Für Washed Out gehört Frust zum kreativen Prozess

Wenn Ernest Green aka Washed Out zu lange an einem Projekt arbeitet, wird ihm langweilig. Da kam es ihm natürlich gerade recht, dass Philips genau zu dem Zeitpunkt mit dem Sound of Creation-Projekt auf ihn zukam, als ihm die Arbeit an seinem im August erschienes Album Paracosm zum Hals raushing. Ob das daran lag, dass es nach pinken Pfefferkörnern mit gehackten Rosenblättern geschmeckt hat, oder dass Green einfach ein umtriebiger Sklave seiner eigenen Musik ist, können wir nur vermuten.

Green ist nicht nur zugleich Weltreisender und Einzelgänger, sondern auch Ideengeber, Songwriter und Produzent seines Ein-Mann-Projektes Washed Out, was ihn natürlich zum besten Ansprechpartner über den Prozess des kreativen Schaffens macht. Für Sound of Creation hat er die Komplexität des kreativen Schaffens in neun griffige Schritte aufgedröselt und, wie sollte es auch anders sein, er hat auch die Musik dazu geschrieben. Nach der Arbeit an Sound of Creation hat er sich wieder um sein Album gekümmert und natürlich im seine Fans. Denn Washed Out befindet sich schon wieder seit einer ganzen Weile auf Tournee (die letzte Tour ging zwei ganze Jahre). Als er in Berlin stoppte, erwischten wir ihn für ein kurzes Interview.

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Noisey: Ich habe gehört, dass ihr zur Veröffentlichung des Albums Paracosm Eis verschenkt habt. Wie schmeckt dein neues Album denn?
Ernest: (lacht) Wie es schmeckt? Ich habe keine Ahnung. Mein Manager kommt immer mit solchen Ideen an. Ich glaube, es war pinkes Pfeffereis mit gehackten Rosen oder so. Es hat nicht schlecht geschmeckt, aber auch nicht gut.

Seine Idee hat dir wohl nicht so gut gefallen?
Ernest: Doch, es hat schon gepasst. Within and Without war für mich ein Album für nachts, während Paracosm genau das Gegenteil ist: ein Album für tagsüber. Eis passt gut zu dieser Idee, oder? Auch optisch sah das Eis ein bisschen wie das Artwork aus.

Es heißt, du hast auf deinem neuen Album 50 verschiedene Instrumente verwendet. Stimmt das?
Ernest: Ja—das ist auch eine ganz schöne Herausforderung für die Live-Shows. Es hat tatsächlich einen Monat gedauert, allein die Proben vorzubereiten. Bei der letzten Tour war alles viel traditioneller, im Sinne von elektronischer. Wir hatten viele Synthesizer dabei, jetzt spielen wir live mit Instrumenten. Das ist auch Teil des Tagsüber-Konzepts.

Du bist jetzt schon zehn Tage auf Tour und hast noch ein bisschen was vor dir. Wie läufts denn?
Ernest: Es ist eine ganz schöne Umstellung für mich. Wegen dem Album hatte ich mir ein Jahr frei genommen. Ich wohne in Athens, Georgia. Das ist eine kleine Universitätsstadt, aber ich wohne außerhalb. Unser Haus ist mitten im Wald. Wenn ich zuhause bin, verlasse ich mein Haus kaum. Ich laufe den ganzen Tag im Schlafanzug rum.

Und da willst du wohnen bleiben, oder zieht es dich in eine größere Stadt?
Ernest: Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber ich habe die letzten Jahre dort sehr genossen. Auch wenn es abgelegen ist, macht es für mich Sinn. Mit dem letzten Album waren wir zwei Jahre auf Tour. Wenn ich dann nach Hause komme, will ich eigentlich nur noch weg, in mein Haus im Nirgendwo. Dort habe ich auch das neue Album aufgenommen.

