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Das soziale Netzwerk „Wer kennt wen“ will keinen mehr kennen lernen

Neben der massiven Präsenz von Facebook hat kaum ein anderes Netzwerk die Chance zu bestehen. Nun kündigte das deutsche Urgestein „Wer kennt wen” sein Ende an: Zum 1. Juni wird die Plattform geschlossen. Der Inhaber RTL interactive hat trotz Suche keinen Käufer der Seite gefunden und entlässt die bisherigen 9.6 Millionen Mitglieder (und toten Accounts) sowie die 40 Mitarbeiter in die nicht vernetztete Freiheit. (Für die Mitarbeiter wird laut RTL teilweise eine andere Stelle im Unternehmen gesucht.)

Erst im letzten November wurde ein Relaunch mit zahlreichen Optimierungen wie responsive Webdesign und Ausrichtung der Seiten für die mobile Nutzung durchgeführt. Scheinbar ohne Erfolg. Und auch das schon vorher eingeführte Angebot mit Neuerungen wie Vereinsheim, Tier- und Kfz-Profilen konnte die Nutzer aus unerfindlichen Gründen nicht halten.

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Bei „Bienchen gesucht

Bei „Bienchen gesucht”, „Mein Haustier und ich” und „Danke Mama!” habe ich mich natürlich sofort angemeldet. Alle Bilder Screenshots werkenntwen.

Wenn „Wer kennt wen” von der Bildschirmoberfläche verschwindet, will ich zumindest sagen können: Ich war dabei. Darum hatte ich die schlaue Eingebung, mich doch mal zu registrieren. Ausladenderweise wurde ich leider erst beim dritten Aufrufen der Seite mit einem meiner Zielgruppe entsprechenden Empfangs-Bild begrüßt.

Zunächst wollte mich ein entspanntes Seniorenpaar ins Netz locken, was mich leicht verwirrte und einen spontanen erneuten Ladeversuch nach sich zog. Das sollten meine neuen Freunde sein? Das ist doch eher die Altersgruppe meiner Eltern, Nachbarn und Vorgesetzten. Meine männlichen Redaktionskollegen jedenfalls wurden stets mit der oben abgebildeten sonnig grinsenden Dame empfangen. 

Nachdem sich die Seite zum zweiten mal aufgebaut hatte erlebte ich, wie ein Mark Zuckerberg-Klon einem Mädel verspielt die Augen zu hält. „Baby, guck nicht so genau hin, wo du dich gerade einloggen willst, ich zaubere dich in eine bessere Welt mit Werbeunterbrechungen und ohne Datenlöschungsverheißungen.” Welche teuflsche PR-Agentur hat denn zu solch einem Model geraten?

Neben einigen warmen Abschiedsworten im Netzwerk hält wkw tatsächlich einige überraschende Unterscheidungsmerkmale gegenüber seinen Konkurenten bereit. Zum einen werden deine Daten unwiderruflich gelöscht, was auf jeden Fall eine Interneterfahrung ist, die sich euch nicht allzu oft bietet, und die ihr ruhig einmal mitnehmen solltet.

Und dann lockt man auch mich als Kurzzeitnutzer mit einem exklusiven Fotobuch, das mir alle meine hochgeladenen Bilder überspielt. Als Sahnehäubchen verspricht wkw bei seinem Abschalten Tipps bereit zu stellen, wo und mit wem du dich in deinem weiteren Leben vernetzen solltest. Ich gehe nicht davon aus, dass die wkw-ler dir Facebook und Xing vorschlagen, das wäre doch zu billig—ich bleibe dran und warte auf die nächsten Überraschungen, die mir wer kennt wen nun noch bis zu seinem Abschied servieren wird.

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