A Taste of Vienna from FilmSpektakel on Vimeo.
Momentan wird unsere Hauptstadt wieder von allen Seiten in den Himmel und zurück gelobt: International deshalb, weil Wien auch dieses Jahr wieder das Mercer-Ranking der Städte mit der höchsten Lebensqualität anführt, und national deshalb, weil erst kürzlich ein Video veröffentlicht wurde, das Wiens beliebteste Touristenattraktionen im Zeitraffer zeigt.
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Dahinter stecken die zwei Jungs von FilmSpektakel. Bereits im April 2015 wurde eines ihrer Videos—„A Taste of Austria”—von Heinz-Christian Strache auf Facebook geteilt. FilmSpektakel distanzierten sich öffentlich davon und fühlten ihr Video als „missbraucht”, wie sie damals gegenüber VICE erklärten. Die selben Typen haben übrigens auch schon ein sehr schöns House of Cards-Intro mit Wien als Kulisse nachgedreht.
Jetzt ist Zeitraffer in einer Großstadt grundsätzlich schon mal super. Man könnte die Spice Girls reinstellen und es wäre das „2 Become 1“-Video. Außerdem wirkt das immer ein bisschen so wie diese TV-Postkarten, die beim Song Contest vor den Auftritten gezeigt werden, um das jeweilige Land vorzustellen. Da sieht dann jede Hauptstadt der Welt plötzlich aus wie Hogwarts.
Das Problem mit dem Wien-Video ist nur, dass die Aufnahmen zwar imposant, aber trotzdem irgendwie so wirken, als hätte jemand „Vienna Wallpaper” bei Google eingegeben und die gefundenen Fotos mit ein paar Lichteffekten animiert. Jeder kennt diese prunkvolle Seite der Stadt—sie ist das, was wir damals auf der Wien-Woche in der Oberstufe kennen und lieben gelernt haben und sie ist der Grund dafür, warum Touristen glauben, hier würden alle den ganzen Tag Walzer tanzen und Dinge wie „Gnädige Frau” sagen.
Auch The Guardian hat schon darüber berichtet, dass Wien mal wieder die Spitze der Lebensqualität für sich beansprucht hat. Um das zu untermauern, wurde stellvertretend für die gesamte Wiener Bevölkerung eine Frau zu ihrer Wohnsituation befragt. Laut eigenen Angaben bewohnt sie eine 100m2-Altbau-Wohnung 20 Gehminuten vom Zentrum entfernt um monatlich 800 Euro. Man will dieser Frau eigentlich nur herzlich zu dieser Wohnung gratulieren und außerdem fragen, ob sie vielleicht noch einen Mitbewohner sucht.
Das Ranking in Kombination mit dem „A Taste of Vienna”-Video bewirkt vor allem eines: Nie war es einfacher, Wien zu lieben. Diese digitale Selbstbeweihräucherung tut uns irgendwie gut, obwohl die Kitsch-Bilder von Staatsoper und Stephansdom immer ein bisschen zu sehr nach Pensionisten-Paradies aussehen. Vielleicht sollten wir uns ab und zu daran erinnern, was der andere, der echte Taste of Vienna ist. Wien schmeckt eben nicht immer nur nach Kukident und Gelenksalbe.
Wien schmeckt nach Mut. Wien schmeckt nach Hoffnung. Wien schmeckt nach Zuckerwatte. Wien schmeckt nach Sex. Wien schmeckt nach Gras. Wien schmeckt nach Pfefferspray. Wien schmeckt nach Gulasch. Wien schmeckt nach Party. Wien schmeckt nach Ampelpärchen. Wien schmeckt nach Hilfe. Wien schmeckt nach Leberkäse. Wien schmeckt nacht Spritzwein. Wien schmeckt nach Liebe.
Dass Wien die lebenswerteste Stadt der Welt ist, ist großartig. Und dass ein derartig beeindruckendes Video das auch noch visualisiert, ist noch besser. Doch das, was diese Stadt so lebenswert macht, sind letzten Endes nicht die verträumte Postkarten-Optik und das Dinner mit Blick auf die Skyline—sondern wir alle.
Franz auf Twitter: @FranzLicht
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