaren Zukunftswünsche freuen. Das klingt dann fast durchgängig wie ein neues Shins-Album, aber Neuartigkeit hat ja bei emotionalem Dreampop pseudo-verkopfter Wunderkinder eh noch nie eine große Rolle gespielt.ANDREW LARGEMAN
ESBEN AND THE WITCHWash the Sins Not Only
the Face
Matador
Esben, Witch, es tut mir echt leid. Aber ihr könnt euer Album leider nicht Wash the Sins Not Only the Face nennen. Zum einen, weil es einfach keinen Sinn ergibt. Zum anderen, weil ihr damit euer Image, verzweifelt ernsthaftes Zeug für verzweifelt ernsthafte Musikjournalisten zu veröffentlichen, nie wieder loswerdet. Und was die Musik angeht, da solltet ihr auch noch mal drüber nachdenken. Großer Fehler. Ganz ehrlich, Scheiß auf den Albumtitel, bei den Songs ist es echt nicht zu überhören, dass ihr mit dieser Band-Sache nichts anfangen könnt und ihr jede Kritik mit eurer halb-gruftigen Apathie einfach weglangweilt.MILLIE PRABHAKAR
PVTHomosapien
Felte/Rough Trade
Geschrieben wurden die Songs für Homosapien in erster Linie im Londoner Barbican, jenem atemberaubenden brutalistischen Wohnkomplex, in dem ein Ein-Zimmer-Apartment zweieinhalbtausend verfluchte Pfund Miete kostet. Für die eigentliche Aufnahmesession haben sich PVT dann aber in ein Landhaus in den australischen Outbacks zurückgezogen, um mal so richtig ihre Ruhe zu haben. Wie soll sich ein Rezensent, der bei Minusgraden und kaputter Heizung an einem versifften WG-Küchentisch sitzt, und dessen Reisebudget sich auf eine AB-Einzelfahrt beschränkt, dazu eigentlich noch großartig verhalten? Die geradezu grönemeyereske Poetik des Albumtitels ist da nur der letzte Sargnagel für jeden Versuch einer objektiven Auseinandersetzung. Gute Platte? Vielleicht. Gute Wertung? Vergiss es.PIGGY BACKASS
DUCK TAILSThe Flower Lane
Domino
Matt Mondanile, der sich normalerweise als Gitarrist bei Real Estate verdingt, hat mal wieder eine Menge Ideen gesammelt, die seine Bandmitglieder offenbar zu schlapp fanden, um daraus neue Songs zu machen. Zeit also für eine weitere Soloplatte. Im Vergleich zum Mutterschiff wirken die Stücke auf The Flower Lane dann auch einen Hauch ruhiger und plätschernder, und manch einer wird sich jetzt nicht ganz zu Unrecht fragen, wie denn das bitte überhaupt möglich sein soll. Es ist, als hätte Ariel Pink sein gesamtes Xanax an Erlend Oye verschenkt. Sicher gut gemeint, aber keine hundertprozentig gelungene Aktion. Ich könnte mir auch vorstellen, dass diese Platte im Sommer besser funktioniert, aber was soll ich sagen, das letzte Mal als ich aus dem Fenster gekuckt habe, sind mir fast die Pupillen zugefroren.MARSH MELLOW MAN
WIDOWSPEAKAlmanac
Captured Tracks
Die Sängerin dieser Band tat bislang ihr Möglichstes, um als die lang verloren geglaubte Zwillingsschwester von Hope Sandoval zu gelten. Ihr rüschenblusiger Vokalsamt ist auf jeden Fall mindestens genauso flauschig. Da man aber im Schatten einer Referenzgröße früher oder später verkümmern muss, sogar dann, wenn dieser von einem Dreikäsehoch wie Hope Sandoval in die Landschaft gelegt wird, profiliert man sich doch besser mit einem zweiten Album aus den ewigen Vergleichen heraus. Mit dem Opener dieses neuen Werks geht das noch umweglos in die Hose, bis zum Ende wurde aber oft genug außerhalb trüber Shoegaze-Tümpel gefischt, um das hier eine gelungene Entwicklung nennen zu dürfen.SCHORSCHI SCHUHGAS
PANTHA DU PRINCE & THE BELL LABORATORYElements of Light
Rough Trade/Beggars Group/Indigo