Du bist aber auch oft auf Tour, also kein echter Einsiedler…
Ernest: Ja, genau. Und weißt du, meine echte Leidenschaft ist das Schaffen, das Kreieren. Auf Tour hört man so viel Musik und redet darüber, aber man hat einfach keine Zeit, tatsächlich Musik zu machen. Das hole ich nach, wenn ich zu Hause bin. Mit dem neuen Album war es genauso: Ich kam heim und arbeitete drei Tage ohne Unterbrechung.Das war vielleicht nicht die beste Idee—es war schon anstrengend. Sobald ich fertig war, folgten tausend Deadlines für das Artwork und das Video und alles mögliche. Das ging so, bis die Tour anfing. Ehrlich gesagt, habe ich das Album gerade satt (lacht).

Apropos Schaffen und Kreieren—du hast letztes Jahr mit Philips das Sound of Creation-Projekt gemacht. Was genau war dein Part?
Ernest: Alles. Ich habe das ganze Konzept geschrieben und die Musik gemacht. Es war wirklich wie ein wahrgewordener Traum, oder so.

Also entspricht deine Arbeit, der kreative Prozess, der deiner Musik vorrausgeht, genau diesem Schema?
Ernest: Ja. Bei mir fängt alles tatsächlich mit der musikalischen Idee an. Ich bin nicht der Typ, der Lyrics im Kopf hat und einen Song darum herumbastelt.

Das interessant. Ich glaube, alle erleben die neun Punkte (Inspiration, Idea, Improvise, Experiment, Improve, Test, Compete, Perfect, Share) wie du sie in Sound of Creation beschrieben hast, aber wohl niemals in einer so linearen Abfolge. Kommst du nicht mal an einen Punkt, an dem du hängen bleibst oder wieder ganz von vorne anfängst?
Ernest: Doch klar kenne ich das, aber nicht wenn ich an einem Song arbeite. Wenn man am Ende die Lieder für das Album zusammenstellt, dann suche ich mir das erste Puzzlestück, welches mich zum nächsten führt. Manchmal. Dann komme ich an einen Punkt, der interessant und frustrierend zugleich ist, weil nichts zusammenpasst. Ich habe einige Songs, die eigentlich gut waren, ausgelassen, weil sie nicht ins große Ganze gepasst haben.

Dieser Punkt fehlt dann übrigens in deinem Konzept: Die Frustration.
Ernest: Oh ja. Frustration gehört definitiv zum kreativen Prozess. Das Schlimmste ist, wenn man gerade intensiv an etwas arbeitet, eine Pause macht und wenn du dann das nächste mal einen Blick darauf wirfst, findest du es total beschissen. Das ist echt frustrierend. Das wäre vielleicht anders, wenn ich nicht alleine arbeiten würde und eine zweite Meinung hätte.

Das Feedback anderer ist daher nicht Teil deines kreativen Schaffens?
Ernest: Oh doch. Klar, ich spreche natürlich mit Freunden und so. In der letzten Phase, hat mir auch jemand geholfen, das Albums abzumischen. Während ich mich monatelang mit den Details beschäftigt habe, hat er den Überblick über das große Ganze gehabt. Das war schon wichtig.

Der fünfte Punkt ist das Verbessern, der vorletzte heißt Perfektionieren. Wie unterscheidest du das eine von dem anderen?
Ernest: Bei mir ist nichts perfekt oder fertig, aber früher oder später kommt eine Deadline. Wenn ich von Bands wie My Bloody Valentine höre, die 10 oder 15 Jahre an einem Album arbeiten, denke ich nur: Ich könnte das nicht. Ein Album ist im Grunde auch nur eine Stunde Musik. Ich weiß nicht, ob mir die Langeweile oder die Neugier im Weg steht, aber ich brauche schnell wieder etwas Neues. Ein Stück wird so lange perfektioniert, bis ich mit einem Neuen anfange. Ich komme nie zur Ruhe.

Washed Outs Paracosm ist bei Domino erschienen, bestellt es euch bei Amazon oder iTunes.

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