Was ist eigentlich mit der Elfenbeinküste los?

Habt ihr eigentlich mitbekommen, dass die Elfenbeinküste, das Land neben Liberia nun auch in Trümmern liegt und die UNO, sowie Frankreich lustig darauf  herumbomben? Aber im Ernst, was ist da eigentlich los und warum begehen die Anhänger der von der UNO unterstützten Partei Massenmorde?

Wann habt ihr in den vergangenen Tagen etwas über die Lage in der Elfenbeinküste gelesen? Während sich also jeder auf Libyen, Fukushima und das politische Bauerntheater in Deutschland konzentriert, spielt sich dort an der Westküste die übliche weltpolitische Charade in Afrika ab, die einfach keinerlei Sinn ergibt, egal von welcher Seite man es betrachtet. Dazu kamen Meldungen eines Massakers an der Zivilbevölkerung, das im Sinne aller afrikanischen Massaker mit Macheten und Stahlstangen durchgezogen wurde und seltsamerweise von dem Typen ausging, den die UNO unterstützt.

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Die UNO-Kampfhubschrauber machen nun seit Tagen die Hauptstadt Abidjan heroisch dem Erdboden gleich und der Grund dafür, dass Ban Ki Moon mit der UNO und den Franzosen in den Krieg gezogen ist, ist der, dass Outtara, aus dem muslimischen Norden des Landes anscheinend die „Wahl“ gewonnen hat. Stellt euch mich vor, wie ich mit meinen Fingern kleine Gänsefüsschen in die Luft zeichne, denn die Situation bei dieser Wahl hat nichts mir dem zu tun, was weitläufig als Demokratie bezeichnet werden kann. Das afrikanische Wahlsystem funktioniert wohl etwas anders als das europäische, dort geht es nicht darum, wer nun die Atomkraftwerke sofort abschaltet, oder wer dem Wutbürger Promille-Prozent Mehrwertsteuererhöhung oder Senkung schmackhaft machen muss, sondern eher Wir gegen Sie. Ihr Stamm gegen unseren Stamm. So wie es bereits im angrenzenden Liberia passiert und was auch der Auslöser für den Genozid in Ruanda und für den Bürgerkrieg in Nigeria war. So laufen die Dinge in Afrika einfach.

Wie ganz Afrika ist auch die Elfenbeinküste quergeteilt und das hat damit zu tun, wie Afrika zur Religion kam. Die Europäer verbreiteten das Christentum durch ihre kleinen Außenposten und Kolonien entlang den Küsten und der Islam nahm den Weg durch das Innland des Kontinents, bis sie irgendwann aufeinander trafen und von den europäischen Kolonialmächten diese willkürlichen Grenzen drumherum gezogen wurden, die Afrika schon in der Vergangenheit ins Verderben gestürzt haben und es wieder tun werden.

Ex-Präsident Gbagbo repräsentiert im Fall der Elfenbeinküste die christlich und europäisch geprägten Küstenregionen des Landes, während der international Anerkannte Wahlsieger Ouattara das muslimische  und ärmliche Inland repräsentiert. Bei der letzten Wahl, die nun zu diesem Chaos führte, gewann Gbagbo den ersten Wahlgang und unterlag dann in einem Zweiten. Dazu kam, dass im Norden eine Menge illegaler Immigranten aus dem angrenzenden Burkino Faso sich an der Wahl beteiligten und Gbagbo und seine Kumpels deshalb nicht unbedingt darauf scharf waren ihre, von den Franzosen seit Generationen unter Zwang übergestülpte europäische Identität gegen die Aussicht auf die Scharia aufzugeben. Ich meine ernsthaft, ich würde auch nicht aus meinem Bunker rauskommen wollen, besonders wenn ich zuvor dick mit meinen Kumpels aus Europa war, die nun beschlossen haben mich aus dem Amt zu bomben.

Wenn man nun also die Militärmaschinerie der UNO (ja, die haben auch so was) und der Franzosen auf die Seite eines Kandidaten in einem Land, das so tief zerrissen ist stellt, sollte man sich ausrechnen können, dass man den Leuten damit eigentlich suggeriert, dass sie wohl ein international anerkanntes Recht haben, die anderen zu hassen. Massaker sind dann nur der nächste logische Schritt.

Und es ist nun wirklich ziemlich seltsam, denn die Massaker in den vergangenen Tagen wurden ja von der FN, den “Forces Nouvelles”, also den Truppen von unserem guten UNO-Kumpel aus dem Norden, Alassanne Outtara begangen. Aber es ist halt schon immer so gewesen, dass es einrückende Horden nicht so gut finden, wenn man den ihrer Ansicht nach falschen, weil eh ausgedachten Glauben praktiziert.

Die UNO hat Outtara nun aufgefordert selbst mal nach dem Rechten zu sehen und die Massaker, die von seinen Truppen begangen wurden aufzuklären (es interessiert mich brennend, wie schnell  und ob das passieren wird), während die UN-Hubschrauber noch immer die Hauptstadt in Schutt und Asche legen und Gbagbo wahrscheinlich überhaupt nicht mehr versteht was da los. Kann das auch mir bitte irgendeiner mal erklären, denn das alles und die Parteinahme der UNO  (man kann hier bei diesen Beiden nichtmal von einem kleineren Übel sprechen), ergibt wirklich keinerlei Sinn.

Seht euch hier nochmal unseren Vice Guide to Liberia an, den wir im Nachbarland gedreht haben, um eine rudimentäre Ahnung davon zu bekommen, was für ein grauenhafter Irrsinn an der Westküste Afrikas Normalität ist.

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