Vice Reviews – Inland Empire

Die New York Times Review von David Lynchs neuem Film ist ein ziemlich aufgeblasenes, blühendes Elaborat. In einer Sache liegt er jedoch unverkennbar richtig, und zwar in diesem kleinen Teil Ende in dem aufgelistet wird, warum Kinder den Film nicht sehen sollten, (teilweise weibliche Nacktheit, blutige Gewalt) zitiert er auch die Wahrnehmung der „allgegenwärtigen Bedrohung” des Films. Das ist so ziemlich perfekt ausgedrückt. Inland Empire ist drei Stunden lang allgegenwärtige Bedrohung…

Für diesen Film hat Lynch die verträumten Teile von Eraserhead, die Schwarze Hütte Sequenzen von Twin Peaks und den furchterregenden zweiten Teil von Mulholland Drive
als Vorlage genommen und sie zehnfach multipliziert. Als nächstes hat
er jeglichen minimalsten Hinweis auf Handlung, Ort, Zeit und Motiv
entfernt.

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Es gibt einen utilitaristischen Aufbau, der eine Schauspielerin
(gespielt von Laura Dern, die einen Oscar für diese Rolle kriegen
sollte, aber ihn nie bekommen wird) einbindet. Sie wurde für einen Film
gecastet, der wie sie schon bald erfahren wird, der Remake eines
verfluchten Polnischen Films ist, der auf irgendeine altertümliche
Volkssage basiert. Die zwei Hauptdarsteller der originalen,
unverfilmten Version wurden umgebracht. Ihr Co-Darsteller in dem Remake
wird von Justin Theroux gespielt, ihr Regisseur von Jeremy Irons und
seine rechte Hand von Harry Dean Stanton. Checkt Ihr das? Es ist auch
irgendwie egal, da man diese Typen gerade mal für 1/100 der
Filmspielzeit sieht. Der Hauptteil dieses Filmes wird Dern und Lynch
gewidmet, die ziemlich eng miteinander gearbeitet haben, mehr als nur
Regisseur und Hauptdarstellerin.

Also, der Film wird unvermeidlicher Weise gebrochen, als der
Film-im-Film der richtige Film wird, oder Dern die Rolle ihrer Rolle
wird, oder die Rolle ihrer Rolle sie wird, oder sie unter einem
psychotischen Riss leidet, oder das Universum sich selber umkrempelt.
Was auch immer da passiert, das Endresultat ist, dass wir in die
allergenauste (vielleicht sogar einzige) Filmdarstellung eines
schlechten Alptraums, der je gemacht wurde, mit hineingezogen werden.

Es ist hart. Manche werden sagen, dass Inland Empire
abweicht, er verworren ist. Das ist es nicht. Es scheint so, als hätte
Lynch sich eine sehr klare Struktur überlegt und das alle Teile für ihn
perfekt zusammen passen. Wenn man davon absehen kann, dass es einen
viel tieferen Sinn im Vergleich zu dem hat, was man normalerweise
gewöhnt ist, kann man einen Rhythmus an diesem Film erkennen. Man muss
auch darüber hinwegsehen, dass das meiste von Inland Empire
sehr, sehr Furcht erregend ist. Die überwältigende Furcht vom
klassischen Lynch ist hier in voller Kraft zu sehen. Viele flackernde
elektrische Lichter, eindringliche Bilder durch leere Furchterregende
Häuser, in denen permanent das Unvorhersehbare lauert, sowie ein
meisterhaft manipulierter Sound, in dem ein Rauschen von
atmosphärischer Störung das Ängstlichste ist, das man je gehört hat.

Was passiert in Inland Empire? Keine Ahnung. Laura Dern
läuft durch eine Tür in Hollywood, die sich dann in Polen öffnet. Es
ist nicht mehr Dern, oder sie ist es doch, aber sie ist eine andere
Person: Da gibt es noch diese Nutte, die sich in einem dunklen
Hotelzimmer, im Fernsehen anschaut, was Dern macht. Dann gibt es da
noch diese wiederkehrende Sitcom mit Menschen, die riesige Hasenköpfe
haben (vollständig mit einem Lach-Track), oder diese merkwürdige Clique
von mehreren Nutten, die immer mal wieder auftaucht (an einer Stelle
machen sie einen synchronisierten Tanz zu „The Locomotion”). Ferner
sieht man ein Barbeque mit einer reisenden osteuropäischen
Zirkusgruppe. Dern krabbelt auf ihren Händen und Knien den Hollywood
Blvd runter und schließlich erscheint so eine monstreuse Kreatur mit
einem Gesicht, das aussieht als wenn es mit billiger Schminke aufgemalt
wurde, etc etc etc.

Vielleicht hört sich das ein bisschen durcheinander an, aber glaubt
mir; es hat so gut geklappt und war so Furcht einflößend, dass ich nur
beim tippen Gänsehaut kriege.

Es gibt keine wirkliche Auflösung. Es gibt keine gute Antwort
Ende. Dafür gibt es aber während der Credits eine tolle Tanzsequenz,
dieses Mal zu Nina Simone’s „Sinnerman.” Inland Empire ist
nicht eine Kinoerfahrung, wie wir es gewöhnt sind. Es ist meditativ,
unangenehm, wunderschön und ein verwirrender Geduldtest. Ihr solltet es
euch mindestens einmal anschauen.

PS: der einzige unbestreitbare Fehltritt in der ganzen Sache ist
die Verwendung irgendeines unausstehlichen Beck Liedes auf dem
Soundtrack. Bäh.

JERRY MCPHEERSON

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