Wacken Festival

Ich weiß nicht, ob ihr das gewusst habt, aber das Wacken ist so ziemlich das größte Metal Festival der Welt. Und es findet genau hier, in unserem entzückenden Land statt. Avi Pitchon ist unser neuer Metal-Redakteur. Er war dort, nahm einige lustige Bilder auf und schrieb einen Bericht darüber. Viel Spaß.

Bevor Motörhead auftreten, gibt es die schäbigste Entwürdigung einer Awardshow, die jemals auf der True Metal Bühne stattgefunden hat. Ein paar Kids, die irgendeinen Bandwettbewerb gewonnen haben, werden mit einer raunenden Stille à la “das-ist-nicht-Motörhead-Argh.” konfrontiert und nach 20 Sekunden von dem vollkommen besoffenen Moderator, der seine Klasse bewahrt indem er jeden Satz mit “or something” beendet, von der Bühne gekickt. Wackens Organisator, Uwe, ein munterer alter Bauer, kommt auf die Bühne, trägt Shorts und hält eine mit Pathos erfüllte, sozialistische Rede. Seine Erscheinung, die rein gar nichts mit Metal zu tun hat, erhebt sich auf der Videoleinwand, unter einem flammenden Stierkopf. Es ist irgendwie surreal.

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Dann bittet der Moderator 50.000 knurrende, sternhagelvolle Barbaren, die drei Nächte voller Chaos durchgemacht haben, um eine Schweigeminute für jemanden, der letztes Jahr auf dem Wacken gestorben ist. Er erwähnt noch nicht mal den Namen oder das Geschlecht dieser Person, die dort umgekommen ist. Erstaunlicherweise breitet sich Stille über das vom Krieg zerrüttete Feld aus. Nur das unkoordinierte Knurren, der wildesten, zügellosesten und wütendsten Mistkerle, durchbricht sie. Metalheads gedenken einem gefallenen Kameraden. Motörhead kommen und ich navigiere eine Welle von Zombie Crowd Surfern, die über ein Meer aus Händen gleiten, nach der anderen. Egal wie erschöpft du bist, jedes Mal wenn ein neuer Surferellenbogen auf deinen Hinterkopf trifft, wirst du wieder zurück ins pralle Leben katapultiert. Wir alle zusammen sind ein Biest, das Lemmys Altar anhimmelt. Sie spielen vergessene Klassiker, wie “I Got Mine” und “Love Me Like A Reptile”.

Am Tag vorher bringen Peter Steeles Carnivores 8 barbusige Schönheiten auf die Bühne, die Wasserbomben auf das Publikum werfen. Emperor packen unsere Seele, zerren sie in irgendeinen tiefen, hohlen Dunst voll absolut toxischer Dunkelheit und pflanzen sie dann zurück in das, was früher unser Körper war, der auf einem Feld stand. Die Sonne geht unter und der Sänger/Gittarist Ihsahn, das linke Bein fest auf einem der vier Monitore, die ihn wie ein Thron umgeben, festgewachsen, spielt wie die Pink Floyd der Black Lodge. Ein Zwerg, der an einen Elefantenmann erinnert, kommt wie selbstverständlich dazu. Metal bietet seiner Verunstaltung einen Kontext: Monster sind cool. Angel Ogosta, eine Rockschlampe aus Israel, lässt jeden, der auf ihren, nur von einem zerrissenen Fischernetz bedeckten, Arsch starrt vergessen, wo und wer er ist. Hinter ihr fallen die Leute reihenweise um. Dann wird sie von Al Juergensen, der seine Kollegen von Ministry zum Demolieren und Neugestalten der Backstage-Area auffordert, auf den Boden geworfen.

Danach kommen sie auf die Bühne und vergewaltigen das gesamte Festival mit zerschmetternder, irrer, übertriebener Lautstärke. Juergensen grölt im Ton den brennenden Horizont an. Rose Tattoo ist wahrscheinlich die Band, die auf dem Wacken hinter der größten Absperrung gespielt hat. Der Sänger, Angry Anderson, hat ein anti-satanistisches Manifest verfasst. “Es geht nur um die Liebe”, kichert er, “es ist die Liebe, die dir den größten Schmerz und die größte Freude bereitet. Schaut euch um, schaut zu euren Schwestern”, dann gräbt sich der Rest der Band in ihren down under hillbilly swamp boogie. Um 3:30 falle ich in einen matschigen Graben. Nächstes Jahr solltet ihr unbedingt kommen.

AVI PITCHON

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