Yeezus ist echt scheiße

Heute ist das neue Kanye West Album offiziell erschienen, aber falls ihr einen dieser fantastischen Zauberkasten namens Computer besitzt und euch ein bisschen für Musik interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr Yeezus schon am Wochenende gehört habt. Die Nachricht, dass das Album geleaked ist, hat in ihrer Newswert sogar die Verkündigung verdrängt, dass auch Kanyes anderes Baby geschlüpft ist. Verdammt, selbst wenn die erste Mondlandung am selben Tag passiert wäre, wäre das im Vergleich dazu nur eine Erwähnung unter ferner liefen wert gewesen. Aber wie so oft – erinnert sich noch jemand an Roland Emmerichs Godzilla von 1998 – hat die Realität dem Hype nicht standgehalten. Yeezus ist wirklich schlecht geworden.


Kompromisslos ist nicht gleich gut

In seiner fast 20 jährigen Geschichte hat Kanye schon viele weirde Sachen gemacht. Im Grunde kann man sogar die Idee, Soulsamples hochzupitschen oder Adam Levine auf sein Album zu lassen auch als ziemlich komisch bezeichnen, „Blame Game“ ist kompromisslos eigenartig und 808 & Heartbreaks ist ein ganzes Album, das komplett absurd ist. Aber all das war noch Pop, oder was auch immer du als Überbegriff für diese Kategorie von Musik verwenden willst, in die Kanye genauso reinfällt wie NIN. Ich stoße mich auch nicht daran, dass er plötzlich wieder singen will, denn im Gegensatz zu Mike Skinner, der sich ungefähr gleich beschissen anhört, kamen bei Kanye bisher immer gute Songs heraus. Das Problem ist einfach, dass Yeezus wie ein etwas klingt, das mittels Zwölftontechnik komponiert wurde.
Deshalb hinkt auch der Vergleich mit Kid A, In Utero und einem Neil Young Album, das niemand kennt, den Jon Dolan aus dem US Rolling Stone (einer der Typen, die nicht zugeben können, wie scheiße das Album ist) gebracht hat. Kid A und In Utero waren kompromisslos, neuartig und haben mit der Vergangenheit der Band gebrochen, aber es waren immer noch Popalben. Wenn überhaupt, dann ist das Äquivalent zu Yeezus eines der späteren Radiohead Alben, die kein Mensch mehr hören konnte. Hail to the Thief zum Beispiel.

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Man muss aus Angst wie ein Idiot dazustehen, nicht alles gut finden, was man nicht versteht

Die einzigen, die Yeezus gut finden müssen, sind Kim Kardashian und Kanyes Labelboss. Während Kim aber gerade das Glück hat, unter viel Schmerzen ein Kind aus ihrer Vagina gepresst zu haben und sich so einer Meinung enthalten kann, konnte der Def Jam verantworliche nicht plötzlich krank werden, als man ihn nach seiner Einschätzung befragt hat. Also hat er die einzig richtige, komplett nichtssagende Antwort gegeben, die sich seither auch in ungefähr allen Reviews wiederfindet: Das Album ist ziemlich dark geworden.
Weil es Musikkritiker aber verwehrt ist, sich auf ein Adjektiv zu beschränken und in dieser Gruppe von scheinbaren Auskennern die größte Angst darin besteht, etwas nicht kapiert zu haben, kommt dabei ein Haufen Scheiße heraus, der in seiner Dimension sogar das übertrifft, was Kanye gerade abgeliefert hat. Aus demselben Grund sind die Lieblingsfilme eines Musikkritikers auch Außer Atem und 8 ½ während es in Sachen Literatur Infinite Jest ist, das seit Jahren ungelesen am Nachtkastl liegt, aber “ein echtes Meisterwerk” darstellt.

Kanye ist komplett wahnsinnig geworden

Könnt ihr euch vorstellen, dass Kanye West einmal ein ganz normaler und eigentlich sogar sympathischer Typ war? In „Last Call“, dem Abschlusstrack von College Dropout erzählt er davon, wie er mit seiner Mama nach New Jersey gezogen ist, sein Bett bei IKEA gekauft und anschließend selbst zusammengebaut hat. Der Steve [Jobs] of Internet, downtown, fashion, culture verwendet in dem Song sogar das Wort „starstruck“. Etwas früher auf College Dropout erzählt er sogar davon, dass er beim Aufreißen damit angegeben hat, Talib Kweli zu kennen. Irgendwann zwischen den MTV Awards (als sein Auszucker eigentlich gerechtfertigt war, denn “Single Ladies” war verdammt noch einmal das bessere Video) und jetzt ist etwas passiert. Vielleicht ist Yeezy von Aliens entführt und eine ganz gemeine Analsonde verpasst worden, die NSA hat ihn einer Gehirnwäsche unterzogen oder es lag wirklich am Kokain. Auch wenn er selbst Witze in diese Richtung nicht mehr lustig findet, genauso unlustig ist leider Yeezus. Ich bin nicht gläubig, aber John Lennon und den Beatles haben gezeigt, was passiert, wenn man sich selbst mit Gott vergleicht. Vermutlich wird Kanye sich als nächstes einen indischen Guru suchen und alles wird noch mehr den Bach runtergehen.

Schaut auf Noisey um euch eine andere Meinung zu Yeezus abzuholen.

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