„Elements of Light wurde im Wesentlichen um ein einziges Instrument herumgebaut. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn ich glaube nicht, dass Hendrik Weber den tonnenschweren Glockenturm, der eigens mit dem Frachter aus Dänemark angekarrt wurde, die Treppen zu seinem Berliner Tonstudio hochgetragen hat. Aber solche rein logistischen Problemchen sind natürlich Peanuts für jemanden, der in geheimer Mission unterwegs ist, um die Formensprache von Techno gleichzeitig in die Zukunft und zu ihren sakralen Ursprüngen zurückzuführen. Das Resultat ist eine innige Symbiose von Organizität und Technologie, wie ich sie in dieser Erhabenheit das letzte Mal verspürte, als ich mir bei Pro7 die lange Terminator-Nacht auf Acid angesehen habe.JOHN CONNOR
DOLDRUMSLesser Evil
Souterrain Transmissions
Es werden in nächster Zeit viele Leute versuchen, dir einzureden, dass das hier der neue Scheiß ist. Du solltest ihnen in erster Linie nicht glauben, und zweitens interessehalber nachfragen, warum sie das eigentlich denken, um sich danach wenigstens über ihre Antwort lustig machen zu können. Denn Doldrums ist einfach nur ein Haufen zusammengequirlter Elektropop-Scheiße mit Tumblr-Ästhetik und erheblichen Mängeln im Technikverständnis, denen man mal ordentlich die Leviten lesen und gründlich erklären sollte, dass ein bisschen schrottiges Macbook-Geklimper noch lange keine Band macht.MIEZE KOTZE
TUSQHailuoto
Strange Ways Records/Indigo
Es könnte alles so einfach sein. Bands müssten nur ein wenig danach klingen, als hätten sie gute Ideen und Bock, dazu vielleicht noch ein bißchen Trinkfestigkeit und Timing. Dann müssten sie noch den Quatsch mit dem Geldverdienen vergessen und bei Interviews eben nicht ihren Promozettel runterbeten, sondern über Neugierde und Durchhaltevermögen sprechen, über Sex und Wahnsinn, Tod und Teufel oder meinetwegen auch über ihren Einkaufszettel. Kurz: Knackigkeit. Und schwups, schon läuft das mit der guten Rezension hier im Fachblatt für Neugierde und Durchhaltevermögen. Und es wurde nicht ein einziges Mal Finnland, Hamburg/Berlin oder U2 erwähnt!HEIL OTTO
PATRICK RICHARDTSo, wie nach Kriegen
Grand Hotel van Cleef
Du musst dir das folgendermaßen vorstellen: Wenn Gisbert zu Knyphausen Songs schreibt, kommen da—je nach Tagesform—nicht immer welche raus, die verkopft und interessant und gänsehauterzeugend und gut genug sind, um direkt veröffentlicht zu werden. Vor allem an sonnigen Tagen werden es eher melancholisch gemeinte als melancholische Songs. Diese Songs schiebt er auf seiner Festplatte in einen freigegebenen Dropbox-Ordner, auf den jeder, aber auch jeder, also auch fragwürdige Gestalten wie Tim Bendzko und Philipp Poisel Zugriff haben, so ein Public-Domain-/Freeware-Ding gewissermaßen. Ein junger, lässig aussehender und Biotabak-rauchender Typ namens Patrick Richardt hat jetzt kürzlich das Kennwort von Bendzko gehackt und mit den Songs, die er da gefunden hat, ein Album veröffentlicht. Was ja genau genommen gar nicht die allerschlechteste Taktik ist. Eine besonders gute allerdings auch nicht.WIR HEGELN

PERE UBULady From Shanghai
Fire/Cargo
Schlappe 35 Jahre nach ihrem Debüt-Album The Modern Dance machen der charismatische Wahnsinnige David Thomas und seine Mitstreiter ernst mit dem Tanzen. Schrieb ich Ernst? Unheiliger! Möchten wir uns vorstellen, was alles passiert, wenn ein in Cleveland, Ohio, geborenes, von absurdem Theater und Dada inspiriertes Gebinde unterschiedlichster Künstlerseelen den Dancefloor in den Fokus nimmt und sich dabei z. B. an Anita Wards Disco-Hymne für kleine Mädchen, „Ring My Bell“ vergreift? Und wenn wir es uns nicht nur vorgestellt, sondern das schillernde Ergebnis auch noch gebührend abgefeiert haben, werden wir uns dann noch mal mit derselben Unschuld auf die schmierige Tanzfläche wagen? You bet!DOKTOR KNOW
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