Royal Bangs auf Studien- und Pöbelreise

Man könnte denken, dass die dreitausendste Band, die Indie mit elektronischen Elementen mischt, vielleicht ein bisschen langweilig sein könnte. Bei zweitausendneunhundertneunundneunzig Bands ist das auch so, in diesem Fall aber merkwürdigerweise nicht. Wir haben uns mit den Royal Bangs vor ihrem Konzert getroffen und uns über moderne Kunst und Kettensägen unterhalten.

Vice: Ihr seid gerade auf einer endlos langen Tour. Was ist bislang so passiert?

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Chris: Einmal hat uns so ein Typ nach einer Show einen Schlafplatz angeboten, aber in dem Haus war alles total bizarr. Es gab keine Möbel und überall waren Haufen von Zeugs verteilt. Und zwar ziemlich abgefahrenes Zeug, Berge von militanter zionistischer Literatur, die Wände hingen voll mit Werkzeugen und Motorsägen und solchen Ninja Wurfsternen und dann waren auch noch überall selbstgemachte Pornos. Auf dem Boden sah es so aus, als hätte man ganz viele Handtaschen einfach ausgekippt, Führerscheine, Ausweise, alles Mögliche. Wir haben den Typ also gefragt was mit seinen Möbeln ist, worauf er dann sagte, dass er gar nicht da wohnt, sondern das Haus irgendeinem Bekannten von ihm gehört. Und dann ist er weg und hat uns viel Spaß gewünscht und er meinte, dass wir uns was mitnehmen können, wenn uns was gefällt.

Und dann habt ihr da geschlafen?

Chris: Klar, wir haben auch alles ganz genau angeschaut. Die selbstgemachten Pornos waren am besten, der Typ der da drauf war, war total eklig. Er sah so aus wie Axl Rose und hatte so dünne verfilzte Haare und einen ganz komischen Schwanz. Dann hat sich irgendwann rausgestellt, dass das Zeug aus einem Gefängniss geschickt worden war. Die Briefe waren total schlecht geschrieben: „Ich vermisse jeden Teil von dir! Sogar deinen Arsch! Ich kann nicht abwarten Sex mit dir zu haben!” Und so ein Zeug.

Ryan: In Hollywood hatten wir eine Schlägerei.

Brandon: Es war keine Schlägerei, ich wurde ins Gesicht getreten. Ich war bei Freunden von mir und die mussten weg und ich war allein in der Wohnung mit dem Bruder von einem der Leute, und der war ein totales Arschloch. Er hat die ganze Zeit versucht mich zu provozieren. Er hat sich total was drauf eingebildet, dass er in L.A. wohnt, während wir aus Tennessee sind.

Chris: Es ist ja schon total bescheuert, wenn sich jemand was drauf einbildet, in einer bestimmten Stadt zu wohnen, und deshalb denkt er ist was Besseres. Du bist ein Arschloch in L.A. und du bist ein Arschloch in Knoxville. Arschlöcher können umziehen.

Brandon: Dann hat er mich gefragt, ob ich glauben würde ich wäre besser als er, weil ich in einer Band wäre, worauf ich geantwortet habe, dass ich denke ich wäre besser als er, weil ich nicht er bin. Dann hat er mich gefragt wo ich her komme. Ich habe geantwortet aus dem verdammten Arsch deiner verfickten Mutter, aber bevor ich den Satz zu Ende sprechen konnte, hat er mich schon eine Treppe runter getreten. Aber ich habe noch versucht eine Champagnerflasche auf ihn zu werfen.

Interessiert ihr euch auch noch für andere Arten von Kunst, außer Musik?

Ryan: Ja, klar. Jedes Mal, wenn wir mal Zeit haben gehen wir eigentlich in die Museen, die es in der Stadt gibt, in der wir gerade sind. Kunst hilft mir eigentlich meistens mehr als andere Musik oder Filme oder so. Ich finde die ganz modernen Sachen einfach am besten, vor allem wenn es was ist, das vorher noch nie da gewesen ist und das du auch noch nie vorher gedacht hast.

Also eher moderne als klassische Sachen?

Ryan: Ja, also bei klassischen Sachen weiß ich einfach zu wenig. Es ist ein bisschen wie mit Politik, obwohl ich daran interessiert bin, habe ich immer das Gefühl, dass ich zu wenig weiß und irgendwie nicht meine Hausaufgaben gemacht habe was das angeht. Mann muss dafür einfach besser informiert sein, um eine richtige Meinung zu haben.

Ist wahrscheinlich auch schwierig, wenn man immer unterwegs ist.

Ryan: Ja, man ist in einem unendlichen Tunnel. Ich versuche eigentlich auch immer zu lesen aber dann verliere ich die Bücher immer. Ich hatte mir extra ein Buch von David Sedaris mitgenommen, aber das habe ich in München liegen lassen.

Ok, ich wollte eigentlich sowieso fragen, was du gerade liest.

Ryan: Ja, das lese ich theoretisch. Aber jetzt habe ich was anderes angefangen, es ist eine Anthologie die Dave Eggers rausgebracht hat The Best American Nonrequired Reading 2009. Das sind alles Kurzgeschichten.

Er hat ja auch das Buch für Where the Wild Things Are geschrieben.

Ryan: Das ist ein cooler Film. Ich fand es großartig, dass er so merkwürdig war.  Es ist auch kein normaler Kinderfilm geworden. Aber das Buch war ja schon so. Ich habe auch gelesen, dass Maurice Sendak den Film sehr cool findet.

In der Film Issue war ein Interview mit Spike Jonze und er sagte, dass Sendak schon mehrmals versucht hatte es verfilmen zu lassen.

Ryan: Vermutlich konnte man sowas früher auch noch nicht verwirklichen.

Ja, das stimmt wahrscheinlich. Es ist interessant, dass ihr aus Knoxville kommt, das ist ja musikalisch eine sehr spezielle Region. Aber eigentlich hört man davon gar nichts in eurer Musik.

Chris: Ja, alle versuchen immer Einflüsse aus dem Süden zu finden, weil wir aus Tennessee kommen. Aber wir wollten eigentlich immer nur da raus. Nichts gegen die Leute, die sind cool, aber so einen richtigen Einfluss gibt es eigentlich nicht.

Royal Bangs Let it Beep ist bei Cooperative Music erschienen.

